Abrechnung der Implantatplanung und -analyse

Drucken Von ZMV Ingrid Honold    
aktualisiert am 01.02.2010

Grundlage jeder Implantation ist die Analyse und Planung der Implantate und deren Positionierung. Für die Abrechnung ist es unwesentlich, ob es sich um ein enossales, subapikales oder subperiostales Implantat handelt, ob es aus Keramik, Bioglas, Metall wie z. B. Titan, Tantal etc. oder teilabsorbierbarem Material wie Trikalziumphosphat, besteht oder ob es ein Schraub-, Blatt- oder Zylinderimplantat ist. Nachfolgend werden die maßgeblichen abrechnungsrelevanten Aspekte beschrieben.

Abrechnungstipp 01


Die Berechnung der Implantatplanung und -analyse etc. erfolgt nach GOZ 900, die folgende Leistungen beschreibt: „Implantatbezogene Analyse und Vermessung des Alveolarfortsatzes des Kieferkörpers und der Schleimhaut einschließlich metrischer Auswertung von Röntgenaufnahmen zur Festlegung der Implantatposition mithilfe einer individuellen Schablone, je Kiefer“.

Egal, wie viele Implantate geplant sind oder ob unterschiedliche Implantatsysteme verwendet werden, die Berechnung ist einmal je Kiefer möglich. Ein erhöhter Zeitaufwand, ggf. die erhöhte Schwierigkeit des Vermessens oder die unterschiedlichen Anforderungen an die Implantattechnik können nur durch die Erhöhung des Steigerungssatzes berechnet werden.

Bei Überschreiten des 3,5-fachen Satzes muss vor Behandlungsbeginn mit dem Patienten eine Vereinbarung gemäß § 2 Abs. 1 und 2 GOZ in Schriftform getroffen und der Patient darüber aufgeklärt werden, dass eine Erstattung durch Erstattungsstellen möglicherweise nicht gewährleistet ist. Eine mehr als einmalige Abrechnung im selben Kiefer ist im Ausnahmefall möglich, wenn die klinische Situation durch präimplantologische chirurgische Eingriffe verändert wird und sich dadurch die Notwendigkeit einer erneuten Analyse ergibt.

Leistungsumfang der GOZ 900



Laut Leistungsinhalt der Gebührenziffer GOZ 900 sind folgende Maßnahmen inbegriffen:
  • Vermessen des Alveolarfortsatzes mit Kieferhöhe und Kieferbreite sowie die Beurteilung der Schleimhautsituation
  • Abtasten von Schleimhaut und Knochen
  • Inspektion der Kiefer- und Nasenhöhlen
  • Vermessen der Distanz zu den Antagonisten, wie auch des Mandibularabstandes
  • Modellanalyse und die Auswertung der Röntgenaufnahme
  • Festlegung der Position und des Implantatkörpers wie auch der Anzahl nach Herstellung einer individuellen Schablone

Im Zusammenhang mit der Gebührenziffer GOZ 900 sind weitere Leistungen notwendig bzw. denkbar:

Da in der Regel eine Beratung je nach Aufwand und Umfang durchgeführt wird, kommt hierfür die Ä1 „Beratung – auch mittels Fernsprecher“ oder Ä3 „eingehende, das gewöhnliche Maß übersteigende Beratung – auch mittels Fernsprecher“ zum Ansatz.

Denkbar ggf. ist auch die Ä4 „Erhebung der Fremdanamnese über einen Kranken und/oder Unterweisung und Führung der Bezugsperson(en) – im Zusammenhang mit der Behandlung eines Kranken“ bei Unterweisung von Bezugspersonen.

Bei sehr umfangreichen Sanierungen mit Erkrankungen, die als nachhaltig lebensverändernd gesehen werden können, ist die Ä34 „Erörterung – Dauer mindestens 20 Minuten“ der Auswirkungen einer Krankheit auf die Lebensgestaltung in unmittelbarem Zusammenhang mit der Feststellung einer nachhaltig lebensverändernden oder lebensbedrohenden Erkrankung – gegebenenfalls einschließlich Planung eines operativen Eingriffs und Abwägung seiner Konsequenzen und Risiken – einschließlich Beratung – gegebenenfalls unter Einbeziehung von Bezugspersonen, ansetzbar.

In diesem Zusammenhang durchgeführte Untersuchungen können je nach Umfang notwendig sein nach:
  • Ä5 Symptombezogene Untersuchung
  • Ä6 Vollständige körperliche Untersuchung mindestens eines der folgenden Organsysteme: Für den Zahnarzt das stomatognathe System.
  • GOZ 001 „Eingehende Untersuchung“, ggf. GOZ 800 „Befunderhebung des stomatognathen Systems nach vorgeschriebenem Formblatt“, wie auch nach
  • GOZ 400 „Erstellen eines Parodontalstatus nach vorgeschriebenen Formblatt“.

Planung mittels Röntgen



Für die Planung ist eine Röntgendiagnostik unumgänglich. Hier können Leistungen anfallen nach:
  • Ä5000 Zähne, je Projektion
  • Ä5004 Panoramaschichtaufnahme der Kiefer
  • Ä5090 Schädel-Übersicht in zwei Ebenen zzgl.
  • Ä5298 Zuschlag zu den Leistungen nach den Nummern 5010 bis 5290 bei Anwendung digitaler Radiographie (Bildverstärker-Radiographie) und der Auswertung nach GOZ 602 „Anwendung von Methoden zur Untersuchung des Gesichtsschädels“

Bei zahnlosen Kieferteilen kommt die Ä5095 „Schädelteile in Spezialprojektionen, je Teil“ zum Tragen zzgl. Ä5298 oder bei medizinischer Notwendigkeit kann die Anfertigung eines CT oder DVT anfallen nach Ä5370 „Computergesteuerte Tomographie im Kopfbereich – gegebenenfalls einschließlich des kranio-zervikalen Übergangs“ ggf. zzgl. Ä5377 „Zuschlag für computergesteuerte Analyse – einschließlich speziell nachfolgender SD-Rekonstruktion“.

Die metrische Auswertung der Röntgenaufnahme zur Festlegung der Implantatposition ist allerdings im Leistungsinhalt der GOZ 900 inbegriffen. Erfahrungsgemäß sind Modelle erforderlich, hierfür ist die GOZ 005 „Abformung eines Kiefers für ein Situationsmodell“ oder GOZ 006 „Abformung beider Kiefer für Situationsmodelle und einfache Bissfixierung“, je nach dem ob mit oder ohne einfache Bissfixierung, abzurechnen. Sollte die Abformung hierfür mit einem individuellen oder individualisierten konfektionierten Löffel erfolgen zzgl. der GOZ 517 „Anatomische Abformung des Kiefers mit individuellem Löffel, je Kiefer“.

Diagnostische Auswertung der Modelle



Bei diagnostischer Auswertung der einartikulierten Modelle sollte die GOZ 808 „Diagnostische Maßnahmen an Modellen im Artikulator einschließlich subtraktiver oder additiver Korrekturen, Befundauswertung und Behandlungsplanung“ nicht vergessen werden.

Wird eine Röntgenschablone benötigt, ist die GOZ 700 entsprechend § 6 Abs. 2 GOZ „Eingliederung eines Aufbissbehelfs ohne adjustierte Oberfläche“ oder die Ä2700 „Anlegen von Stütz-, Halte- oder Hilfsvorrichtungen“ zu liquidieren. Für die Anfertigung der Modelle und der Röntgenschiene sind die Material- und Laborkosten nicht zu vergessen.

Auch ein Konsil nach Ä60 „Konsiliarische Erörterung zwischen zwei oder mehr liquidationsberechtigten Ärzten, für jeden Arzt“ oder ein Befundbericht nach GOZ Ä75 „Ausführlicher schriftlicher Krankheits- und Befundbericht“ sind Leistungen, welche in diesem Zusammenhang häufig anfallen. Die Aufzählung ist nicht abschließend, es sind sicherlich oft weitere Maßnahmen in diesem Zusammenhang erforderlich und ansetzbar.

Zu beachten



Anmerken möchte ich noch, dass bei der Rechnungsstellung sehr häufig die Leistung nach GOZ 900 in der Sitzung in Ansatz gebracht wird, in welcher bereits die Implantation erfolgt. Dies sollte geprüft und ggf. korrigiert werden, da die Analyse und Planung von Implantaten doch meist im Vorfeld erfolgt. Der Ansatz der Leistung ist für Erstattungsstellen schlüssiger und nachvollziehbarer, wenn dieser in der Planungs- bzw. Beratungssitzung erfolgt, vor allem, wenn aufgrund der erhöhter Schwierigkeit oder des Zeitaufwands, der Faktor entsprechend § 5 Abs. 2 GOZ über dem Schwellenwert liegt.

 
Die Abrechnungshinweise sind von der Autorin nach ausführlicher Recherche erstellt worden. Eine Haftung und Gewähr wird jedoch ausgeschlossen. Letzendlich kann nur der Behandler die erbrachten Maßnahmen entsprechend bewerten.


ZMV Ingrid Honold

ZMV Ingrid Honold

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