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DruckenEin Wort, das in den letzten Jahren immer häufiger für Schlagzeilen sorgt ist Burnout. Das Burnout-Syndrom kann alle sozialen Gruppen treffen. Scheinbar trifft es den Zahnarzt als Angehörigen der sogenannten helfenden und heilenden Berufe besonders, auch wenn es (noch) keine signifikanten Daten dazu gibt. Bei den Betroffenen selbst ist das Thema ein Tabu. Umso wichtiger ist es, über die Gefahr Burnout informiert zu sein und dessen Ursachen, die Prophylaxe, die Symptome sowie die Behandlung zu kennen.
Beiträge zum Thema
Fachlich fundierte Quellen und aussagefähige statistische Angaben über Burnout und dessen Folgen bei Zahnärzten18,37,44,47 sind äußerst rar28,30,53. Obgleich insbesondere Angehörige helfender und heilender Berufe mit dieser Problematik konfrontiert sein können, verkörpert sie gerade unter diesen seit jeher ein weitgehendes Tabu. Vor allem betroffene Mediziner errichten hinsichtlich psychischer Erkrankungen eine regelrechte Barriere aus Scham- und Versagensgefühlen um sich, sollen sie doch eigentlich für andere da sein, statt selbst Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Die tragischen Ereignisse des letzten Jahres um den Fußballprofi Robert Enke haben eine intensivere Auseinandersetzung mit dieser sensiblen Problematik bewirkt. Innerhalb unseres Berufsstandes sollte dies allerdings lediglich ein erster Schritt sein; ein offensiver und konstruktiver Umgang mit diesem Thema scheint hier geradewegs unerlässlich.
Wen der Infarkt der Seele trifft
Der Terminus Burnout wurde erstmals im Jahre 1974 durch den deutschamerikanischen Psychoanalytiker Herbert Freudenberger geprägt und als ein Zustand körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung charakterisiert2,3,12. Der Autor Klaus-Peter Kolbatz gab seinem 2005 zu dieser Problematik erschienenen Sachbuch treffend den Untertitel „Infarkt der Seele“7.
Die sich schrittweise über einen längeren Zeitraum ausbreitende Erkrankung bewirkt einen allmählichen psychischen Verschleiß. Permanente Überforderungen und Enttäuschungen können zu emotionaler Erschöpfung und Resignation führen und schließlich in Depressionen und somatische Leiden münden.
Das einstmals vor allem als typische Managerkrankheit wahrgenommene Burnout-Syndrom ist mittlerweile besonders in den sogenannten Helferberufen, deren Hauptinhalt in der Arbeit an und mit Menschen besteht, weit verbreitet und macht folglich auch vor Zahnärzten nicht Halt. Gerade während der zahnärztlichen Behandlung offenbart sich eine höchst asymmetrische Beziehung zwischen Therapeut und Patient, in der allein die eine Seite gibt, während die andere ausschließlich nimmt. Hierbei werden dem Leistungserbringer stets höchste Konzentration und Präzision sowie umfassendes fachliches Wissen und Können abverlangt. Darüber hinaus findet nahezu jeder zahnmedizinische Eingriff in größter räumlicher und körperlicher Nähe der daran beteiligten Personen statt. All dies kostet den Praktiker, ebenso wie dessen täglich oft über mehrere Stunden anhaltende unphysiologische Körperhaltung, auf Dauer immense Kraft. Der Leistungsempfänger hingegen spielt in dieser Konstellation eine überwiegend passive, allein nehmende Rolle.
Vor diesem Hintergrund muss es eigentlich grotesk anmuten, dass in der Fachliteratur meist nur von psychischen Problemen aufseiten der Patienten die Rede ist, gerade so, als existierten ausgebrannte Mediziner lediglich außerhalb jedweden irdischen Vorstellungsvermögens. Dabei wird deren Anteil unter den Ärzten repräsentativen Studien zufolge auf beachtliche 20 bis 25 % taxiert12,19,49,53 und man darf insinuieren, dass sich die Quote bei den Zahnärzten in weitestgehend ähnlichen Dimensionen bewegt. Unter den derzeit 66.000 hierzulande behandelnd tätigen Kollegen entspräche dies immerhin einem Wert zwischen 13.200 und 16.500, wobei darüber hinaus von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen ist.
Schließlich ist konsequente Verleugnung nicht nur eines der Hauptmerkmale des Burnout-Syndroms, sondern zugleich auch dessen Motor. Um die sich anbahnenden Probleme zu übertünchen, entwickeln die Betroffenen oft intuitiv spezifische Abwehrstrategien, beispielsweise indem unangenehme Fakten verdrängt, ironisiert oder auf andere Personen projiziert werden8. Aus naheliegenden Gründen dürfte dieses Phänomen unter den Helferberufen besonders verbreitet sein. Gerade deren Angehörige gestehen sich seelische Probleme nur höchst ungern ein. Erst recht anderen gegenüber wird nach Kräften versucht, derartige zu leugnen, denn welcher Patient möchte sich schon von einem psychisch kranken (Zahn-) Arzt behandeln lassen?
Bei Zahnärzten spielt Arbeitszufriedenheit eine Rolle
Dabei entwickelt sich ein Burnout häufig infolge einer fortwährenden Diskrepanz zwischen dem Charakter des Betroffenen und den an ihn gerichteten dienstlichen Anforderungen. Demnach spielt die Arbeitszufriedenheit unter den Zahnärzten eine wesentliche Rolle für die Entwicklung und Verbreitung der Erkrankung. Einer Untersuchung der Universität Erlangen zufolge sind über drei Viertel der Mediziner diesbezüglich unzufrieden oder gar resigniert12,19,49. Demnach ziehe knapp ein Achtel der Kollegen eine Rückgabe ihrer Kassenzulassung und sogar gut 35 % die Aufgabe ihrer Praxen in Betracht. Ähnliche Erhebungen unter schwedischen Ärzten18 hingegen förderten nahezu völlig konträre Resultate zutage. Demnach seien dort weit mehr als zwei Drittel hochzufrieden mit ihrer Arbeit, während sich gerade einmal 14 % psychisch stark belastet fühlten. Derart augenfällige Diskrepanzen hinsichtlich der Arbeitszufriedenheit unter entwickelten Industrienationen sollten freilich einen Prozess tiefgründigen Nachdenkens initiieren. Wesentliche Auslöser für den Unmut der deutschen Kollegen scheinen vor allem eine hohe berufliche Belastung, gepaart mit zum Teil immensem Zeitund Termindruck, lästige Auseinandersetzungen mit Behörden und Krankenkassen, aber auch die zunehmende Gängelung durch Standesorganisationen und Politik zu sein.
Schwierige Patienten als Stressfaktor
Deutlich mehr als die Hälfte der Zahnärzte empfindet „schwierige Patienten“ als einen der größten Stressoren18, wobei mitunter bereits deren namentliche Erwähnung erhebliches Unbehagen auszulösen vermag. Insbesondere deren oft überzogene Angst erfordert aufseiten des Behandlers immenses Einfühlungsvermögen, aber eben auch zusätzliche psychomentale Kraft. In diesem Kontext kann das (nicht zuletzt im Prüfverfahren allzu oft unterbewertete) Engagement der mit der Behandlung von Kindern befassten Kollegen gar nicht genug gewürdigt werden.
Prinzipiell ist der Zahnarzt als selbstständiger Unternehmer nicht zuletzt von der Zufriedenheit seiner Klienten abhängig, obzwar diese seine Dienste eigentlich nur ungern, nämlich häufig erst im Falle vorliegender Beschwerden, in Anspruch nehmen. Dem steht das fachlich indizierte Bestreben des Therapeuten gegenüber, Erkrankungen in der Mundhöhle möglichst durch gezielte systematische Prophylaxe vorzubeugen, was – soweit diese nicht von der Krankenkasse getragen wird – wiederum mit den finanziellen Überlegungen so mancher Leistungsempfänger kollidieren mag. Nicht wenige Zahnmediziner setzen sich überdies zusätzlich unter Druck, indem sie mit aller Macht ihren Patienten Schmerzen zu ersparen versuchen, um nicht Gefahr zu laufen, diese zu verlieren. Mitunter jedoch gleicht dieses Vorhaben der Quadratur des Kreises und man strebt folglich geradezu krampfhaft nach einem eigentlich irrealen Perfektionismus. Um sich (im wahrsten Sinne des Wortes) beinahe um jeden Preis wohlwollend vom Kollegen nebenan abzuheben, kommt es darüber hinaus zu mitunter abstrusen finanziellen Zugeständnissen. Perfiderweise verkaufen die betreffenden Kollegen damit sowohl sich selbst als auch ihr eigenes Wissen und Können oft beträchtlich unter Wert. Um den Patienten möglichst dauerhaft an sich zu binden, glauben viele Zahnärzte zudem, diesem möglichst das komplette Leistungs- und apparative Spektrum anbieten zu müssen, und erlegen sich damit oft unnötigerweise zusätzlichen beruflichen und betriebswirtschaftlichen Stress auf. Durch die zunehmende Bedeutung der sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) hat sich zudem ein spürbarer Wertewandel vollzogen, welcher hochqualifizierte Akademiker allmählich zu Dienstleistern mutieren lässt und dem Selbstwertgefühl der wenigsten Kollegen zuträglich sein dürfte.
Zusätzliche Stresskatalysatoren
Erschwerend treten eine ganze Reihe weiterer komplexer Aufgaben des Praxisinhabers hinzu. Hierzu gehört vor allem die Organisation des täglichen betrieblichen Ablaufes inklusive der damit verbundenen Personalführung. Dabei können Probleme mit den Angestellten äußerst negative Konsequenzen und deren Ausfall – nicht zuletzt auf dem verwalterischen Sektor – erhebliche Mehrarbeit für den Zahnarzt zur Folge haben. Neben seiner Rolle als Arbeitgeber lastet mitunter auch durch die Ausbildung beruflichen Nachwuchses beziehungsweise fachlicher Assistenz eine hohe Verantwortung auf seinen Schultern. Darüber hinaus trägt er als selbstständiger Unternehmer die damit verbundenen ökonomischen Risiken in der Regel vollumfänglich allein. Nicht selten wirken durch zu tilgende Kredite, ausstehende Steuerzahlungen und anderweitige Verschuldung bedingte finanzielle Schwierigkeiten als weitere Stresskatalysatoren. Auch einkommensregulierende Instrumente (Abrechnungsbestimmungen, Budgets, Honorarverteilungsmaßstab, Wirtschaftlichkeitsprüfung und andere), gesetzliche und standespolitische Vorgaben (zum Beispiel gestiegene Hygienestandards, Qualitätsmanagement und Fortbildungspflicht) sowie andere stetig wechselnde Rahmenbedingungen sind geeignet, dem Praxisinhaber seinen beruflichen Alltag nachhaltig zu erschweren.
Eines der größten Ärgernisse ist und bleibt jedoch die häufig geradezu erdrückende Bürokratie, welche einen immer größer werdenden Raum innerhalb unseres beruflichen Tätigkeitsspektrums einnimmt und somit reichlich Zeit beansprucht, welche eigentlich sehr viel besser für die Patientenbetreuung oder aber die individuelle Regeneration genutzt werden könnte. Dazu kommt eine ganze Palette quasi hausgemachter Unfreiheiten, nicht zuletzt die selbst auferlegte Geißel permanenter Erreichbarkeit.
Der Zahnarzt muss also stets zwischen den Ansprüchen und Wünschen seiner Patienten, den Regularien und Forderungen von Politik, Krankenkassen und Standesvertretungen sowie betriebswirtschaftlichen Zwängen jonglieren, während er dabei ethisch-moralische Aspekte ebenso im Blick zu behalten hat. Nicht wenige drohen unter diesem permanenten Spagat psychisch zunehmend zerrieben zu werden und allmählich systematisch auszubrennen. Durch dauerhafte Stresssituationen ist inzwischen nahezu jeder Dritte diesbezüglich ernsthaft gefährdet, was unter den hierzulande behandelnd tätigen Kollegen der bemerkenswerten Quote von 22.000 Betroffenen entspricht. Dabei ist die Burnout-Gefahr vor allem für niedergelassene (Zahn-)Mediziner besonders hoch. Schließlich üben diese nicht nur einen der sogenannten Helferberufe aus, in dessen Mittelpunkt die Arbeit an beziehungsweise mit Menschen steht, sondern sind ebenso als Vorgesetzter, Arbeitgeber oder Ausbilder gefordert (s. o). Überdies lastet eine immense betriebswirtschaftliche Verantwortung auf ihren Schultern, sodass sie mehreren Risikogruppen parallel zugeordnet werden können.
Lesen Sie weiter:
Burnout bei Zahnärzten – Teil 2
Lesen Sie weiter:
Burnout bei Zahnärzten – Teil 3
Wenn Sie sich ausführlicher über diese Thematik informieren möchten, so verweisen wir auf das Fachbuch des Autors. Dies ist über unseren Spitta-Onlineshop erhältlich. |
Mehr zu diesem Thema
Literaturverzeichnis
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- Zulassungsverordnung für Vertragszahnärzte








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