Studienergebnisse zu Glasionomerzementen und EQUIA

Drucken Von Marcel Meurer    aktualisiert am 29.12.2011

Anfang des Jahres 2011 wurde der Indikationsbereich für das glasionomerbasierte Füllungssystem EQUIA erweitert, sodass die Anwendung des Materials auch für den Einsatz bei kaudruckbelasteten Klasse-I- und Klasse- II-Kavitäten im Rahmen permanenter Versorgungen im Seitenzahnbereich empfohlen wird. Nachfolgend wird über die derzeitige Daten- und Studienlage zu Glasionomerzementen und insbesondere zu EQUIA berichtet, auf deren Grundlage es u. a. zu den Indikationsempfehlungen kam.

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Während Glasionomerzemente (GIZ) seit der erstmaligen Erwähnung als zahnärztlicher Werkstoff 197212 beständig weiterentwickelt wurden, hat es nun nach verschiedenen materialbezogenen Modifikationen auch überzeugende Fortschritte durch den Einsatz von lichthärtenden Kompositen als Schutzschicht gegeben. Der Überzug sorgt dabei neben verbesserten mechanischen Materialeigenschaften auch für eine überzeugende Ästhetik.

Daten zu GIZ in Klasse I, II und V

In einem systematischen Überblick9 wurde im Jahr 2010 die damals aktuelle Datenlage hinsichtlich hochvisköser GIZ für permanente Versorgungen der Klasse I, II und V bewertet. Besonders berücksichtigt wurden hierbei auch Arbeiten, die Fuji IX GP untersuchten, auf deren Basis die Füllungskomponente von EQUIA (GC Germany, Bad Homburg) entwickelt wurde. Die Übersichtsarbeit kam über insgesamt vierzehn klinische Studien mit insgesamt 27 Teilstudien zu den folgenden Ergebnissen:
  1. Die meisten Restaurationen mit Fuji IX GP zeigten keine statistischen Unterschiede zu den Erfolgsraten im Vergleich mit Amalgamversorgungen in denselben Kavitätenklassen.
  2. In einer der Teilstudien hatten die Versorgungen von Klasse-V-Kavitäten im hinteren Seitenzahnbereich eine um 28 Prozent höhere Er folgswahrscheinl ichkei t al s Amalgamversorgungen nach 6,3 Jahren.
  3. Zwei der 27 Teilstudienergebnisse wiesen darauf hin, dass die hochviskösen Restaurationen im hinteren Seitenzahnbereich bei Klasse- I-Kavitäten nach 2,3 Jahren eine um sechs Prozent und nach 4,3 Jahren sogar um neun Prozent höhere Erfolgswahrscheinlichkeit aufweisen.
  4. Kein Ergebnis deutete zudem darauf hin, dass die GIZ-basierten Füllungen Amalgam in der klinischen Anwendung unterlegen waren.

Damit zeigte diese Arbeit, dass z. B. EQUIA unter gleichen klinischen Gegebenheiten und bei einer der Indikation entsprechenden Anwendung dem Amalgam nicht unterlegen ist.

Ergebnisse zu Fluoridabgabe, Bruchfestigkeit und weiteren Materialeigenschaften

Glasionomerbasierte Füllungsmaterialien weisen zudem im Vergleich mit Kompomeren eine signifikant höhere Fluoridabgabe auf11. Des Weiteren zeigen Restaurationen mit GIZ, dass im Spaltbereich nach sechs Jahren signifikant weniger kariöse Läsionen auftreten als bei Amalgamversorgungen10.

Während die frühen konventionellen Glasionomerzemente zunächst schon als Alternative zu Amalgam angesehen und verwendet wurden, zeigte sich, dass diese insbesondere im kaudruckbelasteten Seitenzahnbereich hohe Verschleißerscheinungen und eine erhöhte Bruchneigung aufweisen. Dies führte unweigerlich dazu, dass der Einsatz von GIZ in der Praxis zunächst eingeschränkt wurde. Ein weiterer Faktor, der den Einsatz des Materials behinderte, ist, dass die Materialklasse eine hohe Opazität aufweist. Da das Material einfach im Handling ist, wurde jedoch hiermit weiter geforscht und auch in der zahnärztlichen Praxis gearbeitet. 2007 wurden dann erste vielversprechende Ergebnisse mit dem modifizierten Fuji IX nach einem Beobachtungszeitraum von zwei Jahren publiziert3.

Durch die Entwicklung eines lichthärtenden Kompositüberzugs wurde auf Basis von Fuji IX das zweistufige Füllungskonzept EQUIA entwickelt. Das mit einem lichthärtenden Kunstharz modifizierte System verbessert die Eigenschaften der Füllungskomponente so weit, dass das Material mittlerweile hinsichtlich Belastbarkeit und Frakturresistenz mit dem „Goldstandard“ Amalgam mithalten kann1. Das System aus einer neuen Generation speziell entwickelter Glaskörper (EQUIA Fil) und einem gefüllten Kompositüberzug (EQUIA Coat) ist als ein Kombinationsprodukt aus Glasionomer und Komposit einzustufen.

Eine weitere Studie zeigt, dass die besondere Kompositschutzschicht über der glasionomerbasierten Füllungskomponente die Bruchfestigkeit der fertigen Restauration erheblich verbessert6. Darüber hinaus sorgt die Schutzschicht für eine optimierte Randdichtigkeit7, wobei der Überzug die Fluoridabgabe der Füllungskomponente zwar einschränkt, aber diese nicht verhindert. Somit ist auch hier noch ein antikariogener Effekt durch die Abgabe von Fluorid in der Mundhöhle nachweisbar8.

Studien zu Füllungen mit 24 Monaten Liegezeit

Während konventionelle GIZ hauptsächlich für temporäre Versorgungen eingesetzt werden, hat sich EQUIA auch über einen längeren Zeitraum als verlässliche Versorgung erwiesen und durch gute Erfolgsraten überzeugt. Eine klinische Untersuchung mit insgesamt 245 Patienten über einen Zwei-Jahres-Zeitraum dokumentiert dabei, dass EQUIA eine verlässliche Wahl für Langzeitversorgungen darstellt, sogar bei kaubelasteten Zahnoberflächen2. In einer retrospektiven Kohortenstudie4 wurde die Eignung von EQUIA als permanentes Restaurationsmaterial in posterioren Kavitäten untersucht. Dazu bewertete man 26 Klasse- I- und 125 Klasse-II-Füllungen mit einer mittleren Liegezeit von 24 Monaten bei insgesamt 43 Patienten in sechs Zahnarztpraxen nach den international anerkannten modifizierten USPHS-Kriterien (United States Public Health Service). Gemäß den Ergebnissen können mit EQUIA gelegte Füllungen nicht nur als Kurz- oder Langzeitprovisorien, sondern auch als permanente Restaurationen im Seitenzahnbereich dienen. In einer weiteren Studie wurde festgestellt, dass die klinische Performance von EQUIA vergleichbar mit der von Mikrohybridkompositen ist5.

Fazit

Derzeit hat sich das zweistufige Füllungskonzept für das Material EQUIA in Studien so weit bewährt, dass es aktuell für die folgenden Anwendungsbereiche empfohlen wird:
  1. Restaurationen der Klasse I
  2. unbelastete Restaurationen der Klasse II
  3. kaudruckbelastete Restaurationen der Klasse II, sofern der Isthmus weniger als die Hälfte des Interkuspidalraumes beträgt
  4. Klasse V und Wurzelkariesbehandlung
  5. Stumpfaufbauten

Einige derzeit laufende Langzeitstudien – darunter eine prospektive, randomisierte und verblindete Fünfjahresstudie der Universität Greifswald – zeigen bislang, dass EQUIA auch Potenzial hat, zukünftig in darüber hinausgehenden Indikationen eingesetzt zu werden. 

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ZMK | Jg. 27 | Ausgabe 12 _ Dezember 2011


Literaturverzeichnis

  1. Basso M, Teeth restoration using a high-viscosity glass ionomer cement: the Equia® system, J Minim Interv Dent, Vol. 4, No. 3. (May 2011), pp. 74-76.
  2. Basso M et al., (2011), 2 years clinical evaluation of EQUIA, IADR San Diego, Abstract 2494.
  3. Burke FJ, Siddons C, Cripps S, Bardha J, Crisp RJ, Dopheide B., Clinical performance of reinforced glass ionomer restorations placed in UK dental practices, Br Dent J. 2007 Jul 14;203(1):E2; discussion 40-1. Epub 2007 Jun 1.
  4. Friedl K, Hiller KA, Friedl KH: Clinical performance of a new glass ionomer based restoration system: A retrospective cohort study. Dent Mat (2011), 12. August [Online-Veröffentlichung vor Druck].
  5. Gurgan S et al., (2011), 12-Month Clinical Performance of a New Glass-Ionomer Restorative System, IADR San Diego, Abstract 3246.
  6. Lohbauer U, Krämer N, Siedschlag G, Schubert EW, Lauerer B, Müller FA, Petschelt A, Ebert J, Strength and wear resistance of a dental glass-ionomer cement with a novel nanofilled resin coating, American Journal of Dentistry, Vol. 24, No. 2 (April 2011).
  7. Magni E, Zhang L, Hickel R, Bossù M, Polimeni A, Ferrari M. SEM and microleakage evaluation of the marginal integrity of two types of class V restorations with or without the use of a light-curable coating material and of polishing. J Dent 2008; 36: 885-91.
  8. Mazzaoui SA, Burrow MF, Tyas MJ. Fluoride release from glass ionomer cements and resin composites coated with a dentin adhesive. Dent Mater 2000; 16: 166-71.
  9. Mickenautsch S, Yengopal V, Banerjee A. Atraumatic restorative treatment versus amalgam restoration longevity: a systematic review. Clin Oral Investig 2010; 14: 233-40.
  10. Mickenautsch S, Yengopal V. Absence of carious lesions at margins of glass-ionomer cement and amalgam restorations: An update of systematic review evidence. BMC Res Notes 2011; 4: 58.
  11. Oliveira LB, Bönecker M, Mickenautsch S. Glass ionomer cement and compomers - fluoride release. J Minim Interv Dent 2010; 3: 23–abstract 023.
  12. Wilson AD, Kent BE. A new translucent cement for dentistry. A glass ionomer cement. Br Dent J. 1972 Feb 15;132(4):133-5.

Marcel Meurer

Goldenfelsstraße 24

50935 Köln

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