Unternehmen Zahnarzt – Teil 1

Drucken Von Jens Törper, Dr. Jürgen R. Karsten    aktualisiert am 12.04.2010

So finden Sie eine wettbewerbsfähige Marktpositionierung Der rasant zunehmende Wettbewerb auf dem Gesundheitsmarkt zwingt Zahnärzte dazu, eine robuste Marktpositionierung zu finden und ihre Praxis danach auszurichten. Die wichtigsten Schritte hierfür erörtert das Autorenteam in zwei Artikeln. Im nachfolgenden ersten Beitrag wird die Analyse der eigenen Berufsmöglichkeiten und Wünsche, auch im Kontext der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, aufgezeigt. Zusätzlich wird anhand eines Beispieles erläutert, wie das betriebswirtschaftliche Werkzeug der Stärken-Schwächen-Analyse (SWOT-Analyse) bei einer Entscheidungsfindung für die Marktpositionierung helfen kann.

Tab. 1: SWOT-Analyse (Stärken-Schwächen-Analyse)
Tab. 1: SWOT-Analyse (Stärken-Schwächen-Analyse)


Auf dem Gesundheitsmarkt herrscht Wettbewerb in bald marktwirtschaftlicher Reinkultur. In immer mehr Bereichen gelten bereits die Mechanismen des gewöhnlichen Konsumentenmarktes: Wer als Patient eine herausragende ärztliche Dienstleistungsqualität fordert, muss oft Honorare akzeptieren, die sich von den Gebührenordnungen abgekoppelt haben und frei vereinbar sind. Außerdem nimmt der Spezialisierungsgrad in vielen ärztlichen Disziplinen deutlich zu. Zusammengefasst wird diese Entwicklung meist als Deregulierung oder Liberalisierung des Gesundheitsmarktes bezeichnet. Auch wer zahnärztliche Leistungen benötigt, hat die Wahl zwischen Dienstleistern unterschiedlichster Spezialisierungen, nicht umsonst gibt es neben Implantologen und Parodontologen zahlreiche weitere Spezialisierungen.

Bedingungen des Gesundheitsmarktes stecken den Rahmen



Blickt man auf die vier hauptsächlichen Einflussfaktoren, die jeden Wirtschaftszweig formen, dürfte sich diese zunehmende und mehr Gestaltungsfreiheiten bringende Deregulierung des Gesundheitsmarktes so schnell auch nicht mehr umkehren:
  • politische Einflussfaktoren: Ob es beim Gesundheitsfonds bleibt, lässt sich kaum vorhersagen. Dass es unter einem FDP-geführten Gesundheitsministerium eine weitere Deregulierung des Gesundheitsmarktes geben wird, gilt aber als sicher.
  • ökonomische Einflussfaktoren: Die Kostenentwicklung auf dem Gesundheitsmarkt wird die politischen Entscheidungsträger zu weiteren Einschränkungen der gesetzlichen Kassenleistungen veranlassen. Dies führt zu weiterer Liberalisierung des Gesundheitsmarktes.
  • soziodemographische Einflussfaktoren: Eine immer älter werdende Bevölkerung erhöht die Ausgaben der Kassen und Versicherungen bei relativ sinkenden Einnahmen – auch das fördert die Deregulierung des Gesundheitsmarktes.
  • technische Einflussfaktoren: Die steigenden Möglichkeiten, Krankheiten früher, sicherer und bequemer zu behandeln und zudem mit ärztlicher Hilfe die Lebensqualität zu verbessern, fördern die Nachfrage nach entsprechenden Methoden. Eine steigende Nachfrage trifft in diesem Fall auf einen sich immer mehr deregulierenden Gesundheitsmarkt – für einen unternehme risch denkenden Arzt oder Zahnarzt eine ideale Ausgangsposition.

Als wichtigster Treiber eines sich deregulierenden Gesundheitsmarktes gelten die gesetzlich erweiterten Möglichkeiten für Kooperationen, auch zwischen fachfremden Disziplinen, die verschiedenen Möglichkeiten für Selektivverträge mit Kassen (Integrierte Versorgung) und Versicherungen sowie die fast vollständige Aufhebung des Werbeverbotes für Ärzte und Zahnärzte.

Entscheidend: Wie will ich als Zahnarzt arbeiten?



Für Zahnärzte ergeben sich daraus direkt und indirekt mehrere attraktive Möglichkeiten, ihren Beruf auszuüben. Eine wichtige Frage auf dem Weg zu einer soliden Marktpositionierung als Zahnarzt ist deshalb die nach individuellen strategischen Optionen. Die zentrale Frage dabei lautet: Wie will ich in Zukunft als Zahnarzt arbeiten?
  • als angestellter Zahnarzt, in eigener Einzelpraxis, in einer Berufsausübungsgemeinschaft oder in anderen Kooperationsform (Gemeinschaftspraxis, Teilgemeinschaftspraxis etc.)?
  • die allgemeine Zahnheilkunde ausüben oder eine fachliche Spezialisierung (Prophylaxe, Parodontologie, Zahnästhetik, Implantologie, ganzheitliche Zahnmedizin etc.) anstreben?
  • eine hauptsächlich auf KZV-Patienten oder auf Privat-Patienten ausgerichtete Praxis führen?
  • viele Patienten mit Standardleistungen oder wenige Patienten mit umfangreichen, besonders hochwertigen Leistungen versorgen?
  • unternehmerisch als Gründer einer zahnärztlichen Kooperation (Gemeinschaftspraxis, Teilgemeinschaftspraxis, gegebenenfalls Kettenbildung, Franchise-Unternehmung etc.) engagiert sein?
  • in der Stadt oder auf dem Land arbeiten?

Jede Option hat Vor- und Nachteile, die jeder Zahnarzt individuell für sich, seine Lebenssituation und entsprechend seinen Erwartungen an die Arbeitsqualität bewerten muss. So hat zum Beispiel die Option, angestellter Zahnarzt in einem zahnmedizinischem Zentrum zu sein, die Vorteile, Teil eines kompetenten Teams zu sein, kein unternehmerisches Risiko zu tragen und weitgehend geregelte Arbeitszeiten zu haben. Als hauptsächliche Nachteile dürften die eingeschränkten Entfaltungs- und Verdienstmöglichkeiten gelten.

Eine zahnärztliche Spezialisierung hingegen bietet unter anderem die Chance, eine besonders ausgeprägte Reputation, besonders hohe Arbeitszufriedenheit sowie eine bequeme Position innerhalb der zahnärztlichen Wettbewerber aufzubauen. Die deutlichen Nachteile könnten ein besonders hohes Haftungsrisiko sowie der hohe finanzielle und zeitliche Aufwand für die Spezialisierung sein.

Die Entscheidung, wie ich in Zukunft als Zahnarzt arbeiten möchte, will gut überlegt sein. Schließlich geht es nicht nur darum, mit Blick auf den evolutionierenden Gesundheitsmarkt die richtige strategische Alternative zu wählen. Es geht auch um die Arbeitsqualität und die Harmonie des zahnärztlichen Berufs mit der Lebenssituation.

Optionen ordnen und bewerten: SWOT-Analyse



Weil jede strategische Option individuelle Vor- und Nachteile hat und zudem politische, ökonomische, soziodemographische und technische Faktoren den Markt beeinflussen, braucht es ein spezielles Werkzeug, um alle Fakten übersichtlich zusammenzutragen. Sehr gut dafür geeignet ist die von Betriebswirtschaftlern und Managern oft genutzte Stärken-Schwächen- Analyse, die SWOT-Analyse. Bei der SWOT-Analyse werden die eigenen Stärken (Strengths) und Schwächen (Weaknesses) den Chancen (Opportunities) und Risiken (Threats) des Marktumfeldes gegenüber gestellt. Auf diese Weise werden die verschiedenen Einflussfaktoren von Umwelt und eigenem Unternehmen (bzw. eigener Person) komprimiert und im Überblick dargestellt. Aus der Konfrontation von beidem lassen sich dann verschiedene strategische Optionen ableiten. Eine konkrete, definitive Handlungsanweisung ergibt sich aus der Analyse aber nicht. Das Beispiel zeigt, wie eine solche SWOT-Analyse für eine neu zu gründende „Zahnärztliche Gemeinschaftspraxis“ aussehen könnte (Tab. 1). In ähnlicher Weise kann zum Beispiel auch die Situation als angestellter oder in Einzelpraxis tätiger Zahnarzt analysiert werden.

Bei der Interpretation der SWOT-Analyse geht es zunächst darum, die Wechselwirkungen zwischen den eigenen Stärken und Schwächen und den Chancen und Risiken des Marktes zu erkennen, wobei sich die Stärken und Schwächen aus einem Vergleich mit den Wettbewerbern – hier also den Zahnärzten in der Stadt X – ergeben. Die Chancen und Risiken dagegen sind ein Kondensat aus der Analyse des Marktumfeldes. Wichtig dabei ist, die Analyse des Marktes unabhängig von der eigenen Situation durchzuführen und nur die allgemeinen Markttendenzen zu benennen (so wie im Beispiel geschehen).

Im Analyse-Beispiel zeigt sich ein ausgesprochen unternehmerfreundliches Marktumfeld, das Engagement belohnt, „Nichtstun“ aber schnell zum Risiko werden lässt. Das unternehmerfreundliche Marktumfeld trifft auf engagierte, dienstleistungsorientierte und hoch spezialisierte Zahnärzte, die eine gemeinsame Niederlassung an einem einkommensstarken, hoch frequentierten Ort ins Auge fassen. Die Schwächen der möglichen neuen Berufsausübungsgemeinschaft sind zwar alles andere als nichtig, erscheinen in dieser Konstellation aber akzeptabel. Bei einer unternehmerischen Vorgehensweise würde man zudem darauf achten, die umsatzrelevanten Schwächen abzupuffern oder ganz zu beseitigen.

Fazit



Schon bei einer grundsätzlichen Betrachtung der Situation mithilfe der SWOT-Analyse wird die Strategie der angedachten neuen „Zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis“ erkennbar. Sie danach allerdings in einem Satz à la „Unsere Strategie besteht darin, mit hoher Kompetenz und überzeugender Qualität gezielt die Bedürfnisse anspruchsvoller Patienten zu erfüllen und so ein profi - tables Wachstum zu erreichen!“ zu formulieren wäre aber völlig falsch. Eine solch simple und werberisch anmutende Zusammenfassung sagt letztendlich nichts über die Tauglichkeit der Strategie und die konkreten Handlungserfordernisse aus. Beides muss in weiteren Schritten sorgfältig ausgearbeitet werden. Sonst besteht die Gefahr, dass die Strategie im Laufe der Zeit verwässert und die eigentlich robuste Marktpositionierung geschwächt wird.

Demnächst lesen Sie im zweiten Teil dieses Beitrages, wie sich die Tauglichkeit dieser Strategie gezielt hinterfragen lässt.

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Fotostrecke
Tab. 1: SWOT-Analyse (Stärken-Schwächen-Analyse)  
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Jens Törper

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