Symposium

GSK-Symposium: Risikofaktoren für Periimplantitis – Therapie und Prophylaxe

Drucken Von Dagmar Kromer-Busch    aktualisiert am 17.01.2010

Das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK), u. a. Hersteller von Prophylaxeprodukten für die Zahnmedizin, lud im Rahmen des Deutschen Zahnärztetags 2009 am 07.11. zu einem Symposium unter dem Titel „Zahn versus Implantat – Revolution oder Evolution?“ ein. Thematisch kreisten die Vorträge der vier Referenten um Risikofaktoren für Implantationen, insbesondere für das Auftreten einer Periimplantitis, und Möglichkeiten der Prävention.

Spezielles Risiko für PAR-Patienten



Als Auftakt der Veranstaltung fand die Prämierung der drei besten Fotos des Fotowettbewerbs „Das klinische Bild der Erosion“ statt, der gemeinsam von GlaxoSmithKline und der Aktion zahnfreundlich e. V. veranstaltet worden war. Der erste Redner, Prof. Elmar Reich, Biberach, befasste sich mit den „Risikopatienten“ in der Implantologie. Laut diese trotz intensiver Recalls nicht vermieden werden, empfiehlt Prof. Reich ein mehrstufiges Vorgehen bei der Therapie. Wenn das Knochenniveau lediglich gehalten werden muss, reicht es aus, den Biofilm gründlich zu entfernen. Hierfür setzt Prof. Reich Metallscaler und Peak-Aufsätze ein; Kunststoffinstrumente haben sich in seiner Praxis nicht bewährt. Um dem Patienten die Reinigung zu erleichtern, beschleift er das Implantat in Fällen, in denen die Schraubenwindungen bis an die Suprakonstruktion heranreichen, um eine glatte Oberfläche zu erzeugen. Die zweite Stufe des Therapiekonzepts sieht eine Knochenregeneration vor. Die Augmentation erfolgt nach vorheriger Reinigung, wobei die Implantatoberfläche bei diesem Vorgehen nicht verändert werden darf.

Männer öfter zum Recall einbestellen



Auf die Frage „Was nützt mir die Epidemiologie?“ antwortete Prof. Thomas Kocher, Greifswald, in seinem Vortrag mit einer Fülle aufschlussreicher Zahlen. Das Zahlenmaterial aus der Dritten und Vierten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS III und IV) und der SHIP-0-Studie (Study of Health In Pomerania, Universität Greifswald) zeigt, welche Patienten in die Praxis kommen und mit welchen Risiken zu rechnen ist. Insofern können epidemiologische Daten dem Zahnarzt bei der Planung helfen. Wie Prof. Kocher erläuterte, kann der niedergelassene Zahnarzt mit relativ vielen jungen Patienten rechnen, die eine Einzelzahnlücke implantatprothetisch versorgen lassen möchten. Patienten mit verkürzten Zahnreihen werden dieses Anliegen seltener äußern, da die meisten von ihnen gar keine Versorgung anstreben. Die Erhebungen zeigen zudem einerseits einen stärkeren Wunsch der Patienten nach festsitzendem Zahnersatz; zum anderen aber auch, dass ein gewisser Teil der Bevölkerung sich keine Versorgung wünscht bzw. leisten kann. Die Schere wird in dieser Hinsicht wohl noch weiter auseinandergehen. Viele Faktoren, die Prof. Kocher abklopfte, sollte der Zahnarzt schon bei der Anamnese berücksichtigen. So stellte Prof. Kocher fest, dass Männer problematischere Implantatpatienten sind als Frauen und schlechtere Implantatüberlebensraten zeigen; sie sollten gegebenenfalls häufiger zum Recall einbestellt werden. Des Weiteren trügen Raucher auch noch 10 Jahre, nachdem sie das Rauchen eingestellt haben, ein erhöhtes Risiko. Daher sollte eine ausführliche Raucheranamnese erfolgen, die auch auf eine „Rauchervergangenheit“ eingeht. Eingehend müsse sich der Prof. Elmar Reich Prof. Reich laufen all jene Gefahr, eine Periimplantitis auszubilden, die bereits an Parodontitis erkrankt sind, da das Bakterienprofil der beiden Erkrankungen ähnlich ist. Aus diesem Grund müsse vor einer Implantation stets eine ausreichende Vorbehandlung erfolgen. Das für eine Parodontitis typische Bakterienprofil könne sich auch nach einiger Zeit erneut etablieren: so trügen auch zahnlose Patienten, die in der Vergangenheit unter Parodontitis gelitten hätten, ein hohes Risiko. Ebenso begünstigten eine unzureichende Mundhygiene und das Versäumen der Recalltermine das Auftreten einer Periimplantitis. Kann 864 Zahnarzt auch mit Diabetes mellitus befassen: Er sollte sich keinesfalls mit der Auskunft des Patienten „gut eingestellt“ zu sein, zufriedengeben. Nach seinen Erhebungen gebe es mehr schlecht eingestellte als gut versorgte Diabetespatienten, so Prof. Kocher. Eine Rücksprache mit dem Hausarzt sei die sicherere Option. Des Weiteren seien Medikamenteneinnahme und Parodontitis wichtige Planungsfaktoren, die erfragt werden müssten.

„Risiko Zahn?! Besser gleich das Implantat?“



An die Beschreibung ihres Vorredners Prof. Reich von Risikofaktoren für die Entwicklung einer Periimplantitis knüpfte Prof. Nicole Arweiler, Freiburg, an. Sie wies auf erschwerte Bedingungen der Mund- hygiene hin, wie tulpenförmige Konstruktionen von Implantat/Suprakonstruktion, und auf große Oberflächen mit zahlreichen Nischen, die eine adäquate Reinigung fast unmöglich machen. Gerade ältere Patienten, die in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt seien, könnten unter solchen Bedingungen Implantate nicht ausreichend säubern. In ihrem Vergleich Zahn und Parondontitis – Implantat und Periimplantitis wies die Referentin darauf hin, dass beide Erkrankungen durch einen supra- und subgingivalen Biofilm mit ähnlicher bakterieller Zusammensetzung ausgelöst werden und bei beiden die gleichen Entzündungsvorgänge ablaufen. Allerdings wanderten die Keime bei einer Periimplantitis aufgrund der anatomischen Unterschiede zwischen Zahn und Implantat schneller in Richtung Knochen. Das „abwehrschwache Narbengewebe“ um das Implantat habe den Erregern weniger entgegenzusetzen als der Zahnhalteapparat, sodass mit einer schnelleren Entwicklung der Erkrankung gerechnet werden müsse. Des Weiteren gab die Referentin Empfehlungen zu Diagnose und Therapie der Periimplantitis. Im Rahmen der Diagnostik sollte stets vorsichtig sondiert werden, wobei 3 Millimeter bis zur Schulter und 1,4 Millimeter bis zum Knochen als „gesunde Werte“ gelten können. Bleeding on Probing hingegen sei kein eindeutiger Indikator. Man könne lediglich davon ausgehen, dass weitere Diagnostik angezeigt sei, wenn eine Blutung festgestellt werde. Für die Therapie gab Prof. Arweiler ähnlich wie Prof. Reich eine gestaffelte Vorgehensweise an die Hand. Mit Bezug auf den Titel ihres Referats „Risiko Zahn?! Besser gleich das Implantat?“ sprach sich Prof. Arweiler dafür aus, auch unter schwierigen Bedingungen zunächst eine PAR-Therapie durchzuführen, wenn die Chance bestehe, einen Zahn zumindest über eine gewisse Zeit zu erhalten.

Prävention: Innenleben der Implantate mit CHX-Gel füllen



Prof. Jürgen Becker, Düsseldorf, befasste sich mit dem Einfluss von Implantatdesign, -werkstoffen und -oberflächen. Zu den glatten und rauen Implantatoberflächen haben sich in jüngster Zeit die ultrahydrophilen SLA und SLAactive Oberflächen (Straumann, Basel/Schweiz) gesellt. Wie Prof. Becker ausführte, zeichnen sich diese durch kurze Einheilzeiten aus. Bereits nach 14 Tagen sei ein 70%iger Kontakt zwischen Knochen und Implantat erreicht. Zudem sei es möglich, kleine Defekte bei Verwendung eines Implantats mit ultrahydrophiler Oberfläche bei gedeckter Einheilung ohne Augmentation auszuheilen, wie eine Studie an der Universitätsklinik Düsseldorf ergeben habe. Einem anderen „Newcomer“, dem Werkstoff Keramik, gab Prof. Becker keine guten Noten. Im Vergleich zum altbewährten Titan zeige Keramik keine klinisch relevanten Unterschiede, etwa hinsichtlich der Gewebeanlagerung. Indizien sprächen sogar dafür, dass der sehr glatte Werkstoff die Osseointegration erschwere. Hinsichtlich des Implantatdesigns sprach der Referent zwei Punkte an: das Problem des Mikrospalts und den Trend des Platform Switchings. Der Mikrospalt ist ein Problem, das alle zweiteiligen Implantatsysteme teilen, wie eine Düsseldorfer Studie zeigte. Prof. Becker erläuterte, dass unter Belastung immer ein Spalt entstehe, der die Ansiedelung von Bakterien im Inneren der Implantate ermögliche. Daher sei es ratsam, das „Innenleben“ der Implantate mit Chlorhexidin-Gel auszufüllen, was in der Universitätsklinik Düsseldorf sowohl beim Einsatz von Gingivaformern als auch vor dem Einsetzen des Abutments üblich sei. Platform Switching als eine neue Tendenz beim Implantatdesign habe zwar einerseits enttäuscht – so sei keine statistisch relevante Reduktion der Knochenresorption zu erkennen. Andererseits habe man festgestellt, dass das innere Saumepithel wesentlich weniger stark nach innen wandere, sodass das Weichgewebsmanagement durch Plattform Switching verbessert werde. Abschließend fand eine rege Diskussion statt, bei der u. a. die Wahl der Instrumente bei der Periimplantitis- Therapie und Fragen der Hygiene thematisiert wurden.

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Dagmar Kromer-Busch

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