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Alle 14 Tage die aktuellsten Meldungen, Tipps und Trends aus der Zahnheilkunde in Ihre Mailbox. >>Jetzt kostenlos abonnierenQuébec – herbstliche Begegnungen in der kanadischen Wildnis
DruckenDas Feuer im offenen Kamin verbreitet eine angenehme Wärme. Bereits beim Betreten des Foyers der Blockhaus- Lodge Sacacomie ist man von der Größe der Räume überwältigt.

Elchbulle mit Elchkuh.
Wuchtige, goldfarbene Stämme bilden den Rahmen des Haupthauses, in dem sich u. a. Souvenirshops, ein Restaurant und eine Bar befinden. An das Foyer angeschlossen geht es über verschiedene Gänge zu den Zimmern, viele davon mit Seeblick und geräumigem Balkon. Eine Treppe führt zum gleichnamigen See Sacacomie. Vereinzelt sieht man Kanus durch das Wasser gleiten, in denen Gäste die abendliche Stille genießen. Die rustikale Lodge befindet sich auf halber Strecke zwischen Montréal und Québec City, direkt angrenzend an das Naturschutzgebiet Mastigouche. Hier werden wie vielerorts in Kanada den Gästen Begegnungen mit kanadischen Wildtieren ermöglicht.
Der Biberdamm
Bei einer Exkursion erreichen wir ein Gebiet das aus umgefallenen Bäumen, aufgestauten Tümpeln und üppigen Grasinseln besteht. Am Rande eines kleinen Sees verharren wir regungslos. Im Wasser rührt sich etwas. Ein behaarter Kopf mit kleinen Ohren pflügt durch den Weiher, der restliche Körper ist untergetaucht. Zielstrebig schwimmt das Tier an die Stelle, wo unser Guide Laubwerk hinterließ. Ein Biber, der sich von uns nicht stören lässt, macht sich über den frisch gepflückten Zweig her. Biber können eine Landschaft mit ihren Dammbauten komplett verändern, oftmals nicht zur Freude der Farmer. Im Naturschutzgebiet können sie jedoch ihrer Baulust freien Lauf lassen. Während des Winters stauen sie Gewässer, damit sie unter der Eisdecke in ihre Burgen schwimmen können. Es ist sehr selten, dass man einen frei lebenden Biber so eingehend beobachten kann.
Alte Handelsposten neu belebt
Abgesehen von den dichter bevölkerten Regionen entlang des St.-Lorenz- Stromes ist die ostkanadische Provinz eine weitgehend dünn besiedelte Wildnis mit zahlreichen Naturschutzgebieten. Direkt in den großen Strom mündet der Saguenay, der sich fjordartig erweitert und den riesigen Lac Saint-Jean entwässert. Radfahrer können hier die „Véloroute des bleuets“ genießen, die 256 km lang rund um den See führt. Schon zu Zeiten von Jacques Cartier, der im 17. Jahrhundert mit seinen Leuten in das unbekannte Kanada vordrang, entwickelte sich in der Nähe von Roberval auf einer Landzunge an der Südseite des Sees ein reger Handel mit den dort ansässigen Montagnais- Indianern. Jahrhunderte lang behandelte man die First Nations, wie sich die Ureinwohner heutzutage nennen, mit Verachtung, versuchte ihre Kinder in Missionsschulen umzuerziehen, infizierte die Menschen mit bis dahin in diesem Land unbekannten Krankheiten und steckte sie in abgegrenzte Reservate. Die Folgen waren verheerend. Mit der neu gewonnenen Selbstsicherheit der Ureinwohner werden seit einigen Jahren alte Traditionen wieder gepflegt und an die nächste Generation weitergegeben. Die kanadische Öffentlichkeit unterstützt dies. Im Musée Amérindien de Mashteuiatsh durchwandert man tausend Jahre der Geschichte von Kanada. Überlieferte, erschütternde Lebensläufe der „First nations“ werden gezeigt. Schmuck, Schnitzereien und präparierte Biberfelle sind sehenswerte Kunsthandwerke der Ureinwohner.
Wal in Sicht
In der Umgebung von Tadoussac, nahe der Mündung des Saguenay-Fjords in den Sankt-Lorenz- Strom, können Wale beobachtet werden. Auf unserem Ausflug zeigt sich dabei zuerst unter der Wasseroberfläche ein weißer Fleck, der schnell die Form eines gerundeten Rückens annimmt. Beluga-Wale sind keine Seltenheit in der Umgebung von Tadoussac, das etwa 210 km östlich von Québec-City entfernt liegt. Tadoussac ist einer der besten Walbeobachtungsplätze auf den Weltmeeren. Im Mündungsgebiet des Saguenay, wo sich Salz- mit Süßwasser vermischt, mangelt es nicht an Krill, der Hauptnahrung von Walen. Die bläulich-weißen Säuger können bis zu acht Meter lang und maximal eine Tonne schwer werden. Etwa 500 Beluga-Wale wurden in dieser Gegend regelmäßig gezählt. Für den ungeübten Beobachter sieht jedes Tier gleich aus. Im Museum und Forschungszentrum „Centre d´Interprétation des mammifères marins“ erklären Biologen, dass jedes Tier individuell geformte Rückenflossen hat. Je nach Jahreszeit lassen sich Buckelwale, Finnwale, Zwergwale und Blauwale beobachten. An einigen Stellen entlang der Küste entdeckt man mit etwas Glück die Säugetiere des Meeres auch vom Land aus. Im benachbarten Ort Les Escoumiens werden Beobachtungstouren per Boot angeboten. In kleinen Zodiacs kann man Walen recht nahe kommen. Die wild-romantische Landschaft entlang des Saguenay-Fjords ist für Kanadier schon längst kein Geheimtipp mehr. Auch europäische Gäste gewinnen mehr und mehr Interesse an dieser Region. Eine unserer Übernachtungen haben wir bei Ferme 5étoiles gebucht, nur 15 Minuten von Tadoussac entfernt. Der „Bauernhof“ beherbergt allerlei Tiere, ein Eldorado für Kinder. Mit dem Auto geht es durch Felder und den Wald, bis es zwischen den Felsbrocken unwegsam wird. Die letzten Meter zum Holzhaus geht man zu Fuß, denn es steht auf einer Anhöhe. Vom Haus aus hat man eine traumhafte Aussicht auf einen Nebenarm des Fjords. Die anderen Hütten des Bauernhofes liegen weit verstreut, meist von dichtem Baumwuchs verborgen.
Wild leben im Zoo
Die Miniaturbahn des Zoos Sauvage in St-Félicien setzt sich ruckelnd in Bewegung. Links und rechts von uns befinden sich hohe Gitter. Schon bald bekommen wir eine Bärenmutter mit drei Jungen zu sehen. Es ist erstaunlich, beinahe hautnah wilde Tiere zu treffen. Auch Rentiere gibt es zu sehen und im Zoo befindet sich ein Rentier- Camp, in dem übernachtet werden kann. Hier sieht man sich schon beim Blick aus dem Zelt einem dieser freundlich gesinnten Tiere gegenüber. Ghislain Gagnon und sechs andere Naturfreunde gründeten 1960 auf einer verlassenen Fuchsfarm einen Zoo der herkömmlichen Art für Tiere aus Nordamerika. Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelte sich einer der besten und schönsten Zoos weltweit, der am Lac Saint-Jean liegt. Bis dahin war es ein weiter und beschwerlicher Weg. Heute können sich auf dem riesigen Gebiet viele Tiere frei oder zumindest auf einem geräumigen Gelände bewegen. Seine wichtigsten Aufgaben sieht der Zoo in der Forschung über das Verhalten der Tiere. Mit dem gewonnenen Wissen will man aber auch Besucher sensibilisieren für ihren Umgang mit der Natur und den Tieren. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der Tierund Pflanzenwelt im borealen Nadelwald. Hin und wieder zeigen sich schon die ersten Anzeichen des Indian Summer. Da ein knallrotes dort ein leuchtend gelbes Blatt, versteckt in den endlosen Wäldern. Noch ein paar Frostnächte und sie werden rot glühen in einer unglaublichen Farbe. Der Ahorn liefert nicht nur delikaten Sirup und andere daraus hergestellte Köstlichkeiten, er beschert auch das alljährlich wiederkehrende Farbenspiel, das sich im östlichen Teil Kanadas besonders intensiv zeigt. Um uns den Abschied zu versüßen, decken wir uns mit Leckereien aus echt kanadischem Ahornsirup ein.
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Anreise: Lufthansa fliegt mehrmals wöchentlich von München und zusammen mit der Air Canada von Frankfurt, täglich via Toronto nach Montréal. Beste Reisezeit um die Herbstfarben der Wälder zu genießen, ist von Anfang September bis etwa 10. Oktober. Unterkünfte: Etwa 90 Fahrtminuten nördlich von Montréal liegt das legendäre Blockhaushotel La Sacacomie (www.sacacomie.com). Ein modernes Hotel im indianischen Stil bei Québec City ist das Hotel Premières Nations (www.hotelpremieresnations.ca). Spezialangebote für Rundreisen in Ostkanada, Flüge, Mietwagen und Hotels bietet z. B. der Veranstalter CRD International GmbH: www.crd.de. Literatur für unterwegs: z. B. die bewährten Reiseführerprodukte von MAIRDUMONT Richtig reisen „Kanada – der Osten“, 488 S., 24,95 €, und Baedeker „Kanada Osten“, auch 488 S., 22,95 €, www.mairdumont.com.
Text: Monika Hamberger,
Fotos: Rainer Hamberger
ZMK | Jg. 27 | Ausgabe 10 _ Oktober 2011









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