ZMK-aktuell – der Newsletter
Alle 14 Tage die aktuellsten Meldungen, Tipps und Trends aus der Zahnheilkunde in Ihre Mailbox. >>Jetzt kostenlos abonnieren4. Funktionsforum in Hannover
Drucken„Funktion an die Leine legen“ – mit diesen Worten und damit Bezug nehmend auf den Veranstaltungsort Hannover eröffnete Karsten Winkler (Geschäftsführer der Gesellschaft für Funktionsdiagnostik) das 4. Funktionsforum für Zahnärzte und Zahntechniker im Radisson BLU Hotel. Rund 180 Teilnehmer folgten der gemeinsamen Einladung der Gesellschaft für Funktionsdiagnostik, der DIR® System mbH & Co. KG und des FUNDAMENTAL® Schulungszentrums zum Tagessymposium am 17. September unter dem Motto „Funktion und innovative Behandlungsmethoden“. Bereits am Freitag nutzten 40 interessierte Zahnärzte die Gelegenheit zur Teilnahme an zwei DIR® Anwenderworkshops.

Das wissenschaftliche Programm unter der Leitung von Dr. med. dent. Sabine Linsen (Oberärztin Uniklinik Bonn) und Klaus Osten (Geschäftsleitung FUNDAMENTAL®) stand ganz im Zeichen der CMD-Diagnostik und -Therapie im komplexen Zusammenhang mit anderen Krankheitssymptomen.
Jan Moecke, Firma Straumann, stellte in seinem Vortrag „Die digitale Abdrucknahme – die Zukunft ist heute!“ den Intraoralscanner Cadent i Tero vor und ging auf die Vorteile der digitalen Abformung gegenüber der konventionellen ein. Das puderfreie System basiert auf dem Prinzip der parallelen konfokalen Bildgebung, bei dem Laserlicht auf die Oberflächen der Zähne und die Gingiva projiziert wird und diese Strukturen dann durch optische Abtastung digitalisiert werden. Schon während der Abformung wird das Scanergebnis auf dem Bildschirm dargestellt und ermöglicht somit eine Sofortkontrolle und eventuelle Korrekturen. Für den Patienten entfallen mögliche Folgetermine und der insgesamt angenehmere und verbesserte Gesamtablauf bei der Erstellung der prothetischen Versorgung bringt eine beträchtliche Zeit- und Kostenersparnis.
Mit manueller und instrumenteller Diagnostik zum Behandlungserfolg
Dr. med. dent. Peter Blattner aus Remscheid beschrieb in seinem Beitrag „Patientenvorstellung vs. Behandlervorstellung“ die Unterschiede in der Erwartungshaltung und hob insbesondere die Sonderstellung des CMD-Patienten hervor. Der kritische und gut informierte Betroffene sucht nach oft jahrelang andauernder erfolgloser Therapie-Odyssee aufgrund von Schmerzen, Problemen der Ästhetik und Funktionseinschränkungen die Praxis auf. Der Behandler wird vor eine extrem komplexe und zeitintensive Aufgabe gestellt, bei der die Schmerzausschaltung nicht zeitnah und die Therapie erst nach aufwendiger Diagnostik erfolgt. Dass sich diese Anstrengung am Ende dennoch lohnt, bestätigte Frau Dr. med. dent. Farina Blattner aus Remscheid und konnte mit „Behandlungserfolg mit Sicherheit – das DIR® System als ein Praxiskonzept“ thematisch an den Vortrag ihres Mannes anknüpfen. Sie stellte die gewonnene (Selbst-)Sicherheit des Behandlers durch die Arbeit mit dem DIR® System in den Vordergrund. Der Praxisalltag im Umgang mit CMD-Patienten erfordert ein strukturiertes Konzept mit genau festgelegter Arbeitsabfolge. Zahnärztlicher Funktionscheck, manuelle Funktionsanalyse und instrumentelle Diagnostik bilden ein schlüssiges Gesamtkonzept auf dem Weg zum therapeutischen Erfolg.
Frau Dr. med. dent. Sabine Linsen, Uniklinik Bonn, gab ein aktuelles Update zur manuellen und bildgebenden Diagnostik. Sie verwies auf den bereits von ihrer Vorrednerin Frau Dr. Blattner ausführlich besprochenen Befundbogen, der aufgrund seines Aufbaus dem Zahnarzt die manuelle Untersuchung erleichtert. Das Handling bei der Befundung des Kiefergelenkes und der Muskulatur ist anhand von Bildern genau beschrieben und führt somit zu einer sicheren Diagnose. Zu den bildgebenden Verfahren gehören das Orthopantomogramm (OPG), die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT). Bei der Kiefergelenksdiagnostik ist das MRT Mittel der Wahl. Die Vorteile der Funktionsdiagnostik mithilfe des DIR® Systems wurden ein weiteres Mal von Dr. med. dent. Thomas Perkhuhn aus Kiel eindrücklich unter Beweis gestellt. Anhand von Patientenbildern dokumentierte er den Behandlungsverlauf von der Erstabformung bis hin zur Fertigstellung und präsentierte abschließend einen zufriedenen Totalprothesenträger, der nach jahrelanger Abstinenz wieder kraftvoll in einen Apfel beißen konnte.
Auswirkungen der Schienentherapie
Prof. Dr. med. dent. Bernd Kordaß, Universität Greifswald, referierte zum Thema „Neue Gesichtspunkte der Okklusion und Okklusionstherapie“ und zeigte am Beispiel eines jungen Patienten mit Muskelund Gelenkschmerzen die neurozerebralen Auswirkungen einer Schienentherapie auf. Vor und nach 14-tägiger Tragezeit wurden okklusale Tap-Tap- Bewegungen mit und ohne Schiene induziert und mit dem Verfahren einer funktionellen MRT aufgezeichnet. Die Auswertung ergab eine Veränderung der Feinkoordination und eine signifikante Reduktion der Signalaktivität im Bereich der Schmerzverarbeitung, was den schmerztherapeutischen Effekt einer Schienentherapie bestätigt. Somit könnte die Wirkungsweise der Aufbissschiene als eine Art Trainingsgerät zur Optimierung der Bisskoordination und zur Veränderung der Bisswahrnehmung verstanden werden.
Zukunftstrend Digital Dentistry
Das Nachmittagsprogramm der Veranstaltung eröffnete ZTM Josef Schweiger aus München mit seinem Vortrag „Digital Dentistry – innovative Behandlungskonzepte mittels CAD/CAM-Technik“. Er ging zunächst kurz auf die Grundlagen der CAD/CAM-Technik ein und erläuterte anschließend anhand von zwei Patientenfällen die möglichen Indikationsgebiete der Digital Dentistry. Im ersten Fall erfolgte in einem stark abradierten Gebiss die Rehabilitation der ursprünglichen vertikalen Kieferrelation mittels Schienentherapie, das zweite Beispiel zeigte die Möglichkeit einer komplexen Restauration bei ausgeprägtem Zahnhartsubstanzdefekt. In beiden Fällen wurde vor der definitiven Versorgung für ca. ein halbes Jahr ein CAD/CAM-gefertigtes Langzeitprovisorium eingesetzt. Als Fazit der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung in der Zahnmedizin stellte ZT Schweiger fest, dass eine intensive Beschäftigung mit der CAD/CAM-Technologie und eine konsequente sowie regelmäßige Schulung der Mitarbeiter um ein Vielfaches wichtiger sei, als das beste und neueste System zu besitzen, denn auch das nütze einem nichts, wenn man es nicht bedienen könne.
Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit
Dr. med. Felix J. Saha, Oberarzt Kliniken Essen-Mitte, beschrieb die Auswirkung einer Bisskorrektur auf die Schmerzintensität und die Körperstatik bei Patienten mit chronischen Kopfschmerzen. Die allgemeine Regulationsfähigkeit des Patienten entscheidet darüber, ob eine innere Störung wie z. B. CMD symptomatisch wird und sich nach längerer Zeit zu einer Krankheit entwickelt. Die zahlreichen und völlig unterschiedlichen Symptome, die mittlerweile ursächlich mit einer CMD in Verbindung gebracht werden, erfordern eine aufeinander abgestimmte interdisziplinäre Zusammenarbeit, um einen dauerhaften Therapieerfolg zu erzielen. Die aktuellen Ergebnisse einer laufenden Pilotstudie zur Wirksamkeit der DIR® Schiene bestätigen die Schmerzreduktion bei Patienten mit chronischen Kopfschmerzen. Darüber hinaus hat die Schienentherapie einen Einfluss auf die Körperstatik im Sinne einer Veränderung der Körperachse und trägt zum Ausgleich einer bestehenden Differenz der Fußbelastung bei. Peter Schulz, Physiotherapeut aus Essen, konnte unter dem Motto „Zahnmedizin meets Physiotherapie – vom Dialog zur Netzwerkmedizin“ an den Vortrag seines Vorredners anknüpfen. Er verglich den CMD-Patienten mit einem Pilger, bei dem jedoch nicht der Weg, sondern das Ziel, nämlich die Optimalversorgung, im Fokus stände. Die Komplexität der Symptome, die mit einer Kiefergelenksdysfunktion in Verbindung gebracht werden, macht ein interdisziplinäres therapeutisches Netzwerk aus Kooperationspartnern unterschiedlicher Fachrichtungen für eine richtige Diagnosestellung unerlässlich.
Fazit
„Sieger erkennt man am Start – Verlierer auch.“ Mit diesen Worten schloss ZTM Wolfgang Arnold aus Essen seinen Vortrag zum Thema „Gesund mit DIR® – funktionierende Partner schaffen“ ab und brachte damit zugleich das Fazit einer gelungenen Veranstaltung auf den Punkt. Nur eine funktionierende interdisziplinäre Partnerschaft zwischen Zahnärzten, Ärzten verschiedener Fachrichtungen, Zahntechnikern und Physiotherapeuten, bei der es auf Präzision und Konzentration ankommt, kann zu einem Therapieerfolg führen. Die wiederholt große Resonanz, auch zu den nicht hier nicht näher besprochenen Beiträgen von ZTM Oliver Heinzmann (Heppenheim) mit dem Thema „Non-Prep und minimalinvasiv mit visio.lign“, Rainer Orthober (Berlin) mit „Dr. Hamster in der Praxis“ und Prof. Dr. Udo Stratmann (Danube Private University Krems) mit „Die verkürzte Zahnreihe – Seitenzähne als CMD-Prophylaxe“ zeigte einmal mehr das stetig wachsende Bewusstsein der Zahnmediziner um die Bedeutung der richtigen CMDDiagnostik und -Therapie als Grundlage für ein gesundes und funktionierendes stomatognathes System.
Mehr zu diesem Thema
ZMK | Jg. 27 | Ausgabe 11 _ November 2011







Leser-Kommentare
Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu verfassen.