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Eine erfolgreiche Erweiterung des zahnärztlichen Behandlungsspektrums

Raucherentwöhnung mittels Hypnose – Teil 1

Drucken Von Dr. Elisabeth von Mezynski    aktualisiert am 19.05.2011

Bereits vor einigen Wochen wurden die gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums und ein Konzept zur Raucherentwöhnung in der Zahnarztpraxis vorgestellt. Im folgenden Beitrag wird nun eine weitere Methode der Entwöhnung beleuchtet: die Hypnose. Sie hat sich in vielen Zahnarztpraxen bereits bei der Versorgung von Angstpatienten und Kindern bewährt. Nach den Erfahrungen unserer Autorin, die die im Folgenden beschriebene Methode bereits seit über 15 Jahren anwendet, zeitigt Hypnose sehr schnelle Erfolge – in 90 % der Fälle reicht eine Sitzung aus, um den Patienten von seiner Sucht zu heilen.

Abb. 1: Induktion zur Hypnose.
Abb. 1: Induktion zur Hypnose.


Jährlich sterben rund 140.000 Bundesbürger an den unmittelbaren Folgen des Rauchens. Der Drogenbericht der Bundesregierung (2009) verzeichnet zudem 3.300 Nichtraucher, die jedes Jahr ums Leben kommen, weil sie dauerhaft den schädlichen Qualm eingeatmet haben. Ein Drittel der Menschheit raucht (lt. WHO). Dabei würden sich viele gerne von dieser gesundheitsschädlichen Sucht befreien: ca. 80 % der Raucher wollen aufhören (WHO)12. Und seit der Einführung des neuen Nichtrauchergesetzes in Deutschland im Jahr 2008 wird in den ärztlichen und zahnärztlichen Praxen verstärkt nach Möglichkeiten einer Raucherentwöhnung gefragt.

Warum fangen Menschen mit dem Rauchen an?



In der Regel fangen Menschen in der Jugend mit dem Rauchen an. Also in einer Zeit, in der die Gruppenzugehörigkeit äußerst wichtig für die Entwicklung der Persönlichkeit erscheint. Das Rauchen unterstützt dieses Ziel zunächst: Es sieht gut aus und gilt bei jungen Menschen als besonders cool. Rauchen steht zudem dafür, sich das Recht zu nehmen, etwas zu tun, was eigentlich verboten ist, und damit für Rebellion gegenüber dem Etablierten – für den Beginn des Erwachsenwerdens schlechthin.

Dabei ist für die meisten der Geschmack der ersten Zigarette grauenhaft und die ersten Rauchversuche gehen einher mit einem spontanen Schwindelgefühl. Viele müssen geradezu hart daran arbeiten, einen Lungenzug zu erlernen. Weil viele Jugendliche den Geschmack der Zigarette so widerlich finden, erliegen sie dem Trugschluss, sie könnten jederzeit wieder mit dem Rauchen aufhören. Dabei macht Nikotin rascher abhängig als jede andere bekannte Droge. Manchmal reicht schon eine einzige Zigarette aus.

Warum ist es so schwer, vom Rauchen loszukommen?



Nikotin besitzt ein hohes Suchtpotenzial (ähnlich wie Kokain und Heroin) und macht körperlich und vor allem psychisch stark abhängig. Der Körper gewöhnt sich an ein bestimmtes Level von Nikotin, und wenn dieses Level unterschritten wird, reagiert er mit Ruhelosigkeit. Durch die Zigarette steigt der Nikotinspiegel wieder und der Körper wird ruhig. Doch diese körperliche Abhängigkeit kann in relativ kurzer Zeit überwunden werden. Die Raucherentwöhnung scheitert in den meisten Fällen an der psychischen Abhängigkeit. Die Gewohnheit, in bestimmten Situationen zu rauchen, ist zudem eine große Hürde. Meiner Meinung nach können Medikamente, Kaugummis oder Nikotinpflaster lediglich die körperliche Abhängigkeit kurzfristig unterdrücken. Die Hypnose jedoch hilft, sich aus der psychischen Abhängigkeit zu lösen und sich damit dauerhaft vom Rauchen zu befreien.

Was ist Sucht?



Glücksmomente sind für Mensch und Tier die wichtigste Antriebsfeder. Glück erleben wir auf zweierlei Arten: zum einen als Genuss und zum anderen als Lust. Beide gehen von einer Schaltung im Gehirn aus, die die Wissenschaftler meist das Belohnungssystem nennen. Dort setzen alle Drogen an. Wird Nikotin inhaliert, manipuliert es dieses System: Es bewirkt eine verstärkte Ausschüttung des Botenstoffes Dopamin, der für gute Gefühle sorgt. Drogen täuschen also das System für den Genuss.

Nikotin, Kokain und Heroin haben mit Abstand das höchste Suchtpotenzial, weil sie direkt auf das Dopaminsystem wirken. Alkohol hingegen führt langsamer in die Abhängigkeit und nicht jeder Weintrinker wird zum Alkoholiker. Wie schnell jemand süchtig wird, hängt davon ab, wie empfindlich er auf Stress reagiert, was teils genetisch bedingt ist, teils auf Erfahrungen in Kindheit und Jugend beruht. Abhängigkeit entsteht, indem die Droge das Gehirn umprogrammiert. Und so wie man seine Muttersprache niemals vergisst, bleibt auch die Programmierung auf eine Droge für immer bestehen.

Die „Nebenwirkungen“ des Rauchens sind hinlänglich bekannt: Nikotin ist ein starkes Gift. Es greift das gesamte Gefäß- und Nervensystem an. Wir Zahnärzte sehen die Folgeschäden des Rauchens häufig zuerst: Nikotin ist ein Fibrinoblastenkiller, das heißt, es zerstört das Bindegewebe und damit den Zahnhalteapparat. Dies kann zu Parodontitis, Periimplantitis und schlechter Wundheilung führen. Tabakkonsum gefährdet nicht nur die allgemeine Mundgesundheit, sondern auch die Erfolgsaussichten einer zahnärztlichen Behandlung. Rauchen begünstigt außerdem das Auftreten einer Vielzahl weiterer oraler Erkrankungen, wie Mundhöhlenkrebs, Leukoplakie oder Osteopenie. Die Bundeszahnärztekammer unterstützt daher Maßnahmen zur Etablierung der Raucherentwöhnung in der Zahnarztpraxis.

Wie funktioniert Hypnose zur Raucherentwöhnung?



Gewohnheiten und Verhaltensweisen sind in den tiefen Bereichen des Unterbewusstseins fest verankert, so auch die Gewohnheit des Rauchens. Mittels Hypnose kann in diese tiefen Schichten vorgedrungen werden. In der hypnotischen Trance öffnet sich das Unterbewusstsein und nimmt in diesem Zustand Anweisungen – sogenannte Suggestionen – entgegen, mit deren Hilfe gezielt Veränderungen herbeigeführt werden. Gerade im Rahmen der Raucherentwöhnung erscheint diese Methode daher ideal, da sich der Patient ohne – oder mit einer erheblich geringeren – Willensanstrengung von der Abhängigkeit befreien kann.

Allerdings sollte man bei der Raucherentwöhnung unbedingt darauf achten, dass es nicht zur Suchtverlagerung kommt, wie z. B. zu einem erhöhten Alkoholkonsum oder gestörten Essverhalten. Es ist wichtig, nicht nur eine Raucherentwöhnung, sondern eine allgemeine Suchttherapie durchzuführen. Denn mit Hypnose kommen wir an die Ursache der gesamten Suchtproblematik heran, die immer einen gemeinsamen Ursprung hat.

Hypnose ist ein Zustand tiefer körperlicher Entspannung und sie ist ein freiwilliger Vorgang. Wir wissen, dass Hypnose insbesondere geeignet ist, Probleme anzugehen, die in der Vergangenheit entstanden sind. Eigentlich bestehen sie in der Gegenwart nicht weiter, doch das Unterbewusstsein hält sie fest – als Tick, Schmerz, Sucht oder Gewohnheit. So weiß jeder erwachsene Raucher, dass er die Zigarette, die in der Jugend für ihn aufgrund des coolen Auftretens wichtig war, für sein Selbstbewusstsein nicht mehr braucht, kann sich aber nicht so einfach von der Sucht befreien. Denn Rauchen eröffnet wie jede andere Form des Suchtverhaltens die Möglichkeit, Probleme – auch solche, die im Unterbewusstsein lagern – zu verdrängen. Jeder Raucher kennt dieses Gefühl, dass die Zigarette ihm eine kleine Pause gibt, eine Möglichkeit, sich zurückziehen zu können.

Einer meiner Lehrer, Stephan Gilligan, sagte mir einmal: „Wenn du ihnen (den Rauchern) etwas wegnimmst, musst du ihnen dafür etwas geben.“ Wenn wir jetzt dem Raucher seine vermeintliche Belohnung bzw. seine „Methode der Problembewältigung“ nehmen, müssen wir ihn dafür entschädigen. In der Hypnose geben wir ihm die Möglichkeit, die Liebe zu sich selbst wieder zu entdecken und in seine Persönlichkeit zu integrieren. C. G. Jung bezeichnet dies als „die Integration des nicht gelebten Archetypus der Liebe“5. Denn fast alle Raucher mit hohem Suchtpotenzial kennen zwar das Gefühl, für andere da zu sein, vergessen sich selbst aber häufig dabei. In Trance geben wir dem Patienten die Möglichkeit, sein eigenes „inneres Kind“11 anzunehmen.

Lesen Sie weiter:
Eine erfolgreiche Erweiterung des zahnärztlichen Behandlungsspektrums – Teil 2

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Literaturverzeichnis

  1. Gilligan, Stephen G: Liebe Dich selbst wie deinen Nächsten, Carl-Auer-Systeme Verlag, 1999.
  2. Gilligan, Stephen G: Therapeutische Trance, Carl-Auer, 2. Auflage, 1995.
  3. Hark, Helmut: Lexikon Jungscher Grundbegriffe, Walter Verlag, 4. Auflage, 1998.
  4. Hasselmann, Varda, Schmolke, Frank: Archetypen der Seele, Goldmann-Verlag, 3. Auflage, 1999.
  5. Jung, C. G: Archetyp und Unbewußtes, Grundwerk C. G. Jung, Band 2, Walter Verlag, 5. Auflage, 1996.
  6. Samuels, A., Lukan, E: Im Einklang mit dem inneren Kind, Herder-Verlag, 11. Auflage, 2008.
  7. Schäfer, Ingo, Krausz, Michael: Trauma und Sucht, Klett-Cotta-Verlag, 2006.
  8. Schmierer, A: Einführung in die zahnärztliche Hypnose, Quintessenz Verlag, Berlin, 2000.
  9. Schweizer, Cornelie C: Vom blauen Dunst zum frischen Wind, hypnotherapeutische Raucherentwöhnung in 5 Sitzungen, Carl-Auer., 1. Auflage, 2009.
  10. Servan-Schreiber, David: Die Neue Medizin der Emotionen, Goldmann-Verlag, 12. Auflage, 2006.
  11. Aussöhnung mit dem inneren Kind / Chopich, Erika J. / Paul, Margaret, 5. Auflage 2009, Ullstein Verlag.
  12. Quelle WHO vom 7. 2. 2010. www.who.int
Dr. Elisabeth von Mezynski

Dr. Elisabeth von Mezynski

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