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ZMK-aktuell – der Newsletter
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DruckenDer 17. Deutsche Kongress für Präventive Zahnheilkunde – auch bekannt als blend-a-med-Kongress – fand dieses Jahr hoch im Norden Deutschlands in entspannter Atmosphäre direkt am Meer im Kieler Maritim Hotel statt. Das Leitthema war die parodontale Langzeitbetreuung unter dem Motto „Ausdauer zahlt sich aus“.

Abb. 1: Anhand dieser Grafik zeigte Prof. Dr. A. Lussi die Problematik der verstärkt zunehmenden Erosionen auf.
Mechanische Biofilmentfernung sichert Therapieerfolg
Dr. Anton Mayr, Prophylaxereferent der Tiroler Zahnärztekammer, referierte über die „Maschinelle Bearbeitung der Wurzeloberflächen: Wie? Womit? Wann? Wie oft?“ Dieser Vortrag gab eine Übersicht der verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten von Neuem und Bewährtem in der Parodontitistherapie. Der Referent wies besonders darauf hin, dass eine Infektion mit pathogenen Mikroorganismen des Biofilms eine wesentliche Grundlage für die Entstehung und das Fortschreiten parodontaler Erkrankungen sei. Problematisch hierbei sei, dass Mikroorganismen eine Resistenz gegen die körpereigene Immunabwehr und antimikrobielle Agenzien zeigten. Nur durch die mechanische Zerstörung des Biofilms sei ein langfristiger Therapieerfolg garantiert. Durch den Einsatz von Hightech-Geräten und grazilsten US-Spitzen werde die Paro-Behandlung minimalinvasiv. Dies wurde durch ein mit einer Highspeed-Kamera aufgenommenes Video verdeutlicht, welches die einzelnen Bewegungen der ultraschallbetriebenen Aufsätze für die Plaqueentfernung veranschaulichte.
Dogma des Zähneputzen-Zeitpunktes entschärft
Prof. Dr. Adrian Lussi – Direktor der Klinik für Zahnerhaltung, Präventiv- und Kinderzahnmedizin der Universität Bern – knüpfte mit seinem Thema über oberflächlichen Zahnhartsubstanzverlust ohne Mitwirkung von Mikroorganismen an: „Erosionen und keilförmige Defekte – die neuen Seuchen?“ (Abb. 1). Er zeigte hiermit eine neue medizinische Problematik auf, die verstärkt auf die Behandler zukommt. Vermehrt werden Erosionen der Zähne durch häufige Zahnreinigung mit zum Teil abrasiven Zahnpasten, verändertes Ernährungsverhalten sowie körpereigene Säureexposition, z. B. durch chronische Magen-Darm-Störungen oder durch Erbrechen beobachtet. Vor allem Jugendliche kämen häufiger mit dieser Problematik in Behandlung. Oft seien es junge Frauen, die an Anorexia oder Bulimia nervosa leiden. Es sei wichtig, Erosionen von keilförmigen Defekten zu unterscheiden, weil die initiale Therapie – d.h. die Prävention weiterer Progression – verschieden ist. Die Therapie kann einfache Versiegelungen bis komplexe Rekonstruktionen umfassen. Eine weitere interessante Erkenntnis gaben Studien, welche belegten, dass der Zahnschmelz auch 24 Stunden nach säurehaltigen Mahlzeiten erweicht ist. Diese Erkenntnis führt dazu, dass man den Patienten wieder raten sollte, direkt nach dem Essen zu putzen, um somit die kariogenen Faktoren gleich zu beseitigen. Das Dogma des „halbstündigen Wartens nach dem Essen, bevor man Zähne putzen soll“ scheint somit abgeschafft.
Wurzelkaries auf dem Vormarsch
Das diesjährige Referatthema von Prof. Dr. Johannes Einwag aus Stuttgart lautete „Wurzelkaries: Das unterschätzte Risiko!“. Laut Studien werde die Zahl der Betroffenen – vor allem in Europa – in den nächsten Jahren stärker ansteigen, da besonders der Anteil der Menschen über 60 Jahre wächst. Diese Altersgruppe besitzt mehr Zähne im Vergleich zu den Menschen derselben Altersgruppe als vor zehn Jahren. Gerade die Mehrzahl an Zähnen sei ein Herd für Zahnkaries auf Wurzeloberflächen. Besonders der Attachmentverlust bei älteren Patienten, kombiniert mit einer im Alter schlechter werdenden motorischen Geschicklichkeit, führe zu einer vermehrten Plaqueakkumulation. Die Folge ist, dass die Mikroorganismen einfacher das Wurzeldentin penetrieren können und somit das klinische Bild einer Karies hervorrufen. Hier müsse der Behandler aktiv eingreifen. Ein Konzept müsse mit seinem Patienten erarbeitetet werden, das die Erhaltung einer gesunden Wurzeloberfläche mittels mechanischer und chemischer Prävention sicherstellt und damit die Bildung eines oberflächlichen Biofilms verhindert.
Medikamentöse Immunregulation versus erprobte Therapieansätze
Abschließend wurde ein neuer Therapieansatz von Prof. Dr. Christof Dörfer von der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel vorgestellt. In seinem Vortrag: „Manipulation des Immunsystems: Chancen, Risiken, Limitationen“ hob er hervor, dass der eigentliche Abbau des Zahnhalteapparates die direkte Folge der Abwehrreaktionen des Körpers auf den mikrobiellen Biofilm sei. Aggressive Parodontitisverläufe würden daher möglicherweise auf eine der tatsächlichen bakteriellen Belastung nicht angemessene, überschießende Abwehrreaktion zurückgeführt. Allerdings zeige sich auch hier, dass innerhalb des Immunsystems Regulationsmechanismen bestünden, die nach heutigem Verständnis die Effekte einzelner Faktoren, wie z. B. genetischer Varianten, weitgehend kompensieren könnten. Es gebe zwar Ansätze, Parodontitis mit immunmodulatorisch wirksamen Medikamenten anzugehen, der therapeutische Nutzen sei derzeit allerdings nicht eindeutig geklärt. Solange die Kenntnislage eine gezielte Identifikation der ursächlichen Erkrankungsmechanismen sowohl auf mikrobieller als auch auf immunologischer Seite für den individuellen Patienten nicht zulasse, seien daher die erprobten Therapieansätze der mechanischen Reinigung – sowohl durch das zahnärztliche Team als auch durch den Patienten selbst – sowie der Verzicht auf Nikotinkonsum nach wie vor die Mittel der Wahl. Der Kongress zeigte, dass der Biofilm das langfristig zu beseitigende Problem in der Parodontitistherapie ist. Neue Therapieansätze entwickeln sich laufend. Eine moderne Technik bietet ein immer größeres Potenzial zur Behandlung. Und es wurde klar: Auch kleine Erfolge – über einen längeren Zeitraum zusammengefasst – zahlen sich am Ende aus.





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