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Hals-Nasen-Ohren-ärztliche Aspekte der Halitosis – Teil 2
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Abb. 6 a): Hypopharynxkarzinom links.
Beiträge zum Thema
Erkrankungen der Nase/Nasennebenhöhlen und Halitosis
Zu den häufigsten extraoralen Ursachen von Halitosis gehören Erkrankungen der Nase und der Nasennebenhöhlen7. Neben Mundgeruch gibt es auch Geruchserscheinungen, die aus der Nase austreten. Diese stammen meist aus
bakteriell besiedelten Sekreteintrocknungen in der Nase, wie sie bei bestimmten Formen der chronischen Rhinosinusitis, bei Defekten nach Operationen oder Bestrahlungen vorkommen. Störungen der physiologischen Nasenatmung aufgrund von anatomischen Engstellen durch Nasenscheidewandverkrümmungen oder Schwellkörpervergrößerungen verstärken einen oralen Mundgeruch, da offensichtlich die bakterielle Besiedelung auf der Zunge und den Tonsillen begünstigt wird. Eine weitere Quelle von Halitosis ist entzündliches Nasensekret, welches als typisches Begleitsymptom einer Rhinosinusitis über den Nasenrachen abfließt8. Dabei kann die Art des Sekretes sehr unterschiedlich sein. Spezielle und hohe Bakterienkonzentrationen begünstigen verständlicherweise die Präsenz des Mundgeruchs. Das klinische Bild der Rhinosinusitis ist auch nicht einheitlich. Neben den akuten Entzündungen, die meist symptomlos ausheilen, kommen sehr variabel ausgeprägte Formen der chronischen Rhinosinusitis vor. Eine isolierte Kieferhöhlenentzündung, wie sie auch als dentogen bedingt vorkommen kann, erzeugt ein eitrig-fötides Sekret mit entsprechendem Geruch in der Nase, aber auch intraoral. Eine polypöse Rhinosinusitis geht häufig mit einer Staphylokokken-Besiedelung einher (Abb. 7). Entsprechend different sind die Geruchssensationen. Entscheidend für das Problem der Halitosis scheint aber die mit der jeweiligen Entzündungsvariante einhergehende Sekretsituation zu sein. Eintrocknungen und zähflüssige Sekrete sind dabei halitosisbegünstigende Faktoren (Abb. 8). Ein großer Teil der chronischen Rhinosinusitiden ist auch mit einer Riechstörung für den Betroffenen verbunden, sodass häufig das begleitende Geruchsproblem in der Nase und in der Mundhöhle selbst nicht wahrgenommen wird.
Die Therapie der chronischen Rhinosinusitis und damit auch die Mitbehandlung der Halitosis-Problematik können durch konservative Maßnahmen erfolgen. Neben gezielter antibiotischer Therapie und der Anwendung kortisonhaltiger Nasensprays steht die gezielte Reinigung der Nasenhöhle durch Salzwasserspülungen als Behandlungsoption im Vordergrund. Die damit verbundene Schleimhautpflege trägt erheblich zur Verbesserung der Keimflora bei und kann die geruchsbildenden Sekrete und Krusten deutlich reduzieren. Bei persistierender Symptomatik und frustranen konservativen Therapiemaßnahmen ist eine chirurgische Therapie mit einer Optimierung der Belüftungs- und Drainagewege sowie der Sanierung entzündlicher Herde angezeigt. Nach einer derartigen Therapie ist das entzündungsbedingte Halitosis-Problem nicht sofort überwunden. Durch natürliche Wundheilungsphänomene kommt es zur Bildung und Ansammlung von Biofilmen in der Nase, welche sowohl einen nasalen Geruch wie auch einen deutlichen Mundgeruch entwickeln. Dieser Umstand sollte beachtet werden, um den Betroffenen richtig beraten zu können und unnötige Behandlungen zu vermeiden.
Bei Kindern sind chronische Rhinosinusitiden selten. Wird eine einseitige Symptomatik beobachtet, muss zunächst ein Fremdkörper in der Nase ausgeschlossen werden.
Xerostomie – ebenfalls ein HNOProblem und Halitosisursache
In der Hals-Nasen-Ohren-ärztlichen Praxis wird das Symptom Xerostomiehäufig berichtet. Ältere Menschen sind dabei vergleichsweise sehr viel häufiger betroffen. Oft geht das beklagte Zeichen mit dem Symptom Zungenbrennen einher. Üblicherweise besteht dabei immer auch eine Halitosis.
Im Wesentlichen sind drei Hauptgründe für eine Xerostomie verantwortlich. An erster Stelle stehen unerwünschte Arzneimittelreaktionen. Medikamente mit anticholinerger Wirkung erzeugen oftmals eine Mundtrockenheit. Zu dieser Medikamentengruppe zählen blutdrucksenkende und kardial wirkende Präparate. Diese Medikamente sind bekanntermaßen bei älteren Menschen wegen der größeren Prävalenz von Herz-Kreislauf-Krankheiten im Einsatz.
Sehr deutlich muss darauf verwiesen werden, dass nach Radiotherapie wegen bösartiger Tumorerkrankungen im Kopf-Hals Bereich als Nebeneffekt regelmäßig eine Xerostomie infolge der Zerstörung von Speicheldrüsengewebe auftritt. Diese Nebenwirkung der Behandlung ist irreversibel, nur in wenigen Fällen kommt es zum Wiedereinsetzen einer annähernd ausreichenden Speichelproduktion. Die Xerostomie-Phase ist aber immer sehr lang anhaltend. Der wichtigste Faktor zur Vermeidung besteht in einer modernen Bestrahlungsplanung und dem Versuch, die Drüsenparenchymanteile von den Bestrahlungsfeldern auszusparen.
Zu einer Umwandlung von Speicheldrüsengewebe kommt es auch bei der B-Zell-Autoimmunerkrankung Morbus Sjögren. Diese geht mit einer polyklonalen Hypergammaglobulinämie und einem erhöhtem Risiko für die Ausbildung eines MALT-Lymphoms (18,9 %) einher. Auffällig sind häufig diffuse, meist teigige Schwellungen der Ohrspeicheldrüsen. Eine ausgeprägte Xerostomie ist bei dieser Erkrankung immer vorhanden, eine Halitosis tritt dabei regelmäßig auf.
Die therapeutische Strategie bei einer Xerostomie und damit auch bei der begleitenden Halitosis besteht in erster Linie in der Gabe von Speichelersatzstoffen zur Schleimhautanfeuchtung. Die Erfahrungen zeigen, dass derzeit nur eine teilweise Verbesserung der Situation erreicht werden kann und viele künstliche Speichelstoffe die Erwartungen nicht erfüllen Weiterhin kann eine Stimulation der Speichelsekretionsrate durch die Gabe von Pilocarpin versucht werden. Aber auch damit lässt sich nur in wenigen Fällen eine ausreichende klinische Verbesserung erzielen. Die therapeutische notwendige Dosierung kann in vielen Fällen wegen der auftretenden Nebenwirkungen nicht erreicht werden9. Neuere Therapieansätze zeichnen sich mit Muskarinantagonisten (Cevilemin, Evoxac®, derzeit nur in USA erhältlich) und Physiostigmin ab10.
Fazit für die Praxis
Halitosis und Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich stehen in häufigem Zusammenhang. Halitosis kann zuweilen auch als Früh- oder Leitsymptom von Erkrankungen bewertet werden. In einer Reihe von Fällen kann Halitosis ein Indikator zur Entscheidung für eine operative Therapie sein. Bei diagnostischer Beurteilung und Behandlung von Halitosis sollten Zahnärzte und andere ärztliche Kollegen eine HNO-ärztliche Untersuchung anstreben. Eine detaillierte Symptomerfassung und -bewertung ist aufgrund der Vielfalt möglicher extraoraler Ursachen mindestens erforderlich.
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