Neue Alternative für permanente Seitenzahnrestaurationen

Drucken Von Dr. Thomas Klinke    aktualisiert am 19.09.2011

Glasionomere stellen heute einen festen Bestandteil der Füllungstherapie dar, sodass auf dem Markt eine Vielzahl entsprechender Produkte angeboten wird. Ein Produkt ist das System EQUIA, das eine Kombination aus Glasionomer und Komposit darstellt. Seine erweiterte Indikationsstellung umfasst nun auch die Freigabe für bestimmte kaudruckbelastete Regionen im Seitenzahnbereich. Es bietet sich damit sowohl aus ästhetischen Gründen wie auch aufgrund der Kostenerstattung durch die GKV im erweiterten Indikationsbereich als Alternative zu Amalgam an. Herstellerangaben fließen in die folgenden Ausführungen ein.

Amalgamfüllung und Approximalkaries (14 und 16).
Amalgamfüllung und Approximalkaries (14 und 16).


Immer häufiger verlangen Patienten nach einer amalgamfreien Versorgung. Die Gründe hierfür sind – in seltenen Fällen – Unverträglichkeiten, vor allem aber ästhetische Gesichtspunkte. Doch nicht alle Patienten sind bereit oder in der Lage, die Mehrkosten für aufwendige hochästhetische Lösungen, wie zum Beispiel Kompositversorgungen, zu tragen. EQUIA (Fa. GC Germany, Bad Homburg) bietet sich hier als eine funktionelle Alternative zu Amalgam für Seitenzahnrestaurationen an.

Das Produkt und seine Eigenschaften

Das Kombinationsprodukt aus glasionomerbasierter Füllungskomponente und Kompositlack überzeugt dabei sowohl unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten als auch durch die einfache Verarbeitungsmöglichkeit. Die werkstoffliche Grundlage für den Erfolg liegt im Zusammenwirken der beiden Komponenten: Die Füllungskomponente EQUIA Fil wird mit einer Schicht aus dem lichthärtenden Komposit EQUIA Coat überzogen. Im Ergebnis verbessern sich damit gegenüber einem herkömmlichen Glasionomer sowohl die physikalischen als auch die ästhetischen Eigenschaften. Daten einer kürzlich vorgestellten retrospektiven Studie über zwei Jahre haben gezeigt, dass das System auch als permanentes Füllungsmaterial für sämtliche Klasse-I-Kavitäten und darüber hinaus für kleinere Kavitäten der Klasse II verwendet werden kann1. Weitere Studien zeigen zudem, dass EQUIA auch über einen längeren Zeithorizont hinaus überzeugen kann2. Damit steht nun neben Amalgam ein weiteres Material für permanente zuzahlungsfreie Versorgungen zur Verfügung. EQUIA hat zudem den Vorteil, dass der Zahnarzt bei Basisversorgungen nun auch auf eine vergleichsweise ästhetische Alternative zurückgreifen kann, die von den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) erstattet wird.

Klinisches Anwendungsbeispiel

Der hier vorgestellte Fall beschreibt eine Patientin, die sich zu einer Routinekontrolle in der Klinik vorstellte. Aufgrund einer leichten Zahnarztphobie hatte sie seit einigen Jahren keine Praxis mehr aufgesucht. Die angefertigte Übersichtsaufnahme zeigt an mehreren Stellen kariöse Bereiche (Abb. 1) sowie eine insuffiziente Amalgamversorgung (Abb. 2a u. b).
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Abb. 1: Ausgangssituation mit insuffizienter Amalgamfüllung und Approximalkaries (14 und 16).   Abb. 2a: Ausgangssituation mit insuffizienten Amalgamfüllungen.   Abb. 2b: Ausgangssituation mit insuffizienten Amalgamfüllungen.  
Zunächst erfolgte die Einbindung der Patientin in die zahnärztliche Prophylaxe. Diese Maßnahme hilft einerseits, die Compliance der Patienten zu verbessern, und ist andererseits ein gutes Mittel, um der Zahnarztangst entgegenzuwirken. Da EQUIA Fil gegen Feuchtigkeit unempfindlich und gut applizierbar ist, wurde hier das zweistufige Seitenzahnrestaurationskonzept auf Glasionomer-Basis verwendet. Es wurde die Entscheidung getroffen, die insuffizienten Amalgamfüllungen auszutauschen. Ausdrücklicher Patientenwunsch war hierbei die amalgamfreie Versorgung ohne Zuzahlung. Zunächst erfolgte eine Sensibilitätsprüfung von 14 und 16 mit einem positiven Resultat für beide Zähne. Nach Präparation der Kavitäten wurde an 14 eine okklusaldistale Füllung gelegt; Zahn 16 wurde mesio-okklusal versorgt (Abb. 3a u. b).
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Abb. 3a: Die Versorgung nach Applikation der Füllungskomponente (21.10.2009).   Abb. 3b: Die Versorgung nach Applikation der Füllungskomponente (21.10.2009).  
Optional kann vor der Versorgung ein Conditioner zur Dentin-Konditionierung (GC Cavity Conditioner) aufgetragen werden. Dieser Schritt ist nicht zwingend erforderlich, jedoch kann dieses Vorgehen zu einer verbesserten Haftung der Füllung beitragen. Die erste Füllungskomponente lässt sich zügig in die präparierte Kavität einbringen. Die zweite Komponente, der hochgefüllte, lichthärtende Kompositlack (EQUIA Coat), verbessert die physikalischen Eigenschaften der Füllung. Das Coating sorgt für eine höhere Abrasionsbeständigkeit und deutlich verbesserte Bruchfestigkeitswerte sowie für eine verbesserte Ästhetik. Die Patientin stellte sich nach zwölf Monaten zu einem Kontrolltermin vor. Die Versorgungen an den Zähnen 14 und 16 wiesen keine Verschleißerscheinungen auf und zeigten weiterhin eine überzeugende Ästhetik (Abb. 4a u. b).
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Abb. 4a: Beim Kontrolltermin (06.12.2010) überzeugt die Versorgung.   Abb. 4b: Beim Kontrolltermin (06.12.2010) überzeugt die Versorgung.   Abb. 5a: Situation nach dem erneuten Auftragen des Coatings (06.12.2010).   Abb. 5b: Situation nach dem erneuten Auftragen des Coatings (06.12.2010).  
Diese lässt sich bei Bedarf durch ein erneutes Aufbringen des Coatings verbessern (Abb. 5a u. b). Aufgrund der schnellen und auch ästhetisch überzeugenden Versorgung hat auch die Zahnarztangst der Patientin merklich abgenommen. Auch nach mehr als vierzehn Monaten ist das Ergebnis aus funktioneller sowie ästhetischer Sicht einwandfrei (Abb. 6a u. b).
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Abb. 6a: Auch nach mehr als vierzehn Monaten ist das Ergebnis aus funktioneller und ästhetischer Sicht einwandfrei.   Abb. 6b: Auch nach mehr als vierzehn Monaten ist das Ergebnis aus funktioneller und ästhetischer Sicht einwandfrei.  


Fazit

Der Zahnarzt erreicht mit EQUIA eine ansprechende Ästhetik und die klinische Anwendung ist einfach und wirtschaftlich für ihn. Der Patient erhält eine permanente Basisversorgung ohne Zuzahlung und ist dabei nicht auf Amalgam angewiesen. Die Patientin ist mit dem Ergebnis aus ästhetischer Sicht zufrieden und hat aufgrund der schnellen und unkomplizierten Versorgung (Originalton: „War das schon alles?“) schon bedeutend weniger Probleme, zum Zahnarzt zu gehen.

Den Artikel mit Abrechnungstipp können Sie per pdf. (siehe  oben) nochmals einsehen. 

 

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Fotostrecke
Abb. 1: Ausgangssituation mit insuffizienter Amalgamfüllung und Approximalkaries (14 und 16).   Abb. 2a: Ausgangssituation mit insuffizienten Amalgamfüllungen.   Abb. 2b: Ausgangssituation mit insuffizienten Amalgamfüllungen.   Abb. 3a: Die Versorgung nach Applikation der Füllungskomponente (21.10.2009).   Abb. 3b: Die Versorgung nach Applikation der Füllungskomponente (21.10.2009).   Abb. 4a: Beim Kontrolltermin (06.12.2010) überzeugt die Versorgung.   Abb. 4b: Beim Kontrolltermin (06.12.2010) überzeugt die Versorgung.   Abb. 5a: Situation nach dem erneuten Auftragen des Coatings (06.12.2010).   Abb. 5b: Situation nach dem erneuten Auftragen des Coatings (06.12.2010).   Abb. 6a: Auch nach mehr als vierzehn Monaten ist das Ergebnis aus funktioneller und ästhetischer Sicht einwandfrei.   Abb. 6b: Auch nach mehr als vierzehn Monaten ist das Ergebnis aus funktioneller und ästhetischer Sicht einwandfrei.  

ZMK | Jg. 27 | Sonderausgabe _Juli/August 2011


Literaturverzeichnis

  1. K.-H. Friedl et al. (2011), 2 year retrospective study, IADR San Diego, Abstract 3240.

  2. vgl. u. a. M. Basso et al. (2011), 2 years clinical evaluation of EQUIA, IADR San Diego, Abstract 2494 und S. Gurgan et al. (2011), 12-Month Clinical Performance of a New Glass-Ionomer Restorative System, IADR San Diego, Abstract 3246.

Dr. Thomas Klinke

Ernst-Moritz-Arndt-Universität

Poliklinik für zahnärztliche Prothetik

Alterszahnheilkunde und medizinische Werkstoffkunde

Rotgerberstraße 8

17475 Greifswald

Tel.: 03834 867140

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