Stuttgarter Zahnärztetag:

Drucken Von LZK Baden-Württemberg    aktualisiert am 29.07.2010

Sanfte Prothetik im hohen Alter



Beim 6. Stuttgarter Zahnärztetag, einem Fortbildungskongress für rund 800 Zahnärzte und Zahnärztinnen, wurde u.a. das Thema „Wie sieht der Zahnersatz von morgen aus?" abgehandelt.

Prof. Dr. Frauke Müller, Leiterin der Abteilung für Alterszahnheilkunde der Universität Genf machte dabei deutlich, dass der Zahnersatz der Zukunft für hochaltrige Patienten einfach gestaltet sein muss. Eine sanfte Prothetik, die dem oft mehrfach kranken Patienten mit seiner verminderten Belastbarkeit für intensive Zahnbehandlungen Rechnung trägt, ist das Modell der Zukunft. Beachtet werden muss bei der Versorgung mit Zahnersatz auch, dass die teilweise eingeschränkte Mobilität Zahnbehandlungen erschwert und das Handhaben von Zahnersatz bei der Mundhygiene mit zunehmendem Alter immer schwerer fällt. Daher ist es wichtig, bei herausnehmbarem Zahnersatz individuelle Lösungen anzubieten, die den schwindenden manuellen Fähigkeiten und einem möglicherweise nachlassendem Sehvermögen angepasst sind.
Dank der Fortschritte in der Prophylaxe und der vielen Möglichkeiten, die eigenen Zähne bis ins Alter zu erhalten, sind dritte Zähne oft erst für sehr betagte Menschen ein Thema. Gleichzeitig aber wird der Mundgesundheit aufgrund anderer Erkrankungen und wegen der eingeschränkten Mobilität immer weniger Aufmerksamkeit zuteil. Vielerorts herrscht auch die Meinung, Hochbetagte und Gebissträger bräuchten keine zahnärztlichen Kontrollen mehr. Älteren Patienten gehen daher immer seltener zum Zahnarzt: 40 Prozent der Hochbetagten waren schon fünf Jahre und mehr nicht mehr beim Zahnarzt. Außerdem wird die Spanne zwischen den einzelnen Zahnarztbesuchen immer größer. Dabei haben gerade Senioren oft ausgeprägte Probleme wie Zahnverlust, Parodontitis und Karies. Zusammen mit einem verminderten Speichelfluss kann das zu Fehlernährung führen, denn „ je schlechter der Biss ist, desto mehr wird zuckerhaltige Nahrung bevorzugt“ so Prof. Dr. Müller in Stuttgart. Druckstellen von Prothesen und ein Abnehmen der Fähigkeit, mit der Wangen-, Lippen- und Zungenmuskulatur auf den Sitz der Zahnprothese einzuwirken, können ebenfalls dazu beitragen, dass der Appetit nachlässt und immer weniger und zunehmend einseitiger gegessen wird. Das wirkt sich dann auf den Allgemeinzustand aus, der sich aufgrund der Fehl- und Mangelernährung oft rapide verschlechtert. Deshalb ist es wichtig, dass Angehörige - 68 Prozent der rund 2,25 Mio. Pflegebedürftigen werden von Familienmitgliedern versorgt - verstärkt auf die orale Gesundheit der ihnen Anvertrauten achten. Denn gerade im höheren Alter hängen Lebensqualität und Mundgesundheit eng zusammen.

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