Allgemeine Zahnheilkunde


Aligner-Therapie in der täglichen Praxis

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In der heutigen Zeit, in der perfekte Fotos vor allem in der jungen Generation den Tag bestimmen und Ästhetik eine immer wichtigere Rolle spielt, rückt das Thema Zahnbegradigung immer mehr in den Fokus. Doch gerade erwachsene Patienten möchten sich ungern mit sichtbaren festsitzenden Apparaturen behandeln lassen. Aus diesem Grund hat die Firma Align Technology schon im Jahr 2004 das Invisalign-System auf den Markt gebracht, das in der Lage war, Zähne mithilfe transparenter Schienen zu bewegen. Im Folgenden soll auf den Praxisworkflow mit dem Invisalign-System eingegangen werden.

Die Entscheidung für eine Aligner-Therapie wird heute nicht mehr nur aus rein ästhetischen Gründen getroffen. Gerade die Verbesserung präprothetischer Situationen oder die Behandlung funktioneller Störungen sind weitere wichtige Argumente, eine Aligner-Therapie durchzuführen. Und auch in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen im Wechselgebiss haben Aligner-Systeme enorme Fortschritte zu verzeichnen.

Das perfekte Kommunikationstool

Im Zentrum und als Ausgangspunkt jeder Therapie steht der iTero-Intraoralscanner. Natürlich können auch noch analoge Abformungen zur Erstellung einer Behandlungssituation eingereicht werden, der Weg über den Scanner ist allerdings deutlich bequemer, genauer und bietet einen weiteren wichtigen Vorteil: Der häufig einsetzende Würgereflex bei analogen Abformungen ist für einige Patienten ein Grund, Behandlungen nicht durchführen zu lassen. Diese Problematik entfällt bei der Verwendung eines Intraoralscanners.

Nicht jeder Patient, der sich für eine Invisalign-Therapie interessiert, ist schon vor Beginn des 1. Gespräches davon überzeugt, sie auch durchführen zu lassen. Hier kann der Intraoralscanner iTero Element sehr einfach auch als Kommunikationstool genutzt werden. „Sehen heißt verstehen“ ist eine Redewendung, die auch in der Zahnarztpraxis immer mehr Umsetzung findet.

Bei der Invisalign-Therapie bedeutet dies, dass zunächst ein Scan des Oberkiefers, des Unterkiefers und der Bisssituation durchgeführt wird. Für diesen Scan benötigt man mit etwas Übung ca. 3 Min. Anschließend kann das Gerät eine Berechnung des zu erwartenden Ergebnisses durchführen (Abb. 1).

  • Abb. 1: Besprechung der Outcomesimulation.
  • Abb. 1: Besprechung der Outcomesimulation.
    © Dr. Baresel

Der Scanner zeigt nach kurzer Zeit die Ausgangs- sowie die Endsituation des Patienten an. Sieht man diese Simulation mit den eigenen Augen, steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich an, dass einer Therapie zugestimmt wird.

Sollte ein ästhetischer oder funktioneller Aspekt dem Patienten oder der Zahnärztin nicht gefallen, kann die Simulation nach eigenen Kriterien verändert werden. Es ist sogar möglich, einzelne Zähne zu extrahieren, um sich so mögliche Veränderungen der Endposition anzeigen zu lassen (Abb. 2a und b).

  • Abb. 2a: Bearbeiten der Outcomesimulation.
  • Abb. 2b: Bearbeiten der Outcomesimulation.
  • Abb. 2a: Bearbeiten der Outcomesimulation.
    © Dr. Baresel
  • Abb. 2b: Bearbeiten der Outcomesimulation.
    © Dr. Baresel

Die erstellte Endposition kann als Zielsituation direkt vom Scanner in die Design-Software (Doctor Site) übertragen werden. Zudem ist es möglich, den angefertigten Scan mit dem Patienten zu analysieren und sogar eine Karieserkennung durchzuführen.

Während des Scanvorgangs erstellt der iTero Element 5D nicht nur eine sehr genaue dreidimensionale Abformung des Patientenkiefers, sondern nimmt auch simultan Nahinfrarotaufnahmen der Zähne vor. Die sogenannten Near-Infrared-Imaging-(NIRI-)Aufnahmen können anschließend gemeinsam mit dem Patienten besprochen werden.

Hell erscheinende Bereiche im Approximalraum zeigen kariöse Läsionen an. Diese sind nicht nur vom Patienten gut zu erkennen (Abb. 3 und 4), sondern tragen auch zum besseren Verständnis der Behandlungsnotwendigkeit bei.

  • Abb. 3: Kariesdetektion.
  • Abb. 4: Kariesdetektion.
  • Abb. 3: Kariesdetektion.
    © Dr. Baresel
  • Abb. 4: Kariesdetektion.
    © Dr. Baresel

Eine Studie [1] über die Aussagekraft dieser Aufnahmen des Approximalraumes hat ergeben, dass gerade bei initialen Läsionen die Kariesdetektion durch den Intraoralscanner iTero Element 5D genauer ist als bei der Verwendung von Bissflügelaufnahmen. Diese Technik ist ausschließlich im iTero Element 5D verbaut.

Die Therapieschritte im Überblick

Wenn die Therapie gestartet werden soll, sind neben dem Scan noch einige Fotos aus vorgegebenen Richtungen notwendig. Hierzu existiert eine App, die auf Smartphones oder Tablets installiert werden kann. Mit dieser App werden die Patientendaten angelegt und die notwendigen Fotos vorgenommen.

Verwendet man zur Erstellung des Intraoralscans einen iTero Element 5D oder 5D plus (mobile) (Abb. 5 und 6), sind von ursprünglich 8 Fotos (3 extraorale und 5 intraorale Fotos) nur noch die extraoralen Fotos notwendig. Die restlichen Bilder gewinnt das System direkt automatisiert aus dem Scan.

  • Abb. 5: iTero Element 5D plus.
  • Abb. 6: iTero Element 5D plus mobile.
  • Abb. 5: iTero Element 5D plus.
    © Dr. Baresel
  • Abb. 6: iTero Element 5D plus mobile.
    © Dr. Baresel

Nachdem die Gesichtsfotos erstellt wurden und der Scan ins System gesendet wurde, geht die Planung der Behandlung am PC weiter. Hierzu loggt der Zahnarzt sich auf der Invisalign Doctor Site ein, wo der Patient durch die Eingabe in der App schon erfasst wurde. Nach der Auswahl der Behandlungsoption führt das System durch sämtliche Parameter, die bei der Behandlung berücksichtigt werden sollen.

Die beim erstmaligen Nutzen des Systems erstellten Voreinstellungen können jederzeit wieder verändert werden. Nach Eingabe sämtlicher Informationen werden die automatisch dem Patienten hinzugefügten Bilder und Scans hochgeladen.

Nach einer Spanne von 1 bis ca. 10 Tagen erhält man den 1. Behandlungsvorschlag. Dieser wird vom Behandler bewertet und bedarfsweise verändert. Hierzu wird etwas Erfahrung mit dem System benötigt. Es gibt allerdings sowohl innerhalb der Doctor Site Schulungsvideos als auch zahlreiche Kurse, um die eigenen Fähigkeiten zu vertiefen.

Ein zusätzliches Tool, das bei der Erstellung des Behandlungsplanes hilfreich und in der Patientenkommunikation beeindruckend ist, ist die Visualisierung des zu erwartenden Ergebnisses auf einem echten Patientenfoto (Abb. 7 und 8). Durch die Bestätigung des Behandlungsplanes beginnt die Produktion der Aligner. Der komplette Satz der notwendigen Schienen wird dem behandelnden Arzt zugesandt.

  • Abb. 7: Lächeln vor Simulation.
  • Abb. 8: Simulation des Lächelns.
  • Abb. 7: Lächeln vor Simulation.
    © Dr. Baresel
  • Abb. 8: Simulation des Lächelns.
    © Dr. Baresel

Nach dem Anbringen der für die Behandlung notwendigen Attachments wird dem Patienten eine gewisse Anzahl von Alignern mitgegeben. Diese wechselt er selbstständig nach einem vorgegebenen Zeitraum, der von der Tragedauer (empfohlene Tragedauer: 22 Stunden pro Tag) und der Reaktion der Zähne und umgebenden Gewebe abhängt. Um den Behandlungsfortschritt zu kontrollieren, eventuelle Anpassungen vorzunehmen oder die Notwendigkeit von Separiermaßnahmen zu bewerten, wird der Patient nach einiger Zeit wieder einbestellt.

  • Abb. 9: Fortschrittsbeurteilung.

  • Abb. 9: Fortschrittsbeurteilung.
    © Dr. Baresel
Bei diesem Termin erhält er einen weiteren Satz Aligner. Um zu überprüfen, ob alle Zähne sich entsprechend der Planung bewegen, ist es möglich, einen Intraoralscan mit dem iTero Element durchzuführen und anhand der Überlagerung die aktuelle Situation mit der entsprechenden Planungssituation zu vergleichen (Progress Assessment). Mithilfe dieser Fortschrittsbewertung lässt sich schnell auch für den Anfänger erkennen, ob die Behandlung optimal verläuft (Abb. 9).

Nach Tragen der letzten Schiene wird die Endposition der Zähne kontrolliert. Beim optimalen Ergebnis kann die Retentionsphase beginnen; sollten noch Nacharbeiten nötig sein, können zusätzliche Aligner bestellt werden. Auch hier kommt der iTero-Intraoralscanner zum Einsatz.

Für die Erstellung festsitzender Retainer wird ein Scan der zu retinierenden Region durchgeführt. Die Scandaten werden mit dem 3D-Drucker ausgedruckt, der Retainer manuell hergestellt und anschließend am Patienten eingeklebt.

Das Invisalign-System bietet zudem Vivera Retainer an. Dabei handelt es sich um Schienen, die zur Stabilisierung des Ergebnisses nachts getragen werden können.

  • Abb. 10: TimeLapse-Verlaufskontrolle.

  • Abb. 10: TimeLapse-Verlaufskontrolle.
    © Dr. Baresel
Um über längere Zeit die Stabilität des erzielten Ergebnisses zu kontrollieren, ist der iTero-Intraoralscanner in der Lage, Scans zu verschiedenen Zeitpunkten zu überlagern. Wählt man beispielsweise einen Scan nach Abschluss der Behandlung aus und überlagert ihn mit dem Scan der Situation 1 Jahr später, kann man erkennen, ob es zu Bewegungen der Zähne gekommen ist. Diese Funktion (TimeLapse) der Überlagerung ist auch sehr hilfreich, um Abrasionen oder Rezessionen zu überwachen (Abb. 10).

Fazit

Aligner-Therapie ist heute eine Therapieform, die in jeder Zahnarztpraxis bei der Behandlungsplanung eine Rolle spielen muss. Dabei muss jeder Behandler für sich entscheiden, ob er sich selbst in der Lage fühlt, diese korrekt durchzuführen, oder Patienten an einen kompetenten Kollegen überweist.

 

Literatur:
[1] Z. Metzger, D. G.Colson, P. Bown, T. Weihard, I. Baresel, T. Nolting: Reflected near-infrared light versus bite-wing radiography for the detection of proximal caries: A multicenter prospective clinical study conducted in private practices, Journal of Dentistry; Volume 116, January 2022, 103861;

(https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0300571221002840#!)

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Ingo Baresel


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