Allgemeine Zahnheilkunde


Augen auf beim Lampenkauf

Verdeutlichung der Diskrepanz zwischen Lichtaustrittsfenster und Kavitätendurchmesser:
Verdeutlichung der Diskrepanz zwischen Lichtaustrittsfenster und Kavitätendurchmesser:

Wurde die Lichtpolymerisation noch vor Jahren als notwendiges Übel angesehen, konnte man inzwischen erkennen, dass neben der korrekten Adhäsivtechnik die suffiziente Lichtpolymerisation der eigentliche Schlüssel zum Erfolg bei der direkten adhäsiven Restauration zu sein scheint. Welche praxisrelevanten und produktunabhängigen Aspekte zur Optimierung der Lichthärtungstechnik beitragen und somit den langfristigen klinischen Erfolg von lichtgehärteten Kompositmaterialien verbessern, fasst Prof. Dr. Claus-Peter Ernst nachfolgend zusammen.

Kaum ein Thema ist so unspektakulär wie die Lichtpolymerisation. „Und jetzt noch härten“, hört man oft und der Behandler dreht sich weg. Dabei beginnt jetzt einer der wichtigsten Schritte in der Verarbeitung lichthärtender Komposite: die Lichthärtung. Hierbei sind nicht nur gerätetechnische Aspekte wie Leistung, emittierter Wellenlängenbereich und die Homogenität der Abstrahlfläche zu berücksichtigen, sondern sehr viele weitere Anwendungskriterien [17,18,22].

Für eine suffiziente Lichtpolymerisation brauchen wir in 99% aller Fälle blaues Licht. Man kann es so vereinfachen wie Sylvester Stallone in Rambo III: „Was ist das? Das ist blaues Licht. Und was macht es? Es leuchtet blau.“ Die Lichtpolymerisation ist nicht ganz so einfach zu erklären wie das Zitat aus dem Film. Nicht umsonst gibt es inzwischen etliche wissenschaftliche Arbeiten, die das Thema der Lichtpolymerisation beleuchten [3,11,29,40], Beiträge zur korrekten Anwendung der Lichtpolymerisation [22,34,35] – unter anderem unter Berücksichtigung eines klinisch relevanten Abstandes zwischen Lichtaustrittsfenster und Kavitätenboden [9,21], zur Verbreitung und tatsächlichen Leistung von Lichtpolymerisationsgeräten in den Praxen [5,7] und sogar umfangreiche Buchbeiträge in Lehrbüchern der adhäsiven Zahnheilkunde [6]. Nur eine suffiziente Polymerisation kann die Freisetzung von Monomeren aus ungenügend polymerisiertem Material effektiv verhindern [4]. Alle wissenschaftlichen Arbeiten und Übersichtsbeiträge [8,14,15,19,24] können auf die im Folgenden 12 beschriebenen, klinisch relevanten und produktunabhängigen Aspekte heruntergebrochen werden.

Lichtquelle und Geräteauswahl

Die blaue LED ist bereits seit über einem Jahrzehnt der Standard in der Lichtpolymerisation [10,12,13,29]: Von Seiten der Effizienz, der Kosten und des möglichen Geräte-Designs gibt es nichts Besseres. Halogen, Plasma und Laser-Polymerisationsgeräte können heute zur sinnvollen Anwendung als Neuanschaffung nicht mehr empfohlen werden. Aber auch bei blauen LED-Polymerisationsgeräten gibt es fulminante Unterschiede: Geräte mit identischen Leistungskennziffern können trotzdem hinsichtlich ihrer Polymerisationseffizienz sehr unterschiedlich sein.

Somit empfiehlt es sich, nur Lichtgeräte von Herstellern zu verwenden, die ausreichend Informationen und Service zu dem Gerät liefern und deren Leistungsfähigkeit von unabhängiger Stelle (z.B. BlueLight Analytics Inc., Halifax, Kanada oder wissenschaftliche Publikationen) bestätigt wurde. Es ist zudem ratsam, Lichtpolymerisationsgeräte ausschließlich von Dentalherstellern zu kaufen, die auch Komposite herstellen: So kann davon ausgegangen werden, dass das entsprechende Know-how vorhanden ist, für was die Geräte Verwendung finden sollen.

Polymerisationsenergie

Hier war die letzten Jahre eine kontinuierliche Leistungssteigerung zu verzeichnen: Waren noch vor Jahrzehnten 400 bis 500 mW/cm2 en vogue, so traut sich heute kaum mehr ein Hersteller, ein Gerät unter 1.000 mW/cm2 auf den Markt zu bringen. Doch welche Leistung braucht man wirklich? Hierzu liefert ein Konsensuspapier des „Northern Light Meetings“ 2014 eine gute Grundlage [18,30]: Als Hochleistungspolymerisationsgeräte können heute Lichtpolymerisationsgeräte mit einem Leistungsspektrum zwischen 1.000 und 1.500 mW/cm2 angesehen werden – dies stellt eine sehr gute Empfehlung dar. Vorsichtig sollte man hingegen bei Geräten jenseits der 1.500 mW/cm2 sein. Mehr braucht man nicht, da bei immer höherer Leistung die aufgewandte Energie nicht 1:1 in eine Verbesserung der Polymerisationsleistung umgesetzt werden kann, wohl aber unnötig Wärme in das biologische System der (hoffentlich noch vitalen) Pulpa einbringt.

Polymerisationszeit

Es muss berücksichtigt werden, dass jedes Kompositmaterial ein bestimmtes Minimum an Lichtenergie in einem bestimmten Wellenlängenbereich bedarf, um suffizient zu polymerisieren. Die so verabreichte Energiedosis (J/cm2) ergibt sich aus dem Produkt aus der flächenbezogenen Lichtemissionsleistung (mW/cm2) und der Belichtungszeit (Sek.). Die Empfehlungen der Komposithersteller hinsichtlich einer maximal zu polymerisierenden Schichtstärke und der entsprechenden Belichtungszeit sind auf jeden Fall einzuhalten. Jeder Anwender sollte die Kenngrößen seines Lichtpolymerisationsgerätes, wie die spektrale Verteilung des Lichtes und dessen gleichmäßige Abstrahlung über die Emissionsfläche und deren Durchmesser sowie die flächenbezogene Emissionsleistung in mW/cm2 kennen. Nur so kann die tatsächlich erforderliche Polymerisationszeit exakt an die Vorgaben des Komposit- oder Adhäsiv-Herstellers adaptiert werden.

Vorsicht ist geboten, wenn Polymerisationszeiten von 5 Sekunden oder weniger beworben werden: Dies funktioniert eventuell unter optimalen Laborbedingungen in bestimmten Set-ups. Bei derart kurzen Belichtungszeiten ist es zudem äußerst kritisch, das Lichtaustrittsfenster kontinuierlich über dem zu polymerisierenden Kompositinkrement zu platzieren. Bei dermaßen verkürzten Polymerisationszeiten können nicht unbedingt alle auf dem Markt befindlichen Komposite ausreichend ausgehärtet werden. Aus diesem Grund ist man gut beraten, vor einer Anwendung nach wissenschaftlicher Literatur zu forschen, die eine entsprechende Kombination aus hochenergetischer Kurzzeitpolymerisation und Komposit unter klinisch realistischen Bedingungen als sicher bestätigen konnte.

Als Standard-Polymerisationszeit können auch heute noch 20 Sekunden empfohlen werden. Es gibt allerdings bestimmte Kombinationen aus Lichtpolymerisationsgeräten und bestimmten Kompositen, in denen auch 10 Sekunden vertretbar wären. Aber auch hier gilt: 20 Sekunden bewirken im empfohlenen Leistungsbereich in der Inkrementtechnik noch keinen Hitzeschaden, ergeben aber einen zusätzlichen Sicherheitspuffer, wenn vielleicht doch mal ein „Wackelkontakt“ in der Hand des Anwenders besteht oder sich wider aller Vorsichtsmaßnahmen Kompositreste auf dem Lichtaustrittsfenster befinden. Selbst eine ganz aktuelle Metaanalyse kommt zu den besten Polymerisationsergebnissen, wenn die Strahlenflussdichte über 1.000 mW/cm2 liegt und die Polymerisationszeit mindestens 20 Sekunden beträgt [20].

Auf der anderen Seite benötigen beispielsweise bestimmte Bulkfill-Materialien sogar 40 Sekunden als Polymerisationszeit. Deswegen lohnt immer ein Blick in die Gebrauchsanweisung der Komposithersteller: Hier sollten immer konkrete Empfehlungen für Geräte bestimmter Leistungsklassen enthalten sein. Bei Verwendung dunklerer oder opaker Komposite oder bei einer Vergrößerung des Abstandes zwischen Lichtaustrittsfenster und Komposit ist die Belichtungszeit ebenso entsprechend zu verlängern.

Abstrahlfläche

  • Abb. 1: Verdeutlichung der Diskrepanz zwischen Lichtaustrittsfenster und Kavitätendurchmesser: Bei derart unterschiedlichen Durchmessern ist unbedingt mehrfach/überlappend zu polymerisieren – und das auch bereits beim Adhäsiv!

  • Abb. 1: Verdeutlichung der Diskrepanz zwischen Lichtaustrittsfenster und Kavitätendurchmesser: Bei derart unterschiedlichen Durchmessern ist unbedingt mehrfach/überlappend zu polymerisieren – und das auch bereits beim Adhäsiv!
    © Prof. Dr. Claus-Peter Ernst
Das Lichtaustrittsfenster sollte so groß wie möglich sein, um möglichst wenig überlappend polymerisieren zu müssen. Hier haben sich in den letzten Jahren 10 mm als effektiver Durchmesser des Lichtaustrittsfensters in der Königsklasse etabliert: Groß genug für eine optimale Flächenpolymerisation, aber immer noch gut zu positionieren, zu händeln und zu kontrollieren. Jede Fläche sollte separat polymerisiert werden; eine überlappende Polymerisation ist vorzunehmen, falls der Durchmesser des Lichtaustrittsfensters kleiner ist als der Restaurationsdurchmesser (Abb. 1).

LED im Kopf des Lichtgerätes oder Lichtleiter?

Lichtleiter (Faserlichtleiter) waren über viele Jahre die einzige Möglichkeit, Licht optimal zu bündeln und möglichst parallel auch in größere Kavitätentiefen zu bringen, um eine unerwünschte Lichtstreuung zu verhindern. Die Verwendung von Lichtleitern war auch die einzige Möglichkeit der Lichtleitung bei der Verwendung von Halogenlichtpolymerisationsgeräten. Die Translux EC mit einem flexiblen Lichtleiter war damals eine exotische Ausnahme. Bei den ersten LED-Lichtpolymerisationsgeräten wurde im Prinzip nur das Leuchtmittel (LED versus Halogen) geändert; das Aufbauprinzip der Geräte blieb jedoch dasselbe. Inzwischen gibt es aber dank der LED-Technik auch die Möglichkeit, die LED direkt in die Spitze des Lichtaustrittsfensters zu integrieren. Dies ergibt einen sehr robusten Geräteaufbau, da auf fragile Lichtleiter verzichtet werden kann. Die damit ermöglichte, flache Bauweise ergibt in der Regel sogar eine bessere Platzierbarkeit des Lichtleiter-Kopfes im hinteren Molarenbereich.

Die Krux bei der Technik war anfangs eine recht starke Streuung des emittierten Lichtes, da die Parallelisierung in der Lichtleitung über den Faserlichtleiter fehlte. Dies konnte inzwischen durch den Einsatz spezieller Linsen hocheffektiv kompensiert werden (Abb. 2). War schon die VALO hier sehr gut, toppt die Technik der neuen Smartlite Pro dies im Hinblick auf die Emittierung eines parallelen Lichtbündels nochmal. Die Technik, das Leuchtmittel im Kopf des Gerätes unterzubringen, ermöglicht hochinteressante Parallelindikationen: Durch Wechsel des LED-Aufsatzes zu einem FOTI-Aufsatz wird aus dem Lichtpolymerisationsgerät sogleich ein wertvolles Diagnostik-Tool; weitere Aufsätze wie ein FACE-Light-Aufsatz wären hier weitere Optionen, die ja noch kommen könnten (Abb. 3).

  • Abb. 2: Die effektive Abstrahlfläche eines Lichtpolymerisationsgerätes ist immer kleiner als der Lichtleiteraußendurchmesser, da hier die Ummantelung mitgemessen wird. Dieser Außendurchmesser ist allerdings derjenige, der in der Regel in Prospekten kommuniziert wird. Die Abbildung verdeutlicht anhand von 4 exemplarischen „State of the Art“-Lichtpolymerisationsgeräten den effektiven Querschnitt der Abstrahlfläche (Daten von BlueLight Analytics Inc., Halifax, Kanada). In der unteren Reihe sind die eingeschalteten Lichtpolymerisationsgeräte durch einen orange-Filter hindurch fotografiert um die Lichtemission zu zeigen.
  • Abb. 3: Die neue Smartlite Pro (Dentsply Sirona), die aufgrund der Wechselkopf-Technik neben dem Polymerisationsaufsatz auch einen FOTI-Diagnostik-Aufsatz mitliefert.
  • Abb. 2: Die effektive Abstrahlfläche eines Lichtpolymerisationsgerätes ist immer kleiner als der Lichtleiteraußendurchmesser, da hier die Ummantelung mitgemessen wird. Dieser Außendurchmesser ist allerdings derjenige, der in der Regel in Prospekten kommuniziert wird. Die Abbildung verdeutlicht anhand von 4 exemplarischen „State of the Art“-Lichtpolymerisationsgeräten den effektiven Querschnitt der Abstrahlfläche (Daten von BlueLight Analytics Inc., Halifax, Kanada). In der unteren Reihe sind die eingeschalteten Lichtpolymerisationsgeräte durch einen orange-Filter hindurch fotografiert um die Lichtemission zu zeigen.
  • Abb. 3: Die neue Smartlite Pro (Dentsply Sirona), die aufgrund der Wechselkopf-Technik neben dem Polymerisationsaufsatz auch einen FOTI-Diagnostik-Aufsatz mitliefert.

Homogenität der Abstrahlfläche

  • Abb. 4: Beam Profiles derselben Geräte aus Abbildung 2: Dargestellt sind jeweils nur die blauen Lichtanteile, da nur die in 95% aller Komposite polymerisationsrelevant sind. Bei der Bluephase Style und der Valo sind zusätzliche violette LEDs enthalten, die aber bei dieser Intensitätsmessung keine Berücksichtigung fanden.

  • Abb. 4: Beam Profiles derselben Geräte aus Abbildung 2: Dargestellt sind jeweils nur die blauen Lichtanteile, da nur die in 95% aller Komposite polymerisationsrelevant sind. Bei der Bluephase Style und der Valo sind zusätzliche violette LEDs enthalten, die aber bei dieser Intensitätsmessung keine Berücksichtigung fanden.
    © Chris Felix, BlueLight Analytics Inc., Halifax, Kanada
2 Lichtgeräte können trotz identischer Strahlenflussdichte bei identischem Lichtleiter eine vollkommen unterschiedliche Effektivität aufweisen. Grund hierfür ist oft die Heterogenität des abgestrahlten Lichts über die Fläche: So kann beispielsweise ein Lichtgerät mit einer mittleren Strahlenflussdichte von 1.200 mW/cm2 zentral über eine Strahlenflussdichte von 2.500 mW/cm2, in der Peripherie aber lediglich über eine Strahlenflussdichte von 500 mW/cm2 verfügen (Abb. 4). Wird so ein Gerät zentral auf einen Prämolaren gesetzt, wird zentral die höchste Leistungsdichte erzielt, approximal in der Tiefe die schlechteste – genau dort, wo der größte Abstand zwischen Lichtaustrittsfenster und Kavitätenboden vorhanden ist. Folglich wären die Chancen größer, zentral die Pulpa zu überhitzen, als approximal – tief im Kasten – das Bonding optimal auszuhärten.

Um die Qualität der Homogenität der Abstrahlfläche zu beurteilen, haben sich in den letzten Jahren Beam-Profiles gut bewährt [27] (Abb. 4). Anhand von klinischen Fotos (Abb. 5 bis 11) wird mittels montierten inhomogenen Beam-Profiles die Problematik und die Erfordernis der korrekten Postionierung des Lichtaustrittsfensters über der Kavität verdeutlicht: Der Bereich des Lichtaustrittsfensters mit der höchsten Intensität sollte immer in den tiefsten Anteil der Kavität gerichtet sein.

  • Abb. 5: Ein 10 mm Lichtleiter kann im Prinzip einen UK-Molaren komplett abdecken.
  • Abb. 6: Das dazu gehörige Beam-Profile zeigt die typische Inhomogenität der Lichtintensität.
  • Abb. 5: Ein 10 mm Lichtleiter kann im Prinzip einen UK-Molaren komplett abdecken.
  • Abb. 6: Das dazu gehörige Beam-Profile zeigt die typische Inhomogenität der Lichtintensität.

  • Abb. 7: Das Beam-Profile zeigt, dass in den Bereichen, die am weitesten von der Abstrahlfläche entfernt sind (= approximale Kästen), die geringste Polymerisationsleistung zu Verfügung steht.
  • Abb. 8: Typische klinische Situation zweier benachbarter kleiner Klasse-II-Kavitäten in den Zähnen 15 und 14: Beide könnten theoretisch von einem 10-mm-Lichtleiter (Außendurchmeser) abgedeckt werden.
  • Abb. 7: Das Beam-Profile zeigt, dass in den Bereichen, die am weitesten von der Abstrahlfläche entfernt sind (= approximale Kästen), die geringste Polymerisationsleistung zu Verfügung steht.
  • Abb. 8: Typische klinische Situation zweier benachbarter kleiner Klasse-II-Kavitäten in den Zähnen 15 und 14: Beide könnten theoretisch von einem 10-mm-Lichtleiter (Außendurchmeser) abgedeckt werden.

  • Abb. 9: Das Beam Profile zeigt jedoch, dass die Hauptpolymerisationsintensität genau auf der Metallmatrize verpuffen würde. Somit ist diese Lichtleiterpositionierung kontraproduktiv.
  • Abb. 10: Sinnvoller wäre ein separates Polymerisieren pro Komposit-Inkrement und pro Adhäsivanwendung pro Zahn: Einmal nach distal gerichtet mit der höchsten Intensität in die Tiefe des approximalen Kastens von Zahn 15 weisend ...
  • Abb. 9: Das Beam Profile zeigt jedoch, dass die Hauptpolymerisationsintensität genau auf der Metallmatrize verpuffen würde. Somit ist diese Lichtleiterpositionierung kontraproduktiv.
  • Abb. 10: Sinnvoller wäre ein separates Polymerisieren pro Komposit-Inkrement und pro Adhäsivanwendung pro Zahn: Einmal nach distal gerichtet mit der höchsten Intensität in die Tiefe des approximalen Kastens von Zahn 15 weisend ...

  • Abb. 11: Zweiter Polymerisationszyklus derselben Situation aus Abbildung 10: ...Einmal nach mesial gerichtet mit der höchsten Intensität in die Tiefe des approximalen Kastens von Zahn 14 weisend.
  • Abb. 11: Zweiter Polymerisationszyklus derselben Situation aus Abbildung 10: ...Einmal nach mesial gerichtet mit der höchsten Intensität in die Tiefe des approximalen Kastens von Zahn 14 weisend.

Über Beam Profiles lässt sich anschaulich die Homogenität oder auch die Heterogenität der Abstrahlfläche beurteilen. Die zentrale rote bis gelb/grüne Fläche mit der höchsten Intensität sollte hierbei so groß wie möglich sein. Die beste Homogenität in den letzten 3 Jahren zeigte hier die Elipar Deep Cure der 3M, gefolgt von der Valo (Ultradent). Da die Forschung auch hier nicht stehen geblieben ist, zeigen neuere Geräte nochmals eine Verbesserung (z.B. die neue Smartlite Pro, Dentsply Sirona). Es ist auf jeden Fall ratsam, sich vor dem Kauf eines Lichtpolymerisationsgerätes ein solches Beam-Profile zeigen und auch erklären zu lassen. Allen namhaften Lichtgerätehersteller liegen derartige Beam-Profiles vor.

„Polywave” bzw. „Multi-Peak“-LEDs?

Bei Halogenlichtpolymerisationsgeräten wurde aus dem Spektrum des weißen Lichtes der für die Polymerisation erforderliche Blauanteil mithilfe eines Gelbfilters herausgefiltert. Die blaue LED emittiert ausschließlich im Wellenlängenbereich um 470 nm, dem Absorptionsmaximum des am häufigsten verwendeten Photoinitiators Campherquinon. Es gibt jedoch einige wenige Komposite, die auf einem anderen Photoinitiator (z.B. Lucerin) basieren oder Lucerin als zusätzlichen Photoinitiator enthalten [29]. Dieser Photoinitiator benötigt violettes Licht. Ein gewisser violetter Lichtanteil blieb bei den Halogenlichtpolymerisationsgeräten immer noch übrig, bei der blauen LED fehlt dieser jedoch komplett. Die Folge wäre ein Nichtansprechen des Photoinitiators bei der Lichtpolymerisation rein Lucerin-basierter Komposite.

Einige Hersteller lösten dieses Problem technisch sehr aufwendig, indem sie in der verwendeten LED entweder 3 blaue LED-Chips und einen violetten LED-Chip oder 2 blaue LED-Chips und einen violetten LED-Chip verbauen. Die Abstrahlfläche kann hier nicht so homogen sein wie bei der ausschließlichen Verwendung von blauen LEDs. Publikationen, die die Problematik eines solchen Licht-Mixes aufzeigen, liegen vor [28,29]. Demzufolge sollte wirklich nur dann auf derartige LED-Polymerisationsgeräte zurückgegriffen werden, wenn auch tatsächlich Komposite in der Praxis Verwendung finden, die Photoinitiatoren abseits des Campherquinons beinhalten. Manchmal mag es da sogar sinnvoll sein, das bevorratete Komposit- bzw. Bonding-Portfolio zu überarbeiten.

„Multi-Mode“?

Viele Lichtgeräte bieten Zusatzoptionen wie „Soft-Start-Polymerisation, „Boost“-Modi oder generell die Voreinstellung unterschiedlicher Intensitäten. Eine aktuelle Umfrage [5] zeigte jedoch, dass weniger als die Hälfte der Anwender derartiger Lichtgeräte solche Funktionen auch tatsächlich nutzen. Unterschiedliche Polymerisationsmodi verwirren häufig und können zu unbewusster Fehlanwendung führen, wenn fälschlicherweise eine ungeeignete Voreinstellung Anwendung findet. Deswegen haben sich inzwischen Lichtpolymerisationsgeräte durchgesetzt, die mit möglichst wenig Knöpfen auskommen: An-hell-schnell, so hätten es die meisten Anwender am liebsten. Von Vorteil sind hingegen die Vorwahlmöglichkeit der Polymerisationszeit.

Polymerisationstechnik

Das Lichtgerät muss während des Polymerisationsprozesses so nah wie möglich über dem zu polymerisierenden Kompositinkrement positioniert und stabilisiert werden, darf dieses aber nicht touchieren. Ein 1 mm Abstand zu der zu polymerisierenden Fläche wird als ideal angesehen. Da die korrekte Positionierung während des kompletten Polymerisationszyklus beibehalten werden muss, ist es essentiell, die Position des Lichtaustrittsfensters kontinuierlich zu beobachten. Damit es hier nicht zu irreparablen Augenschäden kommt, ist ein Augenschutz über geeignete Schutzbrillen dringend zu empfehlen. Dass mit Lichtgeräten nicht in Augen geleuchtet werden darf, sollte sich von selbst verstehen [23]. Zu vermeiden ist, das Lichtaustrittsfenster mehrere Millimeter vom Zahn weg zu bewegen oder abzuwinkeln; bei Verschattungen durch die Matrize, dem Vorhandensein störender Zahnüberhänge oder von Überhängen existierender Restaurationsmaterialien sollten zusätzliche Polymerisationsintervalle in geänderter Position oder Angulation eingeplant werden [32].

Zuviel des Guten?

Komposit kann man nicht „überpolymerisieren“ – irgendwann würde es aber verbrennen. Weit vorher treten jedoch schon irreparable Schäden an der Gingiva [32] oder auch in der Pulpa [1] auf. Eine „well-done“-gegrillte Pulpa durch Überhitzung aufgrund zu langer oder zu hochenergetischer Lichtpolymerisation ist unbedingt im Vorfeld auszuschließen. Aus diesem Grund ist zu beachten, nicht einfach „zur Sicherheit“ deutlich länger zu polymerisieren, sondern auch eine kritische Maximalpolymerisationszeit des Lichtpolymerisationsgerätes pro Inkrement zu kennen. Sehr gute Hinweise gibt hier die Überprüfung des Lichtgerätes mit CheckMARC, einem Messsystem von BlueLight Analytics. Im Zweifelsfall sollte zur Sicherheit parallel zur Lichthärtung suffizient mit Luft (Luftpüster oder gegenüberliegend positionierter großer Sauger) gekühlt werden.

Wartung und Pflege

  • Abb. 12: Beispiel eines integrierten Lichtintensitäts-Checks: Die grüne, linke LED zeigt die ausreichende Polymerisationsleistung des Lichtpolymerisationsgerätes an, die 2. rechte grüne LED den Ladezustand des 2. (Reserve-)Akkus.

  • Abb. 12: Beispiel eines integrierten Lichtintensitäts-Checks: Die grüne, linke LED zeigt die ausreichende Polymerisationsleistung des Lichtpolymerisationsgerätes an, die 2. rechte grüne LED den Ladezustand des 2. (Reserve-)Akkus.
    © Prof. Dr. Claus-Peter Ernst
Hier hilft ein Blick auf „Uncle Sam“ (wobei natürlich hier der Bogen zum anfangs zitierten „blauen Licht von Rambo geschlagen werden kann), indem man berücksichtigt: „Frage nicht nur, was Dein Lichtpolymerisationsgerät für Dich tun kann, frage auch, was Du für Dein Lichtpolymerisationsgerät tun kannst.“ Sorgen Sie für ein sauberes, kontaminationsfreies Lichtaustrittsfenster [25]. Dies geht am einfachsten, wenn Sie verhindern, dass Kompositund Bondingreste am Lichtaustrittsfenster haften. Das gelingt am besten mit kommerziellen Schutzhüllen oder Frischhaltefolie.

Überprüfen Sie regelmäßig die Lichtintensität des Lichtpolymerisationsgerätes. Hat das Gerät keine eigene eingebaute Testfunktion (Abb. 12), muss auf ein mobiles Hand-Radiometer zurückgegriffen werden [2,16,33]. Bewährt hat sie hier das Bluephase Meter II (Ivoclar Vivadent). Bei Nichterreichen der beim Kauf dokumentierten Leistung sollen entsprechende Gegenmaßnahmen durchgeführt werden, wie die Suche nach Verschmutzungen oder Beschädigungen. Gegebenenfalls sollte das Gerät zur Prüfung an den Hersteller geschickt werden [31]. Instruieren Sie regelmäßig Ihr Team in die korrekte Anwendung des Lichtpolymerisationsgerätes und in alle Wartungs- und Reinigungsmaßnahmen.

Qualitätskontrolle

Hinsichtlich einer eigenen Qualitätskontrolle der erzielten Polymerisation muss sich jeder Behandler darüber im Klaren sein, dass eine Härteprüfung der polymerisierten Oberfläche mit einer Sonde keinerlei Informationen über den tatsächlichen Polymerisationsgrad liefert. Deswegen muss man sich darauf verlassen können, dass bei Beachtung und Einhaltung der o.g. Punkte eine suffiziente Polymerisation des Komposits und des Adhäsivs gegeben ist; an der gerade gehärteten Kompositprobe im Mund lässt es sich anschließend nicht mehr überprüfen.

Dem Anwender bleibt somit nur ein Kratztest an auspolymerisiertem Material außerhalb der Mundhöhle: Von Seiten der Hersteller bekommt man solche Formen, die mit Komposit gefüllt und dann ausgehärtet werden können. Nach Entnahme kratzt man den weichen, nicht ausgehärteten Kompositanteil weg. Die verbliebene Schichtdicke wird durch 2 geteilt – das gibt annähernd einen Hinweis auf die mit der applizierten Polymerisationsenergie erzielte Polymerisationstiefe.

Diese, auch von der Herstellern zur Ermittlung der Polymerisationstiefe verwendeten Untersuchungen „nach ISO“ klingen vordergründig zwar fundiert, beschönigen aber zum Teil, da hier kein klinisch relevanter Abstand zwischen dem Lichtaustrittsfenster und der Unterseite des Kompositinkrementes berücksichtigt wird. Bei der Bewertung von Studien zur Polymerisationstiefe sollten somit vorrangig Untersuchungen [9,11] herangezogen werden, die ein klinisch realistisches Szenario berücksichtigen. Da die Kratztests nach ISO 4049 aber etablierter Standard sind, wird kaum ein Hersteller es wagen, hier auszuscheren.

Fazit

Ein optimales Lichtpolymerisationsgerät sollte

  • handlich und stabil sein,
  • von einem namhaften Hersteller kommen, der auch Komposit anbietet,
  • auf blauer LED-Technik basieren,
  • eine flächenbezogene Leistung von 1.000 bis 1.500 mW/cm2 bieten,
  • ein möglichst große ( 10 mm), effektive Abstrahlfläche haben,
  • eine möglichst homogene Lichtverteilung über die Abstrahlfläche aufweisen,
  • gebündeltes Licht ohne Streueffekte aufweisen,
  • möglichst wenige Modi haben (an-schnell-hell), um Verwechslungen zu vermeiden und
  • eine Zeitvorwahl ermöglichen.

Achten Sie auf Qualität in der Lichtpolymerisation: Ein gutes, effektives und sicheres Lichtgerät kommt nicht von Amazon oder Alibaba und kostet Geld. Die Entwicklung von wirklich suffizienten Lichtpolymerisationsgeräten ist alles andere als trivial. Investitionen in zuverlässige und effektive Technik sind hier gut angelegt, denn das Lichtpolymerisationsgerät ist wahrscheinlich das Gerät, welches Sie tagtäglich am häufigsten nutzen.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Claus-Peter Ernst


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