ZMK-aktuell – der Newsletter
Alle 14 Tage die aktuellsten Meldungen, Tipps und Trends aus der Zahnheilkunde in Ihre Mailbox. >>Jetzt kostenlos abonnierenFortbildung: Einsatz und Nutzen molekularbiologischer Tests
DruckenUnter dem Titel „Parodontitis und Periimplantitis – rechtzeitig erkennen und erfolgreich therapieren“ lud das Unternehmen Hain Lifescience am 23. Juli 2011 zu einer Fortbildungsveranstaltung in die eigenen Räumlichkeiten nach Nehren bei Tübingen ein.

Aufmerksam verfolgten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen den Ausführungen der Referenten.
Trotz hochsommerlichen Temperaturen und reichlich Sonnenschein folgten 118 Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Einladung des Unternehmens Hain Lifescience. Bei dieser Fortbildungsveranstaltung konnten nicht nur Praxiswissen erworben und Kenntnisse aufgefrischt, sondern auch CMEPunkte generiert werden. Geschäftsführer Tobias Hain brachte in seinen Begrüßungsworten zum Ausdruck, was ihm besonders wichtig ist: dass die Zahnärzte nicht nur umfassend über den optimalen Einsatz und Nutzen von molekularbiologischen Tests informiert werden, sondern dass diese Tests auch sinnvoll in den Praxisalltag eingegliedert werden. Die Firmenhistorie von Hain Lifescience liest sich wie folgt: Im Jahr 1986 haben die Brüder David und Tobias ihr Unternehmen als medizinischdiagnostischer Versandhandel gestartet. Heute nun entwickelt und produziert das Unternehmen mit mehr als 95 Mitarbeitern molekularbiologische Diagnostiksysteme und vertreibt diese in mehr als 50 Länder. Die stetig wachsende Belegschaft und der im Jahr 2007 fertig gestellte Neubau eines dreistöckigen Büro- und Laborgebäudes spiegeln die wichtige Bedeutung der Testsysteme für die Medizin und Zahnmedizin wider. Für die mikrobiologische und humangenetische Untersuchung in der Parodontologie und der Implantologie stehen den Zahnärzten der micro-IDent® und micro-IDent®plus sowie der GenoType ® IL-1 zur Verfügung. Der Vortrag von Frau Dr. Sylke Dombrowa, Mikro- und Molekularbiologin bei Hain Lifescience, widmete sich dem Thema „Diagnostik in der PARTherapie – was, warum, wann, wie und wen?“. Sie kam zunächst auf die Ätiologie der Parodontitis zu sprechen. Die Infektionskrankheit hat multifaktoriellen Charakter und kann auf erworbene Riskofaktoren, wie z. B. schlechte Mundhygiene, Rauchen, Stress oder systemische Erkrankungen zurückzuführen sein, aber auch einen genetischen Hintergrund haben. Um eine kausale Therapie einzuleiten, müssen insbesondere die individuell vorhandenen PA-Keime identifiziert werden. Die Referentin sprach hierbei von „Bakterien-Komplexen“, die jeder Zahnarzt kennen sollte und erläuterte diese anhand der Komplextheorie nach Socransky et al. (1998). Demzufolge sind neben dem Leitkeim Aggregatibacter actinomycetemcomitans die Keime des Roten, Orangen, Orange-assoziierten und des Grünen Komplexes für die Entstehung und das Fortschreiten der Parodontitis verantwortlich. Vor allem die Keime des Roten Komplexes (Porphyromonas gingivalis, Tannerella forsythia, Treponema denticola) sowie Aggregatibacter actinomycetemcomitans gelten als stark pathogen und werden für die Zerstörung des parodontalen Weich- und Knochengewebes ursächlich verantwortlich gemacht. Sie erläuterte, dass mithilfe des micro-IDent®- bzw. des micro-IDent®plus-Testes eine genaue Analyse von 5 bzw. 11 Markerkeimen und deren Zugehörigkeit zu den Bakterienkomplexen möglich ist. In Abhängigkeit vom klinischen Bild kann zwischen verschiedenen Analyseformen gewählt werden (Pool-Probe oder Einzelstellenanalysen). Die Zusammensetzung und Höhe der Bakterienbelastung, sprich das Testergebnis, das nach 2 Tagen vorliege, sei dann die Grundlage für eine gezielte Therapie, die mechanische Therapieformen und ggf. adjuvante Antibiotikagaben umfasst. Darüber hinaus ermögliche die Testung auch die Festlegung eines sinnvollen Recalls, eine sichere Dokumentation des Behandlungserfolges und diene darüber hinaus zur Partnerbehandlung, da die Erkrankung übertragbar ist. Wie wichtig eine mikrobiologische Untersuchung ist, so die Referentin weiter, haben auch namhafte Parodontologen (U. Schlagenhauf, N. Arweiler, T. Flemmig und A. Mombelli) in einem wissenschaftliches Konsensuspaper festgehalten, welches den Stellenwert der mikrobiologischen Diagnostik in der Therapie von Parodontalerkrankungen sowie im Rahmen der Implantologie vor geplanten Sanierungen und zur Therapie periimplantärer Infektionen bestätigt1. Auch die DGP/DGZMK fordere in ihrer wissenschaftlichen Stellungnahme zum Einsatz adjuvanter Antibiotika in der Therapie parodontaler Erkrankungen eine mikrobiologische Analyse der subgingivalen Plaque2.
Bedeutung eines analysierten Keimspektrums
Eine von Hain Lifescience durchgeführte Untersuchung von knapp 170.000 Patientenproben mit dem micro-IDent®-Test mache deutlich, welchen Stellenwert die Bestimmung des subgingivalen Keimspektrums als Grundlage für eine diagnostisch fundierte, adjuvante Antibiotikatherapie in der Behandlung parodontaler Erkrankungen einnimmt. In der angeführten Untersuchung würden nur 1,26% der geprüften Fälle von einer Behandlung mit Amoxicillin profitieren, während für den überwiegenden Teil der Probanden (68,59%) eine adjunktive Behandlung mit Metronidazol die Therapie der Wahl wäre. Das Argument der prophylaktischen Verordnung des „Winkelhoff-Cocktails“ aus Metronidazol und Amoxicillin – wie teilweise noch praktiziert – sei mit dieser Statistik widerlegt. Diese Kombinationstherapie sei, laut den Ergebnissen, tatsächlich nur in 23,67% der ausgewerteten Fälle indiziert. Bei einer mikrobiologisch nicht abgesicherten, empirischen Verordnung des Winkelhoff-Cocktails wären demnach 76,33%, sprich 129.392 von 169.512 Patienten überbehandelt worden3.
Ermittlung individueller Entzündungsneigung
In den weiteren Ausführungen kam die Referentin auch auf die Notwendigkeit einer genetischen Risikobestimmung mit dem GenoType® IL-1 zu sprechen, da bei Patienten mit erblich bedingt erhöhter Entzündungsneigung die Erkrankung schneller voranschreite. Mit dem Test werde der Risikotyp (A-D) genau definiert und könne somit individuell berücksichtigt werden. Die Testung sei auf jeden Fall auch vor Implantationen indiziert, vor allem bei Rauchern und bei ungewöhnlichem Verlauf einer PA-Therapie. Sie persönlich rate auch dazu, bei erblicher Entzündungsneigung die Kinder zu testen, um einer drohenden Erkrankung frühzeitig vorzubeugen. In ihrem Fazit hielt die Referentin fest, dass die Kombination aus mechanischer Plaqueentfernung und adjuvanter Antibiotikatherapie ein wichtiges und effizientes Werkzeug in der Parodontaltherapie darstelle.
Nicht ohne meinen Laser
Prof. Dr. Herbert Deppe beschrieb die Periimplantitis in seinem Vortrag „Diagnostik und Therapie periimplantärer Infektionen“ als eine entzündliche Veränderung der periimplantären Weich- und Hartgewebe, die den Implantaterfolg gefährden. Eigentlich könnte man heute weitgehend vorher wissen, wer von den implantologisch zu versorgenden Patienten ein Periimplantitis-Risiko habe, meinte Prof. Deppe. Genetisch seien potenzielle Periimplantitis-Patienten anhand von Interleukin-1-Prozessen zu identifizieren, die sich von denen bei Parodontitis unterscheiden und formulierte es bildhaft mit dem Satz: „Bei der Parodontitis klemmt biologisch das Gaspedal, bei der Periimplantitis die Bremse“. Ein Patient mit Parodontitis entwickle also nicht automatisch auch eine Periimplantitis. Die Frage sei jedoch, so Prof. Deppe weiter, ob der Patient sein genetisches Risiko vorher wissen will – und auch, ob eine Intervention bei genetischer Disposition überhaupt Sinn mache, was er selbst unbedingt bejahte. Allerdings gebe es auch Faktoren, wie insbesondere den Nikotinkonsum, die unabhängig von der Genetik erheblichen Einfluss auf den implantologischen Behandlungserfolg hätten. Ein Alarmsignal für den Behandler müsse eine mit der Zeit zunehmende Sondierungstiefe sein. Selbstverständlich dürfe man bzw. solle man sondieren – dabei werde weder ein Keimschub in die Tiefe ausgelöst noch das Attachment gestört. Dabei sei die Taschentiefe an sich noch kein Beleg für eine Periimplantitis, hier sei eine gezielte ergänzende Diagnostik notwendig. Hinsichtlich der Therapie empfahl er eine frühzeitige, aufgrund der vergleichsweise gut vorhersagbaren Erfolge vor allem chirurgische Intervention. Das Ziel sei die Infektionskontrolle. Ebenfalls so früh wie möglich sollten regenerative, auf die Form des Defektes ausgerichtete Verfahren eingesetzt werden. In den Fällen, in denen man sich bei der Infektionskontrolle mit konventionellen Verfahren schwer tue, zeigten die heutigen Lasersysteme deutliche Vorteile, insbesondere bei Dekontaminierung in der Tiefe. Zusammen mit Augmentationsverfahren seien so gute Ergebnisse erreichbar. Er selbst mache in seiner Praxis „ohne Laser nichts mehr“, resümierte Prof. Deppe, und ermutigte die Zuhörer, ein Implantat nicht gleich aufzugeben.
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Weitere Informationen
Für weitere Informationen zur der o. g. Markerkeimdiagnostik, deren Handhabung und Procedere sowie zu weiteren Fortbildungsveranstaltungen des Unternehmens sei hier auf die Website www.micro-ident.de verwiesen.
ZMK | Jg. 27 | Ausgabe 7-8 _ Juli/August 2011
Literaturverzeichnis
1 ZWR – Das Deutsche Zahnärzteblatt 2010, 119 (5): 254-258.
2 T. Beikler, H. Karch, T.F. Flemmig, Münster Quelle: DZZ (2003) Gemeinsame Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten (DGZMK) und der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP).
3 S. Dombrowa: Fundierte therapeutische Konsequenz durch Bestimmen der kausalen Keime. DZW Spezial 2007; 6:21-24.








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