Die Praxis zwischen Umsatz, Liquidität und Risiko

Drucken Von Uwe Schäfer    aktualisiert am 23.10.2009

Das Seminar „Der Zahnarzt im Spannungsfeld zwischen Umsatz, Liquidität und Risiko“ ist Teil eines Zahnärzte-Unternehmer-Curriculums der Europäischen Akademie für zahnärztliche Fort- und Weiterbildung (www.eazf.de). In sieben Ganztagskursen erlernen die Teilnehmer im Laufe eines Jahres die wichtigsten Grundlagen der dentalen Betriebswirtschaft. Das Spektrum reicht von allgemeinen betriebswirtschaftlichen Grundlagen über rechtliche und steuerliche Fragen bis hin zu den Themen Personalführung, Qualitätsmanagement und Marketing. Der folgende Beitrag stellt einen Auszug des Autorenreferates dar.

Tab. 1: Definition wichtiger betriebswirtschaftlicher Kenngrößen
Tab. 1: Definition wichtiger betriebswirtschaftlicher Kenngrößen


Umsatz, Liquidität und Rentabilität einer Zahnarztpraxis hängen unwiderruflich zusammen. Als Zahnarzt und Praxisinhaber steht man oft komplexen betriebswirtschaftlichen Themen gegenüber, die nicht Inhalt des Zahnmedizinstudiums waren. Macht man sich die im Folgenden genannten Zusammenhänge klar, versteht man leicht, wie Zahnärzte als Unternehmer handeln und ihre Praxis erfolgreich führen können.

Cash is King: Liquidität geht vor Rentabilität



Liquidität geht vor Rentabilität, geht vor Umsatz – so lautet eine der wichtigsten Grundsätze für Unternehmer. So ist es möglich, dass eine Praxis sehr gute Umsätze und Gewinne erzielt, aber trotzdem nicht liquide genug ist, um alle Rechnungen bezahlen zu können (Tab. 1). Diese mangelnde Liquidität kann leicht zur Insolvenz führen, auch wenn die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) eigentlich gut aussieht. Als Praxisinhaber ist man automatisch Unternehmer und muss dafür sorgen, dass man jederzeit zahlungsfähig ist – eine Maxime für die Praxis.

Hohe Umsätze gelten als Indiz für den Erfolg eines Unternehmens – das ist aber nur bedingt richtig. Eine Praxis kann zwar hohe Umsatzzuwächse verzeichnen, werden aber zum Beispiel durch Investitionen oder Marketingmaßnahmen überproportional hohe Kosten produziert, ist sie dennoch unrentabel. Rentabilität ist daher stets wichtiger als Umsatz.

Mehr Umsatz kostet Liquidität



Mehr Umsatz durch höhere Forderungen aus Patientenrechnungen bedeutet auch mehr Administration. Das führt zu einem Mehrbedarf an Personal, der solange vorfinanziert werden muss, bis die Patientenrechnungen bezahlt sind. Das oft lange Warten auf das Geld bindet jedoch Kapital und verringert dadurch die Liquidität. Mehr Umsatz geht auf Kosten der Liquidität, denn bei 10 Patienten muss zehnmal vorfinanziert werden, bei 100 Patienten sind es 100 Vorfinanzierungen. Oft scheitern deshalb Unternehmen nicht, weil sie zu wenig Umsatz machen, sondern weil sie ihr Umsatzwachstum nicht finanzieren können. Sie gehen dann Risiken ein, die ihre Rentabilität gefährden.

Höhere Umsätze führen nur dann zu höheren Gewinnen, wenn bestehende Ressourcen wie Mitarbeiter, Räume und Geräte besser genutzt werden. Mehr Umsatz bei gleichzeitig verbesserter Rentabilität ist deshalb ein wichtiges Unternehmerziel; ideal ist, wenn dabei auch die Liquidität stimmt.

Investitionen mit Augenmaß tätigen



In seiner April-Ausgabe 2009 berichtete das Unternehmermagazin impulse, dass weder der risikofreudige noch der vorsichtige Unternehmertyp am erfolgreichsten wirtschaftet. Den größten Erfolg haben demnach Unternehmer mit Augenmaß, die mittlere Risiken eingehen und nicht alles auf eine Karte setzen. Um klug entscheiden zu können, müssen Unternehmer Risiken gut kalkulieren und genau wissen, worauf sie sich dabei einlassen.

Zahnärzte sollten bei Investitionsentscheidungen nicht allein handeln. Bei den verschiedenen Investitionsarten sind auch verschiedene Finanzierungsformen anzusetzen. Wichtig sind ausführliche Gespräche mit mehreren Banken und alternativen Finanzdienstleistern wie Leasing- und Factoring-Unternehmen. Ziel bei der Findung der idealen Finanzierungsform ist es, das Risiko abzuschätzen und es möglichst klein zu halten.

Entscheidet sich eine Zahnarztpraxis für höhere Investitionen, ist neben guter Liquidität und Rentabilität das Verhältnis zur Bank ausschlaggebend. Um als kreditwürdig zu gelten und gute Konditionen zu erhalten, ist vor allem das Rating entscheidend.

Das Rating ist die Einschätzung der Zahlungsfähigkeit eines Schuldners. Die Einordnung erfolgt nach bankeigenen Kriterien oder wird von international tätigen Rating-Agenturen vorgenommen. So wirken sich beispielsweise Kontoüberziehungen negativ aus, ebenso eine dauerhaft hohe Kontokorrent-Auslastung. Eine frühzeitige Nachfolgeregelung der Praxis werten Banken dagegen als positiv, und auch der ‚Augenschein’ einer Praxis schlägt sich auf das Rating nieder. Oft wird zudem unterschätzt, wie wichtig ein guter persönlicher Draht zur Bank ist. Wer bei seinen Geschäftsangelegenheiten seine Bank mit einbezieht, steigt automatisch im Rating.

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Uwe Schaefer

Uwe Schäfer

EOS Health AG

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