Kurzverzeichnis Implantologie
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Lakkadiven: 36 Palmen-Eilande nördlich der Malediven

Drucken Von Helge Sobik    aktualisiert am 08.03.2010

Vor ein paar Wochen war Richard Gere hier. Er kam, um dem Mond beim Aufgehen und den Sternen beim Leuchten zuzusehen. Er spielte Robinson in Hütten, deren Wände aus geflochtenen Palmenmatten bestehen und deren Fenster aus nichts als Mückengitter sind: ohne Gage, ohne Regisseur, sogar ohne Kamera, nur für sich – und für die Frau, mit er reiste. War sie schön? „Of course!“, erinnern sich die Einheimischen. Ihren Namen weiß keiner mehr.

Wie aus der Vergangenheit herbeigesegelt: einfaches Fischerboot zwischen Bangaram und Thinnakara auf den Lakkadiven.
Wie aus der Vergangenheit herbeigesegelt: einfaches Fischerboot zwischen Bangaram und Thinnakara auf den Lakkadiven.


Aber sympathisch seien beide gewesen, völlig unkompliziert, sehr relaxt. Vielleicht liegt es auch daran, dass hier jeder entspannt ist: weil es kaum ein anderes Geräusch als das Meeresrauschen gibt, nur manchmal das des Außenborders eines Dhoni, eines dieser breiten motorisierten Kanus. Und ab und zu singt jemand, wenn er im Schatten der Kokospalmen zwischen Strand und Hütten entlang spaziert. Es gibt keine Autos, keine Beschallung mit Durchsagen oder Musik vom Band, keine Termine, niemand hupt, keiner hetzt. Und Regeln setzt nur die Natur. In der Abenddämmerung zündet jedes Mal ein Schatten im weißen Gewand ein paar Kerzen in den Windlichtern am Weg an.

Zeitlos in den Tag leben



Gut fünfzehnhundert Meter misst diese Insel an ihrer längsten Stelle, gut fünfhundert an der breitesten. Etwa eine Stunde dauert es, sie bei Ebbe einmal am Strand entlang komplett zu umwandern. Dabei interessieren solche Fakten nur vorher. Spätestens vom zweiten Tag an ist die Uhr egal, gelten Stunden
Begrüßungs-Drink für alle Neuankömmlinge im Paradies: eine frische aufgeschlagene Kokosnuss auf Bangaram.
Begrüßungs-Drink für alle Neuankömmlinge im Paradies: eine frische aufgeschlagene Kokosnuss auf Bangaram.
nichts mehr, gibt es nur noch Aufstehen und Schlafengehen und den Tag dazwischen. Auf Bangaram ist die Zeit stehen geblieben. In der Nachbarschaft ist das nicht anders – auf den 35 anderen Inseln der Lakkadiven gut eineinhalb Flugstunden westlich der südindischen Festlandküste, eineinhalb nördlich der Malediven. „Bei uns ist es ungefähr so wie auf den Malediven vor dreißig Jahren“, sagt Radhakrishna Shenoi, der auf Bangaram lebt; „Und es wird noch eine ganze Zeit lang so bleiben.“

Wer die besonders geschützte Inselgruppe bereisen will, braucht zusätzlich zum IndienVisum eine ExtraErlaubnis für die Lakkadiven, fliegt auf die Insel Agatti, muss dort für die Einreise-Prozedur auf Plastikstühlen in einer Ankunftsbaracke ein wenig ausharren. Danach geht es per Boot weiter – zwei Stunden bis Bangaram, mindestens doppelt so lange bis Kadmat.

Inseln „außerhalb“ der Welt



Nur neun dieser 36 Eilande sind dauerhaft bewohnt, bislang bloß drei für Ausländer freigegeben: Bangaram, Agatti und Kadmat mit ihren RobinsonHotels – Inseln, die irgendwie außerhalb der Welt liegen.

Dabei stehen längst Investoren bereit, wollen demnächst auch die Eilande Suheli und Thinnakara mit Millionenaufwand erschließen und dort Luxushotels in den Kokoswald zimmern, die Gegenwart ins Inselreich holen. Sie wollen Robinson und Freitag für ein paar Monate hinausrenovieren und die beiden zur Wiedereröffnung neu einkleiden. Noch aber wohnen auf diesen Inseln für ein paar Wochen im Jahr nomadisierende Fischer in einfachen Hütten am Strand. Sie ziehen mit den Tunfischschwärmen weiter. Die Menschen ernähren sich aus dem Meer und von dem, was Palmen und winzige Gärten hergeben, trocknen zerlegte Oktopusse an Holzgestellen im Wind und wissen oft nicht, welches Jahr gerade läuft. Sie ahnen nicht, was anderswo in der Welt geschieht, waren nie auf dem Festland, das mehr als eine halbe Welt entfernt ist. Ihre Boote heißen „Alhamdulillah“ und „Ahmed II“. Sie beten zu Allah und können mit Hindu-Tempeln nichts anfangen. Die etwa 35.000 Lakkadiver sind fast alle Moslems. Sie sind es ohne Verbissenheit und lassen jeden im Para dies nach seiner Façon selig werden.

Diesen Abend zum Beispiel hockt ein Mann in Badehose in einem erdenen Zuber im Inselinneren von Bangaram, in einer mit dem Süßwasser aus dem kleinen Insel-Sees gefüllten Grube. Er singt, winkt und schrubbt sich dort am Ende seines Arbeitstages in Sichtweite der hell erleuchteten kleinen Moschee: ein turmloser Gebetsraum, in dem drei Teppiche ausgebreitet sind. Ein Alter kniet dort zur selben Zeit und verneigt sich gen Mekka. Wahrscheinlich danken beide Gott für ihren Platz im Palmenparadies, jeder auf seine Weise – auf einer Insel mit nur einem Fernseher und ein paar Dutzend Hütten.

Abgeschiedenheit als Ferienluxus



Einige davon werden an Fremde vermietet, die dem Ansturm vorausreisen, der eines nicht mehr fernen Tages folgen wird. Es sind Leute, die ihren Luxus vor allem in der Abgeschiedenheit finden, im warmen Meer mit seinem türkisfarbenen Glanz, den Schnorchel- und Tauchgründen der Lagune und der Riffs weiter draußen zwischen den Inseln. Leute, die nicht auf der Suche nach Marmorfußböden und golddurchwirkten Vorhängen sind, nicht nach Designer-Chick und Zimmerservice Ausschau halten.

Inseln für Romantiker: Sonnenuntergang auf dem Lakkadiven-Eiland Bangaram.
Inseln für Romantiker: Sonnenuntergang auf dem Lakkadiven-Eiland Bangaram.
Es zieht Millionäre aus den boomenden Business-Städten des Subkontinents ebenso hierher wie Leute aus Übersee, von denen manche auf diese Ferien lange sparen mussten und sich ansonsten rein gar nichts aus Geld machen. „Bollywood“Stars waren hier – zuletzt Lara Dutta, deren Karriere vor neun Jahren als Miss Universe begann und an die sich, of course, ebenfalls alle noch sehr genau erinnern. „Niemand“, sagt Radhakrishna Shenoi, „muss hier Paparazzi fürchten. Entweder wissen sie nichts von unseren Inseln, von diesen Stecknadelköpfen, die aus dem Indischen Ozean ragen. Oder es ist ihnen einfach zu teuer, herzukommen.“ Er lächelt.

Und ob prominent oder nicht ist unter den Palmen von Bangaram sowieso egal. Es interessiert die anderen Gäste seltsam wenig und die Einheimischen rein gar nicht. Manchmal kommt es dann doch heraus – abends in der Bar bei einer aufgeschlagenen Kokosnuss oder einem Cocktail. „Du bist HollywoodStar? Ist ja toll! Und Du? Du warst mal Miss Universe?“ Da kann es jemand nicht fassen, was der nette Sitznachbar im richtigen Leben tut – und gleichzeitig ist es nicht weiter der Rede wert: „Wow! Ich jobbe zuhause in einer Boutique und bin drei Wochen zum Tauchen hier.“ Niemand fragt nach Autogrammen, alle sind irgendwie gleich. Es gibt keine Berührungsängste, keinen Kult, aber auch keine Verbrüderung. Sie alle eint, entspannen und dabei möglichst viel Ruhe haben zu wollen: morgens ein Bad im 27 Grad warmen Ozean nehmen, mittags ein bisschen tauchen oder schnorcheln, abends unter Palmen gegrillten Red Snapper oder scharfes Fischcurry in Kokossoße essen und anschließend einer Drink an der rundum offenen Bar im Sand nehmen.

Der einzige Fernseher steht weit abseits im Quartier der Hotelangestellten, die die notwendigen Signale mit zwei riesigen Parabolspiegeln vom Himmel fischen. Und auch ihnen scheint die Flimmerkiste nicht allzu wichtig zu sein. An der Antennenspitze des einen Spiegels ist die Wäscheleine zur Palme gegenüber befestigt, und wenn dort die T-Shirts trocknen, ist gerade kein Empfang. Es gibt kein Internet-Café auf der Insel, kein Telefon in den Hotelzimmern. Und dass neuerdings ein Sendemast für ganz brauchbaren Handyempfang selbst im Paradies sorgt, braucht man ja zuhause oder am Arbeitsplatz sicherheitshalber niemandem zu erzählen. Es wäre zu schade, wenn ein Anrufer aus dem Alltag ein Freizeichen bekäme.

Infos:

Flug mit Qatar Airways (www.qatarairways.de; Tel.: 01805 728271) aus Frank furt/M., München oder Berlin via Doha nach Kochi im südindischen Bundesstaat Kerala ab rd. 780 €. Weiterfl ug mit Kingfi sher Air (www.fl ykingfi sher.com) nach Agatti Island rd. 200 €. Eine Woche im „Bangaram Island Resort“ beim Spezialveranstalter Comtour (www.comtour.de; Tel.: 02054 95470) ab 976 € pro Person im DZ (ohne Flug).


 

 
Fotostrecke
Begrüßungs-Drink für alle Neuankömmlinge im Paradies: eine frische aufgeschlagene Kokosnuss auf Bangaram.   Inseln für Romantiker: Sonnenuntergang auf dem Lakkadiven-Eiland Bangaram.  

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