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Alle 14 Tage die aktuellsten Meldungen, Tipps und Trends aus der Zahnheilkunde in Ihre Mailbox. >>Jetzt kostenlos abonnierenFrühe CMD-Risikofaktoren erkennen und vermeiden – Teil 1
DruckenDie interdisziplinäre Rolle der Kieferorthopädie Funktions- und Entwicklungsstörungen bei Kindern sollten frühzeitig erkannt und noch während der Wachstumsphase therapiert werden, denn so kann eine durch frühe Funktionsstörung induzierte craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) oft vermieden werden. Die Kieferorthopädie kann dieses Ziel wirkungsvoll unterstützen – oder aber Funktionsstörungen erst herbeiführen, gerade wenn „Schönheitskorrekturen“ im Fokus der Behandlung stehen. Der Autor plädiert im folgenden Beitrag daher für eine ganzheitlich funktionsorientierte Kieferorthopädie, die behutsame Funktionskorrekturen bereits im frühen Wechselgebiss durchführt. Er stellt Modifikationen kieferorthopädischer Geräte vor, die ein besonders schonendes Vorgehen ermöglichen.

Abb. 1a: Funktionsregler Typ III (FR III) nach Fränkel.
Beiträge zum Thema
Bewegung ist Funktion und Funktion ist Bewegung. Viele medizinische Disziplinen, die eingreifend in der Wachstumsphase arbeiten, übernehmen für die Entwicklung funktioneller Integrität Verantwortung. Die meisten Menschen der „zivilisierten Welt“ erhalten im Laufe ihrer Kindheit eine kieferorthopädische Behandlung oder werden funktionell korrigierend von Orthopäden, Kieferorthopäden, Augenärzten, Physiotherapeuten oder anderen medizinischen Disziplinen behandelt. Vielfach diktieren dies die gesellschaftlichen Normen, auch bei fehlendem Krankheitswert. Aus manchen Eingriffen resultieren Verbesserungen, aus anderen aber Verschlechterungen des Funktionszustandes.
Dabei sehen die Entwicklungsbedingungen für Kinder sehr unterschiedlich aus. Einige treiben Sport, manche sogar Leistungssport, andere treiben gar keinen Sport. Es gibt stille und hyperaktive Kinder. Manche essen viel, manche wenig, einige ernähren sich natürlich, andere ungesund. Kinder kommen körperlich gesund oder körperlich behindert zur Welt, manche erleiden im Laufe des Lebens Behinderungen oder Erkrankungen mit Beteiligung der Gelenke oder der Muskulatur. Manche Kinder wachsen in Geborgenheit auf, andere in psychischer Not. Alle diese Faktoren beeinflussen den Bewegungsapparat und dessen Funktion.
Die Bedeutung des Themas ist vielschichtig, denn nicht nur die Heilberufe übernehmen Verantwortung für die Entwicklung des kindlichen Bewegungsapparates, sondern ebenso Eltern, Lehrer, Trainer – und auch die Zufälle des Lebens spielen eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund ist ganzheitliches Denken erforderlich. Mit Ganzheitlichkeit ist eine fundierte Diagnostik gemeint, Therapie und fachliche Kommunikation, die auf wissenschaftlicher Arbeit basiert.
Im Rahmen dieses Beitrags sollen eine ganze Reihe von Fragen beantwortet werden: Sind Funktions- und Entwicklungsstörungen überhaupt therapeutisch beeinflussbar? Kann man Erkrankungen wie craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) vielleicht sogar durch frühe funktionell – entwicklungsorientierte Therapieansätze vermeiden? Wenn eine Therapieform Funktions- und Entwicklungsstörungen beeinflussen kann, dann wie? Und: Kann eine Fachdisziplin dies allein?
Zur letzten Frage: Funktionsorientierte Arbeit setzt die Kenntnis, das Verständnis und den Respekt der Therapeuten der verschiedenen medizinischen Disziplinen für die Arbeit der Kollegen anderer Fachdisziplinen voraus, um bei Bedarf durch interdisziplinäre Zusammenarbeit die Qualität jeder einzelnen Behandlung zu verbessern. Denn ebenso wie die Kieferorthopädie okklusale und wachstumsphysiologische Faktoren der CMD in eng umschriebenen Arealen eliminieren kann, können alle anderen Fachdisziplinen einzelne Risikofaktoren diagnostizieren und therapieren. Führen wir unsere Arbeit zusammen, potenziert sich unsere Leistungsfähigkeit. Funktionsgestörte Patienten brauchen also unsere gemeinsame Diagnostik. Nicht nacheinander, nicht unabhängig voneinander, sondern miteinander und in steter Kommunikation.
Stand des Wissens
Gemeinhin wird zwar immer wieder festgestellt, dass zwischen Kieferorthopädie und CMD keine Zusammenhänge existieren9, und doch werden von verschiedenen Autoren folgende strukturelle Abweichungen von der Norm als Risikofaktoren für eine CMD angesehen: geringer Gelenkbahn-Okklusionsebenenwinkel, Trauma, Deckbiss, Rezidiv einer kieferorthopädischen Behandlung, z. B. infolge kieferorthopädischer Überexpansion, Rezidive von kieferorthopädischer Wachstumshemmung des Unterkiefers mit Kopf-Kinn-Kappen bei Jugendlichen oder Rezidive von kieferorthopädischen Unterkiefervorverlagerungen nach überschrittenem Wachstumsmaximum, infolgedessen oder unabhängig hiervon entstandener Zwangsbiss, fehlende posteriore Abstützung und offener Biss3,6. Hinzu kommt, dass Wachstum und Entwicklung während einer kieferorthopädischen Behandlung fortschreiten – und die therapeutischen Eingriffe beeinflussen, aber auch von ihr beeinflusst werden1.
Lesen Sie weiter:
Frühe CMD-Risikofaktoren erkennen und vermeiden – Teil 2
Lesen Sie weiter:
Frühe CMD-Risikofaktoren erkennen und vermeiden – Teil 3
Mehr zu diesem Thema
Literaturverzeichnis
- Fränkel, R., Fränkel, C.: Die klinische Bedeutung des Roux’schen Konzepts in der orofazialen Orthopädie. J Orofac Orthop/ Fortschr Kieferorthop 62(1), 1-21 (2001)
- Kirveskari, P., Jämsä, T.: European Journal of Orthodontics 32; 229 (2010)
- Köneke, A.: Kieferorthopädische Rehabilitation des CMD-Patienten, in Köneke, C.: Craniomandibuläre Dysfunktion, Quintessenz-Verlag, 105-128 (2010)
- Köneke, A.: Bewegung und Funktion – frühe Risikofaktoren erkennen und vermeiden, in 2. Kieler KinderCMD Konferenz, Kiel (2010)
- Köneke, A.: Praktische Umsetzung der Zentrik in die zentrische kieferorthopädische Okklusionsgestaltung, in Internationales Praxisforum Zermatt (2010)
- v. Heymann, W., Köneke, A., Gorny, F.: Craniomandibuläre Dysfunktion, assoziierte Heterophorie und auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen – Differentialdiagnosen der Tonusasymmetrie/Sensomotorischen Dyskybernese. ManMed (2010)
- Köneke, A., Köneke, C., Adam, M., Seeck, N., Seeck, M., Somnojournal 4/2009, 21-26 (2009)
- Richter, F.: Podiumsdiskussion, in Internationales Praxisforum Zermatt (2010)
- Ruf, S.: Beeinflussbarkeit craniomandibulärer Dysfunktionen durch kieferorthopädische Maßnahmen, in 82. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGKFO, Mainz (2009)








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