Ästhetik


Vergleich von Gold- und Keramikrestauration unter dem Aspekt der Liegedauer, Randspaltbildung und der Ästhetik

Die moderne Zahnmedizin bietet eine große Vielfalt an Möglichkeiten, auch großflächig kariös zerstörte Zähne wiederherzustellen. Abhängig von der Indikation, können solche Zähne sowohl direkt als auch indirekt mit Gold-, Komposit- oder Keramikrestaurationen versorgt werden. Nachfolgend werden die Ergebnisse einer retrospektiven Untersuchung zur klinischen Performance von Gold- und Keramikrestaurationen vorgestellt und drei ähnliche Studien zum Vergleich herangezogen.

Die vorliegende retrospektive Erhebung betrachtet 102 Patienten. Bei 51 Patienten wurden ausschließlich Goldgussrestaurationen eingegliedert, 51 weitere Patienten erhielten eine oder mehrere Empress-Vollkeramikrestaurationen. In beiden nachuntersuchten Patientenkollektiven waren die Restaurationen mindestens ein Jahr alt; die Liegedauer der untersuchten Goldarbeiten betrug im Mittel 8,78 ± 5,95 Jahre, die der Keramikarbeiten hingegen 5,84 ± 6,31 Jahre. Als Untersuchungsparameter wurden neben Anamnese und Zahnstatus der DMFT-Index, der SBI/API sowie alle bereits vorhandenen prothetischen oder konservierenden Versorgungen dokumentiert. Daraufhin wurde der mit der entsprechenden indirekten Restauration versorgte Zahn hinsichtlich seiner Sondierungstiefe, vorhandener Rezessionen, Lockerungsgrad, Perkussion und Vitalität untersucht. Ein weiteres Augenmerk lag auf Frakturen der Restauration oder der Zahnhartsubstanz. Es wurde festgehalten, ob die Restauration einen Randspalt aufweist. Dieser konnte sichtbar oder sondierbar sein. Die Einlagefüllungen wurden auf eine vorhandene Sekundärkaries geprüft. Darüber hinaus wurde auch fixiert, ob eine Parodontalerkrankung in Form einer Gingivitis oder einer chronischen Parodontitis vorlag. Dafür wurden PSI, API und SBI erhoben. Außerdem wurde die individuelle Patientenzufriedenheit bezüglich Ästhetik und Kaufunktion des Patienten auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) ermittelt. Dabei kamen folgende Ergebnisse zustande (Tab. 1).

Tab. 1: Untersuchungsergebnisse.

Vergleich mit drei ähnlichen, aktuellen Studien

Die erste Studie von Federlin et al. wurde 2006 publiziert [1]. An ihr nahmen 29 Patienten teil, die jeweils eine Gold- und eine Keramikkrone eingegliedert bekamen. Die 58 Restaurationen wurden mithilfe der modifizierten United-States- Public-Health-Service-(USPHS-)Kriterien klinisch bewertet, jeweils zum Zeitpunkt des Einsetzens, nach einem Jahr sowie nach zwei Jahren. 29 der Goldeinlagefüllungen und 14 Keramikfüllungen wurden in den Molaren eingesetzt, während 15 Keramikrestaurationen an Prämolaren eingegliedert wurden. Alle Patienten waren an den drei geplanten Nachuntersuchungen anwesend. In dieser Studie wurden verschiedene Kriterien an den Restaurationen erhoben, wie z. B. die Sensibilität, die anatomische Form (Über- oder Unterdimensionierung der Krone), der Randschluss, die Randverfärbung mit Hinweis auf Sekundärkaries sowie die Oberflächenstruktur. Dabei hat sich Folgendes ergeben: Eine Keramikrestauration (3,4 %) fiel heraus, nachdem sie zwei Jahre in situ war, und musste wieder eingesetzt werden. Zum Zeitpunkt „Baseline“ wurde in drei Fällen bei Goldversorgungen (10,3 %) und in einem der Keramikfälle (3,4 %) ein Randspalt festgestellt. Nach einem Jahr hatten vier Goldeinlagefüllungen (13,8 %) sowie zwei Keramikfüllungen (6,9 %) einen Randspalt. Nach zwei Jahren blieb der Prozentsatz bei Goldeinlagefüllungen konstant, während er sich bei Keramikfüllungen auf sechs detektierte Randspalten (20,7 %) verschlechterte. An beiden Materialarten wurde zum Zeitpunkt „Baseline“ ein Vitalitätsverlust an jeweils drei Zähnen (10,3 %) festgestellt, nach einem bzw. zwei Jahren jeweils nur noch an einem Zahn (3,4 %).

Die zweite Studie von Federlin et al. wurde 2007 publiziert [2]. Bei 28 Patienten wurden jeweils eine Gold- und eine Keramikkrone eingesetzt und wiederum mithilfe der modifizierten USPHS-Kriterien bewertet. Diese Studie beinhaltete vier Messzeitpunkte: direkt nach dem Einsetzen, nach einem Jahr, nach zwei Jahren und nach drei Jahren. Hier wurden dieselben Parameter erhoben wie in der ersten Vergleichsstudie: Sensibilität, anatomische Form, Randschluss, Randverfärbung und Oberflächenstruktur. Hierbei wurden weder Kronenverlust noch Kronenfraktur dokumentiert. Nach zwei Jahren hatten vier Goldeinlagefüllungen (13,8 %) und zwei Keramikrestaurationen (6,9 %) einen Randspalt. Diese Werte waren im dritten Jahr unverändert. Nach drei Jahren erwiesen sich alle Zähne als vital, Sekundärkaries wurde hier nicht festgestellt.

Die dritte Studie ist eine Langzeitstudie über Keramikinlays und -onlays von Frankenberger et al. aus dem Jahr 2007 [3]. Das Thema dieser Studie ist zwar nicht der Vergleich von Keramik zu Gold, dennoch sind die Langzeiterfahrungen mit Keramik zu berücksichtigen. Hierbei wurden insgesamt 96 Restaurationen bei 34 Patienten eingesetzt, davon 72 Inlays (n = 72) und 24 Onlays (n = 24). Die Patienten verpflichteten sich damit zu einer vierjährigen Kontrollpflicht nach jeweils einem, zwei sowie vier Jahren. Die Kontrollen im sechsten, achten und zwölften Jahr waren freiwillig. Alle Restaurationen wurden mithilfe der modifizierten USPHS-Kriterien von zwei Spezialisten bewertet, wobei nach zwölf Jahren nur noch 58 Restaurationen (60 %) untersucht wurden. Hier war die Frakturrate von 15 % im Zeitraum zwischen drei und viereinhalb Jahren sowie zwischen dem elften und zwölften Einsatzjahr. Es wurde eine Zahnfraktur mit einer Keramikversorgung erhoben. Mit fortschreitendem Alter verzeichnete sich bei Keramikinlays und -onlays ein stetiger Anstieg der Randspalten, sodass im zwölften Jahr keiner der Ränder mehr mit A1 bewertet wurde. Die Sensibilität war – mit Ausnahme in einem Recall-Termin – nach acht Jahren nicht beeinträchtigt.

Technische Erfahrung im Umgang mit den Materialien beeinflusst den klinischen Erfolg

Eine Untersuchung von Willershausen et al. [4] bestätigte die Tatsache, dass der parodontale sowie der gingivale Befund sich in Abhängigkeit vom Material im Wesentlichen nicht unterscheidet. Vielmehr spielt ein sachgemäßes Legen der Füllung ohne Überextension eine Rolle. Eine ausreichend glatte Beschaffenheit ist bei Gold und Keramik im gleichen Maß gegeben. Durch die mechanische, chemische und biologische Beanspruchung der durch adhäsive Eingliederung von Keramikrestaurationen versorgten Zähne kommt es im Laufe der Zeit zu ausgeprägten Verschleißerscheinungen des mit Komposit versiegelten Fügebereichs der Zahnhartsubstanz und der funktionellen Keramikoberflächen. So kann es in Einzelfällen nach kurzer Zeit zu einem sondierbaren Randspalt zwischen Kavitätenrändern und der Restauration kommen. Dieser stellt in Folge eine Prädilektionsstelle für kariöse Läsionen dar. Bei nicht ausreichender Mundhygiene sind Keramikversorgungen somit weit mehr gefährdet als Goldarbeiten [5].

Es ist zudem auch zu beachten, wie die Restaurationen gelegt werden. Keramik ist aufgrund der feuchtigkeitsanfälligen Befestigungsmaterialien schwieriger einzusetzen als Goldeinlagefüllungen. Da Erstere meist mit einem schnell polymerisierenden adhäsiven Material befestigt werden, erfordern Keramikrestaurationen Geschick, Konzentration und Schnelligkeit. Diese Fehlerquellen können dazu beitragen, dass Randspalte entstehen oder die Krone nicht perfekt passt [2,6]. Die technische Erfahrung im Umgang mit Keramik trägt wesentlich zu besseren Ergebnissen bei, was durch mehrere Studien belegt wurde. Der klinische Erfolg hängt hierbei von einer guten Planung sowie gutem Umgang mit den Materialien ab (Tab. 2, [1,7]).

Tab. 2: Vergleich zwischen den Behandlern: Ratings for restaurations of operator A (Schwarz) vs. B (Rot) [7]. Hierbei hatte Behandler A eine 15-jährige Berufserfahrung, war 3 Jahre als Ausbilder an einer Universität tätig und wurde des Öfteren in Studien mit Hauptthema Keramik mit einbezogen. Behandler B hatte eine 5-jährige Berufserfahrung. Beide Behandler bekamen dieselben Instruktionen und benutzten dieselben Materialien.

Materialwahl – Keramik vs. Gold: indikationsgerecht und der jeweiligen Situation angepasst

Keramikinlays oder -kronen charakterisieren sich in zwei häufig auftretenden klinischen Problemen:

  • Durch die Sprödigkeit des Materials können Frakturen bei Scherkräften entstehen [8]. Es wurde aber erwiesen, dass eine gute Politur die Frakturwahrscheinlichkeit bei Keramik senkt [3].
  • Eine postoperative Hypersensitivität ist bei 3–5 % der klinischen Fälle nachgewiesen worden (siehe oben) [9]. Letztere ist aber spätestens nach zwei Jahren nicht mehr vorhanden [1,3].

Goldarbeiten hingegen sind biologisch inert, durch eine exakte Kavitätenpräparation und dimensionsgerechte Fertigung ist die Rate der Sekundärkaries sehr gering. Jedoch wurde in der aktuellen Studie festgestellt, dass Goldrestaurationen zu Frakturen des Zahnes führen können [1]. Beide Restaurationsmöglichkeiten stehen in Konkurrenz zueinander. Die einstige Sonderstellung des Goldes in der Zahnheilkunde wird in der jüngsten Zeit durch adhäsiv befestigte Keramikrestaurationen mit individuell auf den Patienten angepasster Farbe infrage gestellt. Diese sind in ästhetischen Belangen nicht zu schlagen und im Frontzahnbereich ohne Konkurrenz. Doch trotz adhäsiver Befestigung können diese frakturieren. Auch der Vorgang des Einsetzens und der Einstellung der korrekten Okklusion birgt oft großen Aufwand. All diese Eigenschaften sind bei Goldarbeiten, auch bei längerer Liegedauer, nicht zu beobachten. Aufgrund des starken farblichen Kontrastes zwischen Zähnen und Goldeinlagefüllungen wird dieses sicher einen Teil seiner Stellung einbüßen. Doch die Eigenschaften bezüglich Wertigkeit, Sicherheit, Biokompatibilität und Langlebigkeit werden der Goldfüllung ihre Daseinsberechtigung erhalten. Somit sind beide bei kritischer Betrachtung keine konkurrierenden, sondern sich ergänzende Behandlungsmethoden. Mit diesem Grundgedanken sollte eine auf den jeweiligen Patienten und der vorliegenden Situation angepasste Entscheidung bezüglich des zu verwendenden Materials getroffen werden.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZÄ Ann Katrin Reuter


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