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Abb. 1a: Funktionsregler Typ III (FR III) nach Fränkel.
Beiträge zum Thema
Fazit
Je leistungsfähiger kieferorthopädische Apparaturen werden, um so mehr muss die funktionelle Diskussion in den Fokus rücken. Die kieferorthopädische Behandlung von Kindern mit ihrem Wachstumspotenzial und Kompensationsvermögen mag vordergründig einfach scheinen. Lageabweichungen der Kiefer, Asymmetrien oder Zahnfehlstellungen im Wachstum zu korrigieren statt nach abgeschlossener Wachstumsphase, ist eindeutig schneller und unkomplizierter möglich und durchaus langzeitstabil, sofern die physiologische Entwicklung des Kindes normal verläuft. Schwierigkeiten entstehen insbesondere, weil aufgrund der großen Kompensationsfähigkeit im Kindesalter latente oder manifeste Funktions- und Entwicklungsstörungen unserer kleinen Patienten schnell übersehen werden und damit zum funktionellen Risikofaktor werden können. Die kieferorthopädische Verschlüsselung der Kiefer in einer willkürlich gewählten Position ohne Berücksichtigung der wachstumsphysiologischen und persönlichen Entwicklungsvorgänge sowie dysfunktioneller Einflüsse ist deswegen nicht mehr zeitgemäß. Die Beteiligung der Okklusion als Cofaktor für Funktionsstörungen ist weiterhin in der fachlichen Diskussion unbestritten2.
Kieferorthopädie kann auch bei fehlendem Krankheitswert betrieben werden und sie kann gegen ein funktionelles Gleichgewicht arbeiten – im Dienste der Schönheit. Hier werden die Weichen für die funktionelle Gesamtsituation des Bewegungsapparates unserer Patienten gestellt: Ei- ne kieferorthopädische Lagekorrektur erfordert gerade im Wachstum stets eine funktionelle, oft auch interdisziplinäre Differenzialdiagnose, um Informationen über die funktionelle Situation zu gewinnen. Aus ganzheitlicher Sicht muss selbstverständlich die funktionelle Diagnose der funktionellen Veränderung vorgestellt werden, um zu erkennen, ob eine eingreifende Veränderung, wie zum Beispiel die Lagekorrektur des Unterkiefers oder die Verbesserung der Okklusionskontakte, überhaupt risikolos möglich ist oder ob eine begleitende funktionelle Therapie erforderlich ist. Beim Kind haben wir die einmalige Chance, funktionelle Fehlentwicklungen durch Wachstumssteuerung zu korrigieren. Das heißt, dass ein funktionelles Risikoscreening beim Kind genau wie beim Erwachsenen betrieben werden muss, um funktionelle Störungen überhaupt festzustellen. Es ist zwar auch heute noch die gängige kieferorthopädische (Kassen) Praxis, bei Kindern keine routinemäßigen, geschweige denn wiederkehrenden Funktions- und Strukturanalysen und die konsequente Therapie auf Basis der dort gewonnenen Erkenntnisse durchzuführen. Dieses Vorgehen ignoriert aber mögliche strukturelle Vorschädigungen des Bewegungsapparates oder verborgene funktionelle Störungen. Gerade Kinder sind sehr anpassungsfähig und kompensieren funktionelle Störungen – oder eben auch iatrogen gesetzte Fehler –, bis schließlich im frühen Erwachsenenalter oder sogar schon in der Pubertät bei Hinzutreten persönlicher Belastungssituationen die ersten Gipfel der funktionellen Entgleisungen beobachtet werden. Soll die Korrektur der Unterkieferposition durch Wachstumssteuerung unserer Zielvorstellung folgen, so ist also zunächst das Ziel korrekt zu definieren. Dieses besteht in der Herstellung funktioneller Integrität. Das Kriterium Ästhetik ist nachrangig – aber es trifft sich gut, dass ein funktionell integres Behandlungsergebnis auch ein gesundes und ästhetisch ansprechendes Erscheinungsbild des Patienten mit sich bringt.
Epikrise
Die Kieferorthopädie ist ein winziges Puzzlestück im Mosaik der Rehabilitations- oder Stabilisierungsmöglichkeiten der funktionellen Integrität eines Menschen, ebenso wie jede andere medizinische oder zahnmedizinische Fachdisziplin sowie die Umstände, die das Leben der Menschen bestimmen. Wir wollen deswegen bescheiden sein, wenn wir über unseren Behandlungserfolg sprechen, denn wir meinen stets den gemeinsamen Erfolg mit unseren Cotherapeuten und der physiologischen und emotionalen Entwicklung unserer Patienten, wenn wir von wirklich nachhaltigem Erfolg sprechen möchten.
Die Vision der Funktionstherapie für die Zukunft ist klar: Wir wollen den kleinen Stein, der eine Lawine verursachen kann und dann als Auslöser nicht mehr zu erkennen ist, stoppen, bevor er ins Rollen kommt. Der Weg dorthin ist seit über 100 Jahren beschrieben, aber es kommen stetig neue Facetten hinzu. Deswegen müssen wir als Therapeuten für die Funktion die alten Bücher über die Entwicklung der Menschen lesen, diese mit neuen wissenschaftlichen Ergebnissen abgleichen und frei von Konkurrenzgedanken mit der interdisziplinären Wachsamkeit bei den Kindern anfangen, nicht erst im Erwachsenenalter. Immer wieder müssen wir während einer Behandlung gerade in Langzeitmaßnahmen wie der Kieferorthopädie die funktionelle Sinnhaftigkeit jedes einzelnen Therapieschritts kritisch hinterfragen und den Mut besitzen, den eingeschlagenen Weg zu ändern, wenn unsere eigenen Erkenntnisse oder die unserer Cotherapeuten dies erfordern.
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Frühe CMD-Risikofaktoren erkennen und vermeiden – Teil 1
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Literaturverzeichnis
- Fränkel, R., Fränkel, C.: Die klinische Bedeutung des Roux’schen Konzepts in der orofazialen Orthopädie. J Orofac Orthop/ Fortschr Kieferorthop 62(1), 1-21 (2001)
- Kirveskari, P., Jämsä, T.: European Journal of Orthodontics 32; 229 (2010)
- Köneke, A.: Kieferorthopädische Rehabilitation des CMD-Patienten, in Köneke, C.: Craniomandibuläre Dysfunktion, Quintessenz-Verlag, 105-128 (2010)
- Köneke, A.: Bewegung und Funktion – frühe Risikofaktoren erkennen und vermeiden, in 2. Kieler KinderCMD Konferenz, Kiel (2010)
- Köneke, A.: Praktische Umsetzung der Zentrik in die zentrische kieferorthopädische Okklusionsgestaltung, in Internationales Praxisforum Zermatt (2010)
- v. Heymann, W., Köneke, A., Gorny, F.: Craniomandibuläre Dysfunktion, assoziierte Heterophorie und auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen – Differentialdiagnosen der Tonusasymmetrie/Sensomotorischen Dyskybernese. ManMed (2010)
- Köneke, A., Köneke, C., Adam, M., Seeck, N., Seeck, M., Somnojournal 4/2009, 21-26 (2009)
- Richter, F.: Podiumsdiskussion, in Internationales Praxisforum Zermatt (2010)
- Ruf, S.: Beeinflussbarkeit craniomandibulärer Dysfunktionen durch kieferorthopädische Maßnahmen, in 82. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGKFO, Mainz (2009)








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