Ästhetik

Ein Anwenderbericht von Prof. Ernst

Ein einziges Komposit – eine Farbe für alles?

13.11.2019
aktualisiert am: 04.03.2020

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Dem Wunsch vieler Zahnärzte nach einer reduzierten Farbpalette wurde bereits mehrfach erfüllt. Einen Schritt weiter ging Tokuyama Dental mit der Markteinführung von OMNICHROMA, ein Komposit, dessen Farbe sich der umgebenden Zahnsubstanz selbstständig anpasst. Anhand von 3 Fallbeispielen wird der Einsatz in der alltäglichen Praxis aufgezeigt.

Direkte ästhetische Frontzahnrestaurationen mit Komposit haben sich über die letzten Jahrzehnte zum etablierten Standard entwickelt [1,2,10,16,17]. Unter Berücksichtigung einiger weniger essenzieller Präparationsrichtlinien, wie dem Abrunden der Präparationskanten [15] und einer suffizienten Adhäsivtechnik [5], ergeben sich ästhetische, funktionelle und dauerhafte minimalinvasive Restaurationen, die den Vergleich mit Veneer- Versorgungen oftmals standhalten können [3,6,8].

Das Komposit-Materialangebot ist fast unüberschaubar. Systeme lösen sich rasend schnell ab oder ändern lediglich ihren Namen. Ein Trend ist aber gegenwärtig: Die Verschlankung des Farbangebotes, was eine einfachere Bevorratung und auch eindeutig eine Kostenersparung hinsichtlich der Reduktion eines Wegwerfens abgelaufener Materialien aufgrund fehlender Anwendungsindikation bewirkt. Beispiele wie Enamel Plus HRi (Micerium), Amaris (VOCO), Ceram.X (Dentsply) oder aktuell Filtek Universal (3M) zeigen, dass die Dentalindustrie dem Anwenderwunsch nach einer reduzierten, aber dennoch ausreichenden Farbpalette erfüllen möchte. Dass dies funktioniert, beweisen zahlreiche veröffentlichte Fallbeispiele [4,7,9,11–14].

Aber anstelle einer reduzierten Farbpalette nur noch eine Farbe? Dieser Challenge stellte sich Tokuyama Anfang des Jahres mit der Markteinführung eines innovativen Ästhetik-Komposits, das nach einem Markenschutzstreit auf der IDS 2019 zwischenzeitlich auf den Interimsnamen „Farbe aus Licht“ hörte und nun wieder unter dem Originalnamen OMNICHROMA erhältlich ist. Die Farbpalette besteht aus nur einer Drehspritze (bzw. Packung Compules) und zur Abdeckung verfärbter Strukturen oder eines unerwünschten Durchscheinens der Mundhöhle wird zusätzlich noch ein „Blocker“ angeboten – das war’s. In ersten eigenen Versuchen in Kavitäten in den Plastikzähnen der Vita-Farbskala verschwindet das Material optisch auf beeindruckende Weise in allen Farbstäbchen von B1 bis C4. Dies machte Mut, das Material auch in vivo auszuprobieren. Bei den nachfolgenden Fallbeispielen fehlen zwar noch die äußerst dunklen Grundfarben, die Anwendung steht hier noch aus, sobald sich entsprechende Fälle mit der Farbindikation vorstellen.

Patientenfall 1

Lückenschluss bei einer 37-jährigen Patientin

Die 37-jährige Patientin äußerte nach abgeschlossener kieferorthopädischer Behandlung den Wunsch, die verbliebene Restlücke zwischen den Zähnen 12 und 11 zu schließen (Abb. 1 und 2). Nach diskretem Beschleifen der Klebeoberfläche mit einer Soflex- Scheibe (3M) erfolgte die Verschalung mithilfe einer vertikal inserierten und mit Clip (VOCO) am Nachbarzahn fixierten Teilmatrize (Abb. 3) [6,7,9]. Das kreidige Ätzmuster am Zahn 11 zeigt die Situation nach Phosphorsäurekonditionierung. Nach dem approximalen Aufbau des Zahnes 11 mit OMNICHROMA (Tokuyama Dental) erfolgte die Verschalung des Zahnes 12 für dessen mesialen Aufbau (Abb. 4).

  • Abb. 1: Ausgangssituation: Lücke zwischen mittlerem und seitlichem rechtem Schneidezahn, in der En-face-Ansicht.
  • Abb. 2: Ausgangssituation: Lücke zwischen mittlerem und seitlichem rechtem Schneidezahn, in Ansicht von rechts-lateral.
  • Abb. 1: Ausgangssituation: Lücke zwischen mittlerem und seitlichem rechtem Schneidezahn, in der En-face-Ansicht.
  • Abb. 2: Ausgangssituation: Lücke zwischen mittlerem und seitlichem rechtem Schneidezahn, in Ansicht von rechts-lateral.

  • Abb. 3: Verschalung mithilfe einer vertikal inserierten Teilmatrize, am Zahn 12 mit Clip fixiert. Das kreidige Ätzmuster am Zahn 11 zeigt die Situation nach Phosphorsäurekonditionierung.
  • Abb. 4: Nach approximalem Aufbau des Zahnes 11 mit OMNICHROMA: Verschalung des Zahnes 12 für dessen mesialen Aufbau.
  • Abb. 3: Verschalung mithilfe einer vertikal inserierten Teilmatrize, am Zahn 12 mit Clip fixiert. Das kreidige Ätzmuster am Zahn 11 zeigt die Situation nach Phosphorsäurekonditionierung.
  • Abb. 4: Nach approximalem Aufbau des Zahnes 11 mit OMNICHROMA: Verschalung des Zahnes 12 für dessen mesialen Aufbau.

  • Abb. 5: Phosphorsäurekonditionierung des Zahnes 12.
  • Abb. 6: Lückenschluss aus OMNICHROMA in Ansicht von rechts-lateral.
  • Abb. 5: Phosphorsäurekonditionierung des Zahnes 12.
  • Abb. 6: Lückenschluss aus OMNICHROMA in Ansicht von rechts-lateral.

  • Abb. 7: Lückenschluss aus OMNICHROMA in der En-face-Ansicht.
  • Abb. 7: Lückenschluss aus OMNICHROMA in der En-face-Ansicht.

Die Abbildung 5 zeigt die Phosphorsäurekonditionierung des Zahnes 12, die Abbildungen 6 und 7 den fertigen Lückenschluss aus OMNICHROMA. Der „Blocker“ kam hier nicht zum Einsatz. Das Ergebnis zeigt ein für die Einfachheit des Materials überzeugendes Ergebnis, das durchaus mit Schichtkonzepten konkurrieren kann.


Patientenfall 2

Schmelzbildungsstörung an Zahn 13 bei einem 18-jährigen Patienten

Die Abbildung 8 verdeutlicht die Ausgangssituation einer ästhetisch beeinträchtigenden Schmelzbildungsstörung an dem Zahn 13 nach vorausgegangenem Milchzahntrauma im Kindesalter bei einem nun 18-Jährigen Patienten. Die stark braun verfärbten Areale wurden mit einem kugelförmigen Rotring-Diamanten vorsichtig entfernt, Teilbereiche der weiß-opaken Verfärbung wurden aus Zahnhartsubstanz-Schonungsgründen als ästhetischer Kompromiss in Absprache mit dem Patienten belassen (Abb. 9). In der Tiefe des Defektes wurde eine dünne Schicht des opaken „Blockers“ aufgebracht, um die verbliebenen opaken Bereiche zu maskieren.

  • Abb. 8: Ausgangssituation: ästhetisch störende Schmelzbildungsstörung an Zahn 13 nach Milchzahntrauma im Kindesalter.
  • Abb. 9: Substanzschonende Entfernung der geschädigten Schmelzareale.
  • Abb. 8: Ausgangssituation: ästhetisch störende Schmelzbildungsstörung an Zahn 13 nach Milchzahntrauma im Kindesalter.
  • Abb. 9: Substanzschonende Entfernung der geschädigten Schmelzareale.

  • Abb. 10: Versorgung mit OMNICHROMA: Das Material war in der Lage, die verbliebenen opaken Bereiche gut abzudecken.
  • Abb. 11: Aufnahme bei einer Nachkontrolle nach einem Jahr. Auf der Komposit-Restauration finden sich weniger Plaque-Inseln als auf den benachbarten Zahnstrukturen.
  • Abb. 10: Versorgung mit OMNICHROMA: Das Material war in der Lage, die verbliebenen opaken Bereiche gut abzudecken.
  • Abb. 11: Aufnahme bei einer Nachkontrolle nach einem Jahr. Auf der Komposit-Restauration finden sich weniger Plaque-Inseln als auf den benachbarten Zahnstrukturen.

Die Abbildung 10 zeigt die Versorgung mit OMNICHROMA: Trotz Belassens weiß-opaker Areale war das Material in der Lage, den Schmelzdefekt gut zu maskieren und dem Patienten den Mut zum Lachen zurückzugeben. In der Abbildung 11 ist dieselbe Situation bei einer Nachkontrolle nach einem Jahr zu sehen. Die Motivation zur Mundhygiene hat leider deutlich nachgelassen: Die Spiegelaufnahme zeigt allerdings, dass sich auf der Komposit-Restauration weniger Plaque-Inseln befinden als auf den benachbarten Zahnstrukturen.


Patientenfall 3

Inzisalkanten-Ausbruch an Zahn 13 bei einem 17-jährigen Patienten

Der 17-jährige Patient wurde mit seiner Mutter mit dem Wunsch eines Aufbaus des Zahnes 12 nach distal-inzisal und nach Reparatur des inzisalen Ausbruchs an Zahn 13 vorstellig (Abb. 12). Anamnestisch ergab sich kein Hinweis auf eine mögliche Ursache für das inzisale Chipping an Zahn 13. Beide Zähne wurden ebenso mit dem neuen OMNICHROMA-Komposit in der einen erhältlichen Farbe versorgt. Auch hier wurde auf den „Blocker“ verzichtet. Die Abbildung 13 verdeutlicht die Versorgung mit einer sehr guten Farbadaptation des Kantenaufbaus und des Inzisaldefektes.

  • Abb. 12: Ausgangssituation: inzisales Chipping unklarer Genese an Zahn 13.
  • Abb. 13: Versorgung mit OMNICHROMA mit sehr guter Farbadaptation des Kantenaufbaus.
  • Abb. 12: Ausgangssituation: inzisales Chipping unklarer Genese an Zahn 13.
  • Abb. 13: Versorgung mit OMNICHROMA mit sehr guter Farbadaptation des Kantenaufbaus.

Fazit

Die Einfachheit des Materials beeindruckt und überzeugt. Es ist sicherlich noch verfrüht, zu behaupten, dass mit dieser einen Farbe alle direkten Frontzahnversorgungsindikationen abgedeckt werden können; hierzu benötigt man eine deutlich höhere Zahl entsprechender Patientenfälle – vor allem mit nicht alltäglich zu versorgenden Farben. Wenn das Material an den Zahn adaptiert wird, hat man zunächst Angst, es auszuhärten, da es weiß-opak erscheint. In Gedanken plant man bereits weitere 15 Minuten Behandlungszeit für das Entfernen der farblich nicht passenden Restauration und für die Neuversorgung mit einem „richtigen“ Frontzahnästhetik-Komposit ein. Der „Aha-Effekt“ stellt sich dann nach der Polymerisation ein: Das Füllungsmaterial OMNICHROMA ist am bzw. im Zahn auf einmal nicht mehr zu erkennen. Eine spannende Geschichte, die die Fantasie für viele Behandlungsindikationen beflügelt.

Durch den geringen Materialeinsatz verursacht die Anschaffung von lediglich 2 erforderlichen Drehspritzen (Füllungsmaterial und Blocker) für ein neues Kompositsystem erstaunlich wenig finanziellen Aufwand und reduziert damit das Risiko einer Fehlinvestition erheblich. Somit wäre mein Rat, das neue Material eventuell parallel und als Ergänzung zum bestehenden, bewährten Mehrfarbsystem durchaus auszuprobieren. Gerade Zahnhalsfüllungen stellen meines Erachtens ein ideales Versuchsfeld dar. Der Mut zu weiteren Indikationen und größeren Restaurationen wird dann wahrscheinlich automatisch kommen.  

 

Interessierte erhalten weitere Informationen sowie die Möglichkeit Testmuster anzufordern auf: www.omnichroma.de

 

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Claus-Peter Ernst


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