Aufwand und Nutzen einer modernen Endodontie – Teil 1

Drucken Von Dr. Anselm Brune    aktualisiert am 19.07.2010

Mit einem strukturierten und innovativen Endodontiekonzept lassen sich Patienten an die Praxis binden und sind mit der Erfahrung erfolgreicher endodontischer Behandlung bereit, private Zuzahlung zu leisten. Was aber beinhaltet ein solches Endodontiekonzept? Dieser Frage geht der Autor des folgenden Beitrages nach und beschreibt die Anforderungen an Trepanation, Aufbereitung, Spülung und koronale Versorgung.

Abb. 1 a: Irreversible Pulpitis mit apikaler Osteolyse.
Abb. 1 a: Irreversible Pulpitis mit apikaler Osteolyse.


Noch vor einigen Jahren bestand die durchschnittliche endodontische Therapie in der Extraktion des betroffenen Zahnes. In vielen Fällen erlebte der Patient nach einer durchgeführten Wurzelkanalbehandlung mindestens zwei weitere in diesem Zusammenhang stehende Therapieschritte – dies waren die Wurzelspitzenresektion und danach die Extraktion. Betrachtet man diese fast schon zwangsläufige Therapiefolge, so hat der Patient reichlich Zeit beim Zahnarzt verbracht. Kollegen hingegen, die sich rechtzeitig für die Extraktion als ersten Therapieschritt entschieden hatten, hatten zwar einen eher zufriedeneren Patienten, doch wirtschaftlich gesehen mindestens zwei Behandlungsschritte im BEMA-Gedankengerüst weniger.

Zum Glück gab es zwei Entwicklungstendenzen, die letztere Vorgehensweise schwieriger werden ließen. Der mündigere Patient fragte immer mehr nach und der Fortschritt bescherte dem Zahnarzt immer mehr Produkte für die endodontische Behandlung.

Erfolgreiche Endodontie als Kompetenzvorsprung



Heutzutage ist es grundsätzlich möglich, sich mit Zahnerhaltung und dem richtigen endodontischen Konzept mit seiner Praxis so aufzustellen, dass der Patient Kompetenz erkennt und die Wurzelkanalbehandlung somit ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil sein kann. Hierfür muss ein strukturiertes endodontisches Behandlungskonzept in die Praxis integriert werden, das Equipment der Praxis muss darauf abgestimmt und die Aufklärung des Patienten mit allen Alternativtherapien abgeschlossen sein.

Nichts Schöneres gibt es für die Praxis, als wenn der Patient über die Notfallbehandlung oder die Schmerzversorgung Kompetenz erkennt und dadurch gern wieder in die Praxis kommt. Dies besonders, wenn er an der Rezeption oder am Telefon erfährt, dass er nicht stundenlang Zeit im Wartezimmer verbringen muss und die Praxis dem Patienten einen exakten Termin natürlich noch am gleichen Tag gibt. Wenn möglich, werden schon einmal der Sensibilitätstest durchgeführt, horizontales und vertikales Klopfverhalten ermittelt sowie Röntgenbilder orthoradial, mesial- und distalexzentrisch erstellt. Somit kann dann auch Zeit für die Schmerzbehandlung eingeplant werden.

Abb. 1 b: Längenbestimmung elektrometrisch und mit Papierspitzen; Ausheilung nach zwei Jahren.
Abb. 1 b: Längenbestimmung elektrometrisch und mit Papierspitzen; Ausheilung nach zwei Jahren.
Liegt eine irreversible Pulpitis aufgrund einer Caries profunda vor, so reicht eine Aufbaufüllung mit Trepanation und Vitalamputation in der Kronenpulpa. Auf die Pulpastümpfe kann Ledermix aufgetragen werden und die Kavität wird wieder verschlossen. Dieses kann mit Cavit geschehen oder noch besser in adhäsiver Form. Mit Schaumstoffpellets können die Kanaleingänge abgedeckt werden, damit diese durch das Verschlussmaterial nicht verlegt werden.

Der Reiz ist entfernt, d. h. die Karies, und der Zahn wird vorhersagbar schmerzfrei sein. Zeigt der Zahn eine Klopfsymptomatik bzw. eine apikale Osteolyse auf dem Röntgenbild, muss mehr Zeit für die Notfallbehandlung eingeplant werden, weil über die Aufbaufüllung und Trepanation hinaus das gesamte Wurzelkanalsystem aufbereitet werden muss, mit Ermittlung der exakten Wurzellänge sowie Medikation.

Was gehört zu einem innovativen Behandlungskonzept?



Endodontie kann heute bedeuten, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit in der Wurzelkanalbehandlung (WKB) unter Berücksichtigung entsprechender Behandlungsstrategien auf bis zu 90 bis 95 Prozent vorhersagbar in der Primärbehandlung gesteigert werden kann. Im Rahmen einer endodontischen Behandlung ist es grundsätzlich wichtig, dass eine bakterielle Infektion mit sehr unterschiedlichen und zum Teil auch wechselnden Bakterienstämmen erkannt und behandelt wird.

In den letzten zehn Jahren hat es einen rasanten innovativen Sprung im Therapiespektrum der Wurzelkanalbehandlung gegeben; eine Vielzahl von unterschiedlichsten Aufbereitungssystemen und Obturationssystemen ist entwickelt worden. Unter welchen Kriterien sollte man also ein neues System für seine Praxis wählen? Kurz und knapp: Ein neues System zur endodontischen Behandlung sollte wirtschaftlicher, effizienter und schneller sein. Außerdem sollte der Behandler in der Lage sein, seine Prognose in der Wurzelkanalbehandlung zu verbessern und damit auch Zähne mit obliterierten Kanälen und Wurzelkrümmungen vorhersagbar souverän in der Primärbehandlung aufzubereiten.

In einem innovativen endodontischen Behandlungskonzept dient die Wurzelkanalaufbereitung (WKB) dazu, die Spülkanüle mit Natriumhypochlorit möglichst schnell bis im optimalen Fall 1 mm vor Arbeitslänge zu bringen. Wir wissen um die verschiedensten anatomischen Varianten im Wurzelquerschnitt und können davon ausgehen, dass kein einziges Feilensystem, ob in der Handaufbereitung oder maschinellen Aufbereitung, mehr als 70 Prozent des Wandareals im Wurzelkanal bearbeitet. Bei der Diagnose der irreversiblen Pulpitis sollten wir es im Rahmen der irreversiblen Infektionskontrolle schaffen, den Zahn von innen so zu säubern, dass das Ergebnis langfristig Beschwerdefreiheit bedeutet und röntgenologisch im Recall ein Ausheilen von Läsionen endodontischen Ursprungs nachweisbar ist oder diese vermieden werden.

Eine antibakterielle und gewebeauflösende Spülflüssigkeit (wie NaOCl 5%) unterstützt die mechanische Aufbereitung damit am Ende der Wurzelkanal so gut wie möglich desinfiziert ist. Alleine der Schutz der Mundschleimhaut vor den aktuellen Spüllösungen stellt ein Muss für die Verwendung von Kofferdam dar.


Lesen Sie weiter:
Aufwand und Nutzen einer modernen Endodontie in der zahnärztlichen Praxis – Teil 2

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Abb. 1 b: Längenbestimmung elektrometrisch und mit Papierspitzen; Ausheilung nach zwei Jahren.  

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