Implantologie

Strukturbiologie: der neue Maßstab

Implantatlagergestaltung



Großer Schnitt – große Chirurgie. Diese These gehört für Dr. Stefan Neumeyer, Eschlkam, endgültig der Vergangenheit an. Der Spezialist für minimalinvasive Knochenaufbaumaßnahmen fasst seine Haltung zu Kieferkammspreizung und Knochenkondensation in klare Worte. Mit Komet entwickelte er ein modular aufbaubares Instrumentensystem, das dem Zahnarzt den Erhalt der Strukturbiologie quasi automatisch in die Hände spielt.

Nach einer Zahnextraktion gibt es verschiedene Augmentationsmaßnahmen, um das verloren gegangene Gewebevolumen des alveolären Knochens strukturell und funktionell zu ersetzen. Aus Sichtweise von Dr. Neumeyer, der in der Praxis die Ganzheitlichkeit von Hart- und Weichgewebe in den Vordergrund stellt, geht man bei der gesteuerten Geweberegeneration (GBR/GTR) manchmal eher „anachronistisch“ vor: Man wartet ab, bis die Wunde geschlossen ist, wobei bereits während dieser Zeit Hart- und Weichgewebe zerstört wird. Anschließend wird mühevoll wieder aufgebaut (Augmentation der fehlenden Gewebestrukturen, Ersatz durch autologen Knochen bzw. durch nicht autologes Augmentationsmaterial). Zweifellos bestätigen zahlreiche Studien, dass durch die gesteuerte Geweberegeneration – das zurzeit dominierende Verfahren in den Praxen – sehr gute Ergebnisse erzielt werden können. Dennoch gehen damit vier typische Eigenschaften einher, die optimierungsfähig sind. Die gesteuerte Geweberegeneration ist relativ aufwendig, invasiv, für den Patienten belastend und im Gesamten recht kostenintensiv.

Dr. Neumeyer: „Außerdem ist es wissenschaftlich belegt, dass mit zunehmender Komplexität des klinischen Falles die Qualität der Ergebnisvorhersage leidet. Durch diesen Zusammenhang sind augmentative Techniken stark an die Erfahrung und das operative Können des Behandlers gebunden.“ Deshalb besteht generell die Notwendigkeit, die Intensität dieser Verfahrenstechnik zu minimieren. Da dies auch eine minimalinvasive und ergonomische Arbeitsweise bedingt, kann ein innovativer Zahnarzt dies mit den Instrumenten aus MaxilloPrep Bone und MaxilloPrep Spread- Condense (Komet Dental*) umsetzen. Dr. Neumeyer: „Wenn wir unsere Patienten operativ belasten, dann dürfen wir die Strukturbiologie von Hart- wie Weichgewebe so wenig wie möglich schädigen.“ Weniger ist jetzt also mehr. Um den Sinneswandel zum Erhalt der Strukturbiologie möglichst breit unter den Kollegen zu streuen, standen die folgenden drei Kriterien bei der Entwicklung des Instrumentensatzes im Vordergrund: Die Instrumente sollen eine optimierte Gewebenutzung sicherstellen, eine ergonomische Verfahrenstechnik bieten und in einem sehr guten Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen. Dr. Neumeyers gesamte Instrumentenphilosophie spiegelt sich in MaxilloPrep Bone und MaxilloPrep Spread-Condense wider.

Respekt vor dem Knochen

  • Abb. 1: TRC-Zentrierbohrer: minimal traumatisierende Gestaltung einer exakten zirkulären Führungsrille.

  • Abb. 1: TRC-Zentrierbohrer: minimal traumatisierende Gestaltung einer exakten zirkulären Führungsrille.
Das Gesamtkonzept MaxilloPrep Bone, mit dem zylindrische Knochenblöcke und eine ausreichende Menge an Knochenspänen mit einem rotierenden Instrument gewonnen werden können, berücksichtigt den Grundgedanken Neumeyers: der körpereigenen Gewebestruktur maximalen Respekt zu zollen, „weil autologer Knochen in vielerlei Hinsicht allen anderen Augmentaten überlegen ist“. Der Grundgedanke der Gewinnung von Knochenzylindern mit den Maxillo Prep Bone-Instrumenten besteht in einer schonenden, effizienten und verfahrenstechnisch sicheren Nutzung einer Spender- und einer Empfängerregion. Die Umsetzung dieses Anspruchs erfolgt durch eine exakte Instrumenten-Positionierung und einen nachfolgenden anforderungsoptimierten Prozess der Gewebeaufbereitung, der schließlich in einer strukturierten Regeneration bzw. Augmentation der Defektregion mündet (Abb. 1).

Gewinnung von Knochenzylindern

Mit dem TRC-Zentrierbohrer wird zuerst eine kreisrunde Führungsrille vorbereitet – das erleichtert das anschließende Handling mit dem TRT-Trepanbohrer (Abb. 2), wenn der gewünschte Knochenzylinder zur Blockaugmentation präpariert wird. Eine für dieses Instrument charakteristische Führungsspitze erleichtert ganz wesentlich die „Ortswahl“ auch in schwierigem Gebiet. Dr. Neumeyer: „Unabhängig davon, ob wir etwas entnehmen oder einsetzen – die MaxilloPrep-Instrumente respektieren an der Entnahmestelle des Transplantates wie auch in der Empfängerregion die Strukturbiologie. All die entscheidenden Informationen, die die Natur implementiert hat, können ungehindert weiter fließen.“ Damit bezieht sich der Zahnarzt auf die Formkongruenz der MaxilloPrep Bone-Instrumente, die es sogar erlaubt, die zu augmentierende Region als Spenderregion heranzuziehen (Abb. 3a u. 3b). Der Spendevorgang ist derart optimiert, dass stabile Transplantate unter maximaler Schonung der Biologie vorhersagbar augmentiert werden können. Dr. Neumeyer: „Doch Knochenblöcke sind keine Lego-Bausteine, die perfekt aufeinander passen. Vielmehr müssen sie eine gewisse Formvollendung z.B. durch Knochenspäne erfahren.“ Somit wird MaxilloPrep Bone folgerichtig durch einen innovativen Knochenspanbohrer ergänzt.

  • Abb. 2: TRT-Trepanbohrer: Einsetzen in der Führungsrille, Versenken des Zylinderbohrers im Knochenlager.
  • Abb. 3a u. 3b: Durch Formkongruenz ist ein Versetzen der Knochenzylinder im Kreis herum möglich – von Größe 3 nach 2, von 2 nach 1.
  • Abb. 2: TRT-Trepanbohrer: Einsetzen in der Führungsrille, Versenken des Zylinderbohrers im Knochenlager.
  • Abb. 3a u. 3b: Durch Formkongruenz ist ein Versetzen der Knochenzylinder im Kreis herum möglich – von Größe 3 nach 2, von 2 nach 1.

  • Abb. 4: Knochenspangewinnung mit dem Bohrer 9126.
  • Abb. 4: Knochenspangewinnung mit dem Bohrer 9126.

Gewinnung von Knochenspänen

Der Knochenspanbohrer 9126 generiert Späne im spongiösen Knochen unter sehr geringer Belastung des Spenderareals. Ein kleiner Schnitt, leichte Expansion des Weichgewebes, wenige Umdrehungen des Knochenspanbohrers – und schon ist das trichterförmige Arbeitsteil mit partikulären, ortsständigen Knochenspänen gefüllt. Dabei handelt es sich um eine gut durchblutete und perfekt modellierbare Masse (Abb. 4).

Spreizen und Kondensieren

Initialer Schnitt mit Schallsäge

  • Abb. 5: Einsatz des schallaktiven Sägeblattes: Kieferkammvertiefung mit nur 0,25 mm Schnittstärke – Schallsäge SFS101.

  • Abb. 5: Einsatz des schallaktiven Sägeblattes: Kieferkammvertiefung mit nur 0,25 mm Schnittstärke – Schallsäge SFS101.
Bereits vor der Kierferkammspreizung lässt Dr. Neumeyer beim initialen Entlastungsschnitt den atraumatischen Grundgedanken und Sicherheit walten, indem er zur Schallsäge SFS100 bzw. 101 nach Dr. Agabiti (Komet) greift: „Mit der Sonosurgery-Schallsäge ziehe ich Schnitte von nur 0,25 mm Breite – ein entscheidender Vorteil bei besonders schmalen Kieferkämmen“ (Abb. 5). Die Schallsäge schneidet nur auf Hartgewebe, denn das Weichgewebe schwingt bis zu einer Frequenz von zirka 50.000 Hz mit, sodass die Schnittgeschwindigkeit auf Weichgewebe gleich Null ist. Das gibt dem Behandler die Sicherheit, keine Gefäße und Nerven zu verletzen. Vorsicht ist nur beim externen Sinuslift bei der Schneider’schen Membran geboten: Sie hat einen Verbund zum Hartgewebe und kann nicht so gut mitschwingen. Auch oszillierende Geräte – ob Schall oder Ultraschall – sind hier generell mit besonderer Vorsicht einzusetzen. Was also unter maximaler Hart- und Weichgewebsschonung mit der Schallsäge beginnt, muss nun unter der gleichen Prämisse fortgesetzt werden.

Kieferkammspreizung und Knochenkondensierung

Mit MaxilloPrep Spread-Condense stehen grazile, runde und trianguläre Schrauben in fünf Größen zur Verfügung (Abb. 6). Durch diese Kombination kann selbst eine frakturgefährdete Empfängerregion schonend aufgedehnt werden (Abb. 7). Die Schrauben werden einfach in steigender Reihenfolge ein- und wieder ausgeschraubt – auf diese elegante Weise wird der Knochen mobilisiert und aufgedehnt bzw. dessen Restelastizität kann die Knochenlagergestaltung unterstützen.

  • Abb. 6: Frontansicht: Einsatz MaxilloPrep Spread-Condense Gr. 1 und 2.
  • Abb. 7: Inzisalansicht.
  • Abb. 6: Frontansicht: Einsatz MaxilloPrep Spread-Condense Gr. 1 und 2.
  • Abb. 7: Inzisalansicht.

Dr. Neumeyer: „Mit dieser Verfahrenstechnik arbeitet der Zahnarzt mit intelligenten Instrumenten, die eine nahezu knochentypische Verhaltensweise zur Be- und Entlastung zeigen.“ Der Behandler selbst wird beim ersten Mal Spreizen und Kondensieren insofern eine Veränderung erleben, weil er nicht mehr rotierend, sondern manuell und instrumentell mit extrem reduziertem Drehmoment arbeitet. Er ist dadurch erstmals in der Lage, auch auf eine äußerst kritische Knochenstruktur perfekt reagieren zu können. Dr. Neumeyer: „Die enorme Anforderung an die Taktilität der Zahnärzte, wie sie bei herkömmlichen Augmentationsmethoden vonnöten war, ist mit MaxilloPrep Spread-Condense definitiv reduziert. Die Taktilität übernehmen quasi die triangulären Schrauben, weil sie ein schonendes Verhalten durch die aufsteigende Gewindestruktur bei der Be- und Entlastung automatisch vorgeben.“ In diesen rotierenden, speziell gestalteten Instrumenten ist die Aufdehnung und Entlastung konstruktiv implementiert (Abb. 8). So gibt es immer weniger Situationen, bei denen eine Auflagerungsplastik vorzuziehen wäre (Abb. 9).

  • Abb. 8: Federndes Spreading aufgrund unterschiedlicher Durchmesser, bedingt durch 3 plane Flächen.
  • Abb. 9: Erfolgreich inseriert: drei Implantate im ausreichend verbreiterten Kieferkamm (Aesthura Classic, Nemris).
  • Abb. 8: Federndes Spreading aufgrund unterschiedlicher Durchmesser, bedingt durch 3 plane Flächen.
  • Abb. 9: Erfolgreich inseriert: drei Implantate im ausreichend verbreiterten Kieferkamm (Aesthura Classic, Nemris).

Strukturbiologische Grundordnung

Komet hat mit den Ideen von Dr. Neumeyer eine komplett neue Philosophie für eine einzeitige, stabile Hohlraumgestaltung und anschließende Implantation etabliert. Damit wurde eine intelligente Augmentationstechnik geschaffen, die von den entsprechenden Instrumenten begleitet wird: MaxilloPrep Bone und MaxilloPrep Spread-Condense. Unter optimaler Ausnutzung des Knochenlagers und unter Achtung der Strukturbiologie kann nicht nur die Belastung für den Patienten minimiert, sondern auch die Gestaltung des Implantatbettes im Grundsatz vereinfacht und optimiert werden. Der Preis für das modular aufbaubare System gewährleistet ein vernünftiges Kosten-Nutzen-Verhältnis. Dr. Neumeyer: „Mir war es wichtig, den Kollegen ein übersichtliches und ökonomisches Instrumentarium an die Hand zu geben, mit dem sie vorhersagbare Ergebnisse erzielen können. Von dieser Sicherheit profitieren Patient und Zahnarzt gleichermaßen.“

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Weitere Informationen:

* Komet Dental
Gebr. Brasseler GmbH & Co. KG
Trophagener Weg 25
32657 Lemgo
Tel.: 05261 701-700
www.brasseler.de

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Stefan Neumeyer


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