Allgemeine Zahnheilkunde


Bakteriämien – Auslösung und Vermeidung bei oralen Aktivitäten

Dosierrad-Spritze SoftJect ohne ein integriertes mehrstufiges Hebelsystem zur Verstärkung des Injektionsdruckes.
Dosierrad-Spritze SoftJect ohne ein integriertes mehrstufiges Hebelsystem zur Verstärkung des Injektionsdruckes.

Im Rahmen von ZÄKammer-Fortbildungen wird immer wieder auch die Frage hinsichtlich der Auslösung von Bakteriämien gestellt und behandelt. In ihrem Fachbuch „Die intraligamentäre Anästhesie – einfach und effektiv“ [2] haben W. Bender und L. Taubenheim die relevanten Aspekte dieser Komplikation detailliert beschrieben.

In der Deutschen Zahnärztlichen Zeitung 2011 wurde von Csides, Taubenheim und Glockmann im Zusammenhang der „Grenzen und Komplikationen“ der intraligamentären Anästhesie (ILA) auch die Thematik der Bakteriämien zusammenfassend betrachtet [3]. Zahlreiche zahnmedizinische Maßnahmen können eine Bakteriämie auslösen [8]. Von Interesse ist die Sepsis, die möglicherweise durch die Forcierung von Bakterien in das Gewebe und in die Blutbahn (Bakteriämie) durch die Injektionsnadel resultieren kann.

In ihrer klinischen Bewertung der periodontalen Ligamentinjektion präzisieren Walton und Abbott [12], dass dies bei intraligamentalen Injektionen vermutlich der Fall ist, aber wahrscheinlich in keinem größeren Umfang als bei anderen zahnmedizinischen Behandlungen. Die intraligamentale Injektion kann mit subgingivalem Scaling (Scaling und Root Planing) verglichen werden, was in einem kleinen Prozentsatz der Fälle zu Bakteriämien führt. Diese Bakteriämien waren transient [12].

Bestimmte Erkrankungen erfordern besondere Vorsichtsmaßnahmen

Beim Gesunden mit funktionsfähiger Abwehr werden die Mikroorganismen durch Mikro- und Makrophagen innerhalb von Minuten eliminiert, sodass eine Vermehrung im Blut oder eine Absiedelung in Organen in der Regel auszuschließen ist. Anders ist die Situation bei eingeschränkter Infektionsabwehr, reduziertem Allgemeinzustand und Erkrankungen mit Infektionsgefährdung bei vorhandener Vorschädigung [1].

Besondere Vorsicht gilt bei Vorliegen einer Endokarditis, eines Status nach einer Endokarditis sowie von Erkrankungen oder Ersatz von Herzklappen, da in diesen Fällen eine Absiedelung von Bakterien aus dem Blut zu ernsthaften Komplikationen für den Patienten führen kann. Daher ist es selbstverständlich, unter strenger Beachtung der Anamnese bei o.g. Erkrankungen das mögliche Auftreten einer Bakteriämie als Risikofaktor in zahnärztlichen Behandlungsplänen und -abläufen zu berücksichtigen; insbesondere sind invasive Eingriffe und Manipulationen am Zahnfleischsulkus wie Zahnextraktionen, Zahnsteinentfernungen oder Parodontalkürettagen unter Antibiotikaschutz vorzunehmen [1,9].

Diese Vorsichtsmaßnahme ist nicht nur bei einer ILA, sondern auch bei anderen Manipulationen am Zahnfleischsulkus, z.B. Zahnsteinentfernungen, einzuhalten. Eine Übersicht über prophylaxepflichtige zahnärztliche Eingriffe gibt Tabelle 1.

Extraktionen

– ohne Gingivitis (35%)

– mit Gingivitis (70%)

Zahnchirurgischer Eingriff (40 bis 90%)
Intraligamentäre Anästhesien
Endodontische Behandlungen
Zahnsteinentfernung (40%)
Professionelle Zahnreinigung
Zähneputzen (40%)
Parodontale Eingriffe
Alle Maßnahmen, die im Sulkusbereich eine Blutung provozieren können

Tab. 1: Zahnmedizinische Maßnahmen, die eine gravierende Bakteriämie auslösen können [8,11].

Studienlage zur Auslösung von Bakteriämien bei Anwendung der ILA

1987 veröffentlichten Rahn et al. die Ergebnisse einer Studie, in der sie feststellten, dass die Häufigkeit der Bakteriämien nach intradesmodontaler Anästhesie bei Anwendung großer Injektionskräfte signifikant anstieg [10]. Zur Herbeiführung einer ausreichenden Anästhesietiefe ist zwar ein bestimmter Mindestdruck des Lokalanästhetikums erforderlich, eine Überschreitung dieses Druckes bzw. der entsprechenden Injektionskraft erzielt aber keine Verbesserung der Wirkung. Die Autoren schreiben, dass die Zunahme der Bakteriämiehäufigkeit bei größerer Injektionskraft die Forderung nach einem kraftbegrenzenden Mechanismus der Injektionsspritze sinnvoll erscheinen lässt.

Sie verwendeten für die 50 dokumentierten Fälle eine – heute als obsolet zu betrachtende – Ligmaject-Pistolenspritze (Abb. 1). Die wissenschaftliche Stellungnahme der DGZMK (Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde) betrachtet detailliert alle relevanten Aspekte der Endokarditisprophylaxe. In der DGZMK-Stellungnahme wird jedoch die Prophylaxe bei intraligamentalen Injektionen nicht thematisiert, weshalb für Glockmann und Taubenheim das Endokarditisrisiko eine absolute Kontraindikation für die ILA darstellt [5,6].

  • Abb. 1: ILA-Pistolenspritzen ohne und mit Druckbegrenzung.
  • Abb. 1: ILA-Pistolenspritzen ohne und mit Druckbegrenzung.
    © Bender/Taubenheim

Für den gefährdeten Patientenkreis sollte neben dem indizierten Antibiotikaschutz als weitere Vorsichtsmaßnahmen eine Verringerung der Keimzahl der Mundhöhle – unabhängig von der Methode der Lokalanästhesie – selbstverständlich sein. Heizmann und Gabka [7] beobachteten während einer mehr als 10-jährigen breiten Anwendung der intraligamentären Anästhesie in Klinik und Praxis keine Bakteriämie, was auch von Endo et al. [4] und von Zugal et al. [13] bestätigt wird.

Zur Reduzierung des Risikos einer Bakteriämie durch eine intraligamentale Injektion sollten heute nur Spritzensysteme verwendet werden, die dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen, z.B. Dosierrad-Spritzen ohne ein integriertes mehrstufiges Hebelsystem zur Verstärkung des Injektionsdruckes (Abb. 2).

  • Abb. 2: Dosierrad-Spritze SoftJect ohne ein integriertes mehrstufiges Hebelsystem zur Verstärkung des Injektionsdruckes.
  • Abb. 2: Dosierrad-Spritze SoftJect ohne ein integriertes mehrstufiges Hebelsystem zur Verstärkung des Injektionsdruckes.
    © Bender/Taubenheim

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Wolfgang Bender - Lothar Taubenheim


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