ZMK-aktuell – der Newsletter
Alle 14 Tage die aktuellsten Meldungen, Tipps und Trends aus der Zahnheilkunde in Ihre Mailbox. >>Jetzt kostenlos abonnierenCAD/CAM-Erfahrung: Biogenerische Kronen funktionieren besser
DruckenDie „Architektur“ der Kauflächen ist kein Zufallsprodukt der Natur, sondern sie folgt einem genetischen „Bauplan“. Damit sind die Kauflächen Unikate gleich einem Fingerabdruck, der jeden Menschen differenziert. Die prothetische Kauflächengestaltung durch den Zahntechniker oder mittels der Datenbank in CAD/CAM-Systemen stellt daher – wie der Autor des folgenden Beitrages meint – im Vergleich zur computergestützten Kauflächengestaltung mit der biogenerischen CEREC-Software in funktioneller Hinsicht nur eine Kompromisslösung dar. Warum er das so sieht und welche Erfahrungen er mit dem Einsatz der neuen Software gemacht hat, erläutert er in den nachfolgenden Ausführungen, die auch Produktangaben einbeziehen.

Abb. 1: Eingeblendetes statisches Registrat des Antagonisten.
Da die Kauflächen für die funktionelle Okklusion verantwortlich sind, erfordert ihre Rekonstruktion im Rahmen einer prothetischen Rehabilitation viel Erfahrung. Das zahntechnische Aufwachsen erfolgt in der Regel pragmatisch nach erlernten Vorbildern. Die Zahndatenbank in CAD/CAM-Systemen hingegen bietet Vorschläge, die ausschließlich auf prothetischen Konfektionszähnen basieren und im Einzelfall individuell angepasst werden müssen. All diese Verfahren sind Kompromisslösungen, die zwar in der Praxis brauchbare Ergebnisse ermöglichen, aber einen erheblichen Zeitaufwand in der Modellierungsphase oder Einschleifmaßnahmen beim klinischen Eingliedern erfordern. Die computergestützte Kauflächengestaltung mit der biogenerischen CEREC-Software V3.80 reproduziert für jeden Patienten individuell den naturgetreuen Zahn. Dadurch erhalten Inlays, Onlays, Teilkronen und Kronen patientenspezifische Okklusalflächen mit funktionellen Eigenschaften.
Bislang basieren alle Ansätze zur computergestützten Okklusionsgestaltung auf sogenannten Zahnbibliotheken, die Modellformen für jede Position des menschlichen Zahnschemas enthalten. Herkömmliche CAD/CAM-Programme bedienen sich einer Datenbank, indem sie den passenden Beispielszahn aus der Bibliothek einsetzen. Da Datenbankzähne auf prothetisch konzipierten Okklusions-Morphologien basieren, ist stets eine manuelle Anpassung an die Anatomie der patientenspezifischen Kaufläche erforderlich. Ferner erfolgt die Auswahl des Bibliothekszahns subjektiv, d. h., die Form kann sich nicht auf metrische Gesetzmäßigkeiten stützen. Deshalb erfordern Datenbankzähne in der Regel anatomische Korrekturen und Einschleifmaßnahmen im Rahmen der intraoralen Eingliederung.
Die biogenerische Kauflächenrekonstruktion hingegen orientiert sich ausschließlich an der individuellen Zahnsituation des Patienten mit dem Nutzen, dass das spezifische Okklusionsbild auch eine bessere Funktionalität gewährleistet. Dieses Verfahren wurde dadurch eingeleitet, dass erstmalig mathematische Formeln gefunden wurden, mit denen sich natürliche Okklusions-Morphologien beschreiben ließen, die aus der Analyse von Tausenden intakter Zahnoberflächen gewonnen wurden. Damit können alle in der Natur vorkommenden Kauflächen für jeden Zahntyp mit wenigen Parametern und Merkmalen beschrieben werden. In praxi wird ein beliebiger, intakter Referenzzahn des Patienten mit der Aufnahmeeinheit intraoral gescannt. Die unterschiedlichen Merkmale, wie Höckerspitzen, Fissuren, Randleisten, Höckerabhänge, aber auch ausgedehnte Flächenareale, werden vom System untersucht. Die okklusale Merkmalsanalyse findet automatisch Gesetzmäßigkeiten zwischen einer großen Anzahl unterschiedlicher, natürlicher Zahnmorphologien und dem Referenzzahn, die in das biogenerische Modell eingehen. Mit diesen Daten berechnet das System eine individuelle, passende Zahnform und die Kaufläche, die in die Konstruktions-Software eingefügt werden. Die bisweilen aufwendige manuelle Anpassung an die klinische Situation entfällt weitestgehend.
Biogenerik in der Praxis
Als CEREC- Anwender seit 1989 habe ich alle Gerätegenerationen kennengelernt und den Weg zum universellen Restaurationssystem begleitet. Neben der Option, dass Restaurationen oftmals in einer Sitzung und ohne Provisorium möglich sind, begrüßen es meine Patienten, dass die Abformung stets lichtoptisch und somit berührungsfrei erfolgt. In den vergangenen zwei Jahren habe ich mit der biogenerischen Kauflächengestaltung für Inlays, Onlays und Teilkronen gearbeitet. Die Software verfügt über eine Restsubstanzerkennung und errechnet mithilfe von Algorithmen die fehlende Kauflächen-Morphologie. Dadurch wird die Individualisierung der Okklusalflächen für mehrflächige Restaurationen erheblich vereinfacht. Höcker, Fossa, Fissuren, Randleisten, Kontakte, Gleitflächen – alles passt gut zueinander. Deshalb war die Ausweitung der biogenerischen Software auf Kronenkauflächen die logische Konsequenz.
Als Betatester behandle ich nun seit einigen Wochen mit der neuen CEREC-Software V3.80 für biogenerische Kauflächen und nutze sie für die Berechnung der Okklusalflächen bei der Rekonstruktion von Kronen. Damit ersetze ich meist insuffiziente Metallkronen. Das Verfahren ist leicht erlernbar und weitgehend automatisiert. Nach der Präparation des Kronenstumpfes genügt ein intraoraler Scan eines beliebigen intakten Zahns – auch aus einem anderen Quadranten – und des Antagonisten.
Bei geschlossener Okklusion nimmt man dann zwei zusammenhängende Aufnahmen aus vestibulärer Richtung, sodass man präzise die Okklusionssituation nachvollziehen kann. In Sekunden wird die Kaufläche errechnet und virtuell in die Kronenkonstruktion eingefügt. Anfangs wünschte ich mir aus Gewohnheit die Zahndatenbank zurück, aber schon nach wenigen Kronen-Restaurationen erwies sich, dass die biogenerisch generierten Kauflächen besser passten als jene aus der Zahndatenbank. Im Ergebnis war der Korrekturbedarf bei der Eingliederung sehr gering; der Einschleifaufwand reduzierte sich auf das Entfernen von Frühkontakten. Oftmals reichte bei glasierten Okklusalflächen eine Politur aus. Vom Fortschritt der Biogenerik bin ich überzeugt und freue mich auf mögliche Weiterentwicklungen, z. B. dass die Software künftig auch die Unterkieferbewegungen in die Kauflächenberechnung einbeziehen wird.
Fallbeispiel
Im vorliegenden Patientenfall (Abb. 1–4) war Zahn 38 mit einer insuffizienten Krone, die Implantate regio 36 und 37 mit Kronen auf Zirkoniumdioxidgerüsten versorgt. Nach der Präparation von Zahn 38 wurde Zahn 35 als intakter Referenzzahn ausgewählt und gescannt. Die Oberfläche des Antagonisten wurde mit einem statischen Registrat ermittelt. Nach der Kauflächenberechnung und Freigabe der Konstruktion wurde die Krone vollanatomisch – also gerüstfrei – aus Lithiumdisilikat (e.max CAD) ausgeschliffen, kristallisiert und glasiert. Bei der Einprobe waren keine Nacharbeiten erforderlich; die Okklusion war einwandfrei und entsprach der virtuellen Krone.
Die biogenerische Kauflächengestaltung bezieht ihre Berechtigung aus den besseren funktionellen Eigenschaften der Restauration. Je genauer die Zahnmorphologie dem natürlichen Vorbild entspricht, umso besser fügt sich die Restauration in die dynamische Okklusion ein. Damit erspare ich mir Aufwand und Zeit, weil das Einschleifen – falls erforderlich – nur noch minimale Bedeutung hat. Das biogenerische Verfahren zur Kauflächengestaltung ist vergleichbar mit einem Maßanzug, der kundenspezifisch geschneidert wird. Diese Perfektion kann ein Konfektionsanzug – hier die Zahndatenbank – nicht bieten. Das Ergebnis der patientenspezifisch generierten, morphologisch justierten Kronenvorschläge ist die gute Passung und auch die Verkürzung der Behandlungszeit. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich die biogenerische Kauflächen-Software im CEREC-System nicht mehr missen möchte.









Leser-Kommentare
Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu verfassen.