Ozongas: Einsatzmöglichkeiten in der Zahnarztpraxis

Drucken Von Dr. Achim Sieper    aktualisiert am 25.08.2011

Ozon kann in der Zahnmedizin für die Desinfektion u. a. in der Kariestherapie oder Endodontie eingesetzt werden. Diese und weitere Möglichkeiten nebst der Wirkweise des Ozons sowie ein auf dem Markt erhältliches Gerät zur Ozontherapie werden unter Nennung von Herstellerinformationen vorgestellt.

Das HealOzone-Gerät X4
Das HealOzone-Gerät X4


Ozongas ist vielen Menschen als schädliches Gas bekannt, welches vor allem in heißen Sommern in der Atmosphäre gebildet wird. Es kann aber auch „zum Nutzen der Menschheit eingesetzt werden“1. Schon seit dem 19. Jahrhundert fand es aufgrund seiner bakteriziden, fungiziden und virusinaktivierenden Eigenschaften Anwendung in der Medizin2 und wird in der vergangenen Zeit immer häufiger empfohlen.

Charakteristik und Wirkung von Ozon



 „Ozon (O3) ist ein farbloses bis blaues Gas mit einem charakteristischen Geruch, das bei einem Molekulargewicht von 48 schwerer ist als Luft“1. In der Natur wird Ozon durch den Aufprall von ultraviolletter Strahlung auf die Erdatmosphäre gebildet. Dabei wird Luftsauerstoff aufgespalten und es entstehen täglich 300.000.000 t Ozon, welches die Ozonschicht bildet. Diese Schicht dient als Filter gegen die Ultraviolett- Strahlung der Sonne und ermöglicht so das Leben auf der Erde3. Es schützt gegen UV-B-Strahlung, die bei zu hoher Exposition zu Hautkrebs führen kann. Ozon kommt nicht nur in der Medizin zum Tragen, sondern es wird schon seit langem zur Aufbereitung von Wasser in der Trink- und Abwasserindustrie benutzt4. Hier kommt es zur Abtötung pathogener Keime. Die bakterizide Wirkung basiert auf einer irreversiblen Oxidation durch die Sauerstoffradikale. Diese Oxidation inaktiviert die Zellwände von Mikroorganismen, zytoplasmatische Membranen sowie einzelne Gruppen in bakteriellen Enzymen. Weiterhin zerstört es Moleküle, die in Bakterienwände eingebaut werden oder die diesen als Nahrung dienen. Aufgrund seiner hohen Reaktivität ist es eines der stärksten Zellgifte und wirkt bakterizid, fungizid und viruzid. Experimentell konnte bewiesen werden, dass hochgradig schädliche Mikroorganismen durch ozoniertes Wasser geschädigt werden und die Aktivität von Bakterien zum Stillstand kommt. Dieser Mechanismus beruht auf Oxidationsreaktionen an der Bakterienzellmembran, an welcher Glykoproteine, Glykolipide und andere Aminosäuren angegriffen werden. Daraus resultiert die Zelllyse5.

Ozon in der Medizin und Zahnmedizin



Die Entdeckung von Ozon fand im Jahr 1839 durch den Chemiker C.F. Schönbein statt. Achtzehn Jahre später entwickelte Werner von Siemens den ersten Ozon-Generator. Seitdem hat sich Ozon in der Medizin etabliert. Es wird bei externen Ulzera und Hautläsionen, zur Blutgerinnung und zur Therapie von Infektionen oder Tumorerkrankungen angewendet4. Ebenfalls in der Augenheilkunde wurde bereits die Anwendung von Ozon zur Behandlung von optischen Neuropathien, Glaukom und verschiedenen Erkrankungen der Netzhaut untersucht5. Erst 1934 kam Ozon in der Zahnmedizin zum Einsatz. E.A. Fisch untersuchte den Einsatz von Ozon in gangränösen Kanälen, darauf folgten die Untersuchungen bei Periimplantitis7, endodontischen Infektionen und Wurzelkaries8. Außerdem kann die Begasung mit Ozon zur Desinfektion von Kavitäten und Wurzelkanälen, bei Mineralisationsstörungen, vor Fissurenversieglung und bei frühkindlicher Karies eingesetzt werden8. Seit dem Ende der 1990er Jahre wird es erfolgreich zur Sterilisation von Dentaleinheiten verwendet.

Anwendungsbereiche in der Zahnheilkunde



Die Behandlung mit Ozon in der Zahnheilkunde ist durch den geringen Zeitaufwand, die unkomplizierte Handhabung und vor allem die schmerzfreie Behandlung sehr patientenfreundlich. In klinischen Studien konnte aufgezeigt werden, dass Ozon auf einem typischen Bakterienboden bakterizid wirkt. Huth et al.9 hat nach der Begasung mit Ozon in Kombination mit einem Remineralisationskit eine Remineralisation der Zahnhartsubstanz festgestellt. Andere klinische Untersuchungen zeigten eine deutliche Keimreduzierung von C. albicans und E. faecalis nach einer Behandlung mit gasförmigen Ozon in Wurzelkanälen10,11. Die Behandlung mit Ozon wird zur Behandlung von folgenden Läsionen empfohlen12:
  • Remineralisation von Wurzelkaries
  • Remineralisation von Glattflächenkaries
  • Remineralisation von Zahnhalskaries
  • vor Fissurenversieglung zu deren Sterilisation

Außerdem findet es Gebrauch in der Parodontologie, Chirurgie und Endodontologie.

Anwendung in der Kariesbehandlung



Wurzelkaries kann palatinal, bukkal sowie approximal entstehen (Abb. 1a u. b.).
Abb. 1a u. b: Inaktive Glattflächenkaries – mögliche Stelle für eine Ozonbehandlung.
Abb. 1a u. b: Inaktive Glattflächenkaries – mögliche Stelle für eine Ozonbehandlung.
Der Hauptkeim der Wurzelkaries ist der Strepptococcus mutans. Steht eine bakterielle Aktivität im Vordergrund einer solchen Läsion, wird eine antibakterielle Therapie mit Gelen oder Lacken sowie Ozon empfohlen. Baysan et al. hat bewiesen, dass eine Behandlung mit Ozon die Baktereinanzahl im infizierten Dentin deutlich reduziert13. Auch in der Behandlung der Zahnhals- und Glattflächenkaries zeigte die Anwendung von Ozon eine Keimreduzierung14 und wird zusätzlich zu der Applikation von Fluorid- und Chlorhexidinpräparaten empfohlen12. Bei der Behandlung von Fissurenkaries muss auf die spezielle Morphologie der Fissuren geachtet werden. Die unterschiedlichen Fissurentypen machen eine komplette Plaqueentfernung fast unmöglich. Zur Beurteilung einer Fissurenkaries sollte deshalb zusätzlich zu den Röntgenaufnahmen die Untersuchung mit einem Diagnodent- Gerät stattfinden (Abb. 2).
Abb. 2: Das Diagnodent zur Kariesbestimmung.
Abb. 2: Das Diagnodent zur Kariesbestimmung.
So zeigten Studien nach einer Desinfizierung von Fissuren mit Primärkaries deutlich niedrigere Werte (Diagnodent) als in einer Kontrollstudie15. Ziel einer Ozonbehandlung ist eine Remineralisation der Läsion unabhängig davon, ob eine Wurzelkaries, Glattflächenkaries oder Fissurenkaries vorliegt. Beighton et al.16 konnte in seinen Studien aufzeigen, dass sowohl weiche Läsionen wie auch ledrige inaktive Läsionen remineralisieren können. Auch in der Behandlung von bereits eingebrochenen kariösen Läsionen findet das Ozon Anwendung. Hier kann es zumeist zur Kavitätendesinfektion benutzt werden.

Weitere Indikationen



Der Einsatz von Ozon in der Endodontologie ist noch nicht ausreichend erforscht. Um eine adäquate Entkeimung zu ermöglichen, müssen die Kanäle vorher mechanisch vorbehandelt werden, um Diffusionsbarrieren zu beseitigen. Nur so kann das Ozon in die entferntesten Schlupfwinkel kommen17. Einige Studien konnten aufzeigen, dass es zu einer signifikanten Reduzierung von E. faecalis durch die Behandlung mit gasförmigem Ozon10 und zu einer vollständigen Keimelimination in mit C. albicans infizierten Kanälen11 kommt. Die Anwendung von Ozon in der Parodontologie und Chirurgie wurde bisher nur in Form von ozoniertem Wasser beschrieben. So führte eine Behandlung von parodontalem Ligament19 zum Entzündungsrückgang oder als Spüllösung bei Osteotomien angewendet zu einer Reduzierung der infektiösen Komplikationen nach dem chirurgischen Eingriff20. In der Kinderzahnheilkunde führt die Behandlung mit Ozon nicht nur zur Remineralisation von kariösen Läsionen, sondern auch zu einer Adaptation an die zahnärztliche Behandlung. Die Behandlungen sind kurz und schmerzfrei und können durch die Reduktion der Progression der Karies das Kind an die spätere restaurative Behandlung heranführen. „Klinische Untersuchungen von Schweizer Zahnärzten in der Klinik für Zahnerhaltung und Kinderzahnmedizin in Bern zeigten sehr positive Ergebnisse in der Kinderbehandlung21. In einem großen Teil der Fälle wurde nur durch die Ozonbehandlung weiche Karies härter, ohne dass Fluoridierungsmaßnahmen zusätzlich angewandt wurden“ 1. Als wichtigste Beobachtung war festzustellen, dass die schmerzfreie Kariesbehandlung in 65% der Fälle zu einem Angstabbau führte. Alle Kinder kamen stress- und angstfrei zur nächsten Behandlung18. Schädliche Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet und alle Eltern waren mit der Behandlung ihrer Kinder sehr zufrieden. Sie würden ihre Kinder wieder mit Ozon behandeln lassen. Viele Kinder konnten so vor einer risikobehafteten Prämedikation oder gar einer Intubationsnarkose bewahrt werden1.

Ozon aus dem HealOzone-Gerät



Das healOzone-Gerät (Vertrieb durch die Firma CurOzone) produziert Ozon in einem Generator aus Luftsauerstoff und leitet es durch einen Schlauch in ein spezielles Handstück (Abb. 3a u. b).
Bilder
Abb. 3a u. b: Das HealOzone-Gerät X4 mit Handstück und Silikonaufsatz.   Abb. 4: Die unterschiedlichen Silikonaufsätze.  
Auf dem Handstück befindet sich ein Silikonaufsatz, der auf die zu behandelnde Stelle aufgesetzt wird und dort dicht abschließen soll. Hier gibt es eine Auswahl an unterschiedlichen Aufsatzgrößen (Abb. 4). Schließt das Silikon dicht ab, kann ein Unterdruck vom Gerät erzeugt werden. Anschließend wird Ozon appliziert und dann für zehn Sekunden abgesaugt. Somit kann verhindert werden, dass Ozon in die Mundhöhle gelangt. Nach einer solchen Behandlung findet eine Behandlung mit einem „pH-Balancer“ statt. Aus einer Ampulle wird Zitronensäure auf die behandelte Oberfläche aufgetragen. Das dadurch zur Verfügung gestellte Fluorid dringt zusammen mit der Säure tief in die kariöse Läsion ein und verbleibt dort, nachdem die Säure durch Wasser und Speichel ausgewaschen worden ist. Dieses ist der erste Schritt zur Remineralisation.



prechende Forschungsansätze über den Ozoneinsatz in der Zahnmedizin“1. Mit Ozon kann man nicht invasiv behandeln, erreicht aber eine invasive Wirkung. Das Ozongas kann durch Dentinkanäle, Gingiva und Epithelien dringen und erreicht dort bei genügend hohen Konzentrationen eine bakterizide Wirkung. Somit kann in der Kariestherapie und vor allem in der Kinderbehandlung minimalinvasiv, meistens ohne Exkavation mit rotierenden Instrumenten bzw. ohne weitergehende Entfernung von Zahnhartsubstanz gearbeitet werden. Hier eröffnen sich auch neue Möglichkeiten für eine wirtschaftliche, delegierbare Zahnheilkunde, die den Praxisinhaber entlastet und gleichzeitig die Kommunikation einer noninvasiven, patientenfreundlichen Zahnheilkunde (Prophylaxecenter) eröffnet. Die Kariesbehandlung mit Ozongas kann durch dafür speziell fortgebildetes und praktisch qualifiziertes Personal zumindest unterstützend durchgeführt werden. Die genaueren Einsatzstrukturen bestimmt letztendlich die Berufsordnung. Das aktuelle „Airflow-Urteil“ (keine „Airflow“-Behandlung im Zahnkosmetikstudio, siehe ZBWL 3/2011, Seite 28) trägt in der zitierten Quelle die Überschrift „Nicht ohne meinen Zahnarzt“. Das gilt sicherlich auch für die Ozonbehandlung.

 

 

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Fotostrecke
Abb. 1a u. b: Inaktive Glattflächenkaries – mögliche Stelle für eine Ozonbehandlung.   Abb. 2: Das Diagnodent zur Kariesbestimmung.   Abb. 3a u. b: Das HealOzone-Gerät X4 mit Handstück und Silikonaufsatz.   Abb. 4: Die unterschiedlichen Silikonaufsätze.  

ZMK | Jg. 27 | Ausgabe 7-8 _ Juli/August 2011


Literaturverzeichnis

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  2. Kim JG, Yousef AE, Dave S: Application of ozone for enhancing the microbiological safety and quality of foods: a review. J Food Prot 1999, 62:1071-87.
  3. Bocci V. How ozone acts and how it exerts therapeutic effects. Lynch E, ed. Ozone: the revolution in dentistry. London: Quintessence Publishing; 2004: 15–22.
  4. Xu P, Janex ML, Savoye P, Cockx A, Lazarova V. Wastewater disinfection by ozone: main parameters for process design. Water Res 2002; 36: 1043–1055.
  5. Dyas A, Boughton BJ, Das BC: Ozone killing action against bacterial and fungal species; microbiological testing of a domestic ozone generator. J Clin Pathol 1983, 36:1102-4.
  6. Barber E, Menendez S, Leon OS, Barber MO, Merino N, Calunga JL, Cruz E, Bocci V. Prevention of renal injury after induction of ozone tolerance in rats submitted to warm ischemia. Mediators Inflamma, 1999; 8: 37–41.
  7. Sandhaus S, Ozone therapy in oral surgery and clinical dentistry. Zahnärztliche Praxis, 1969, 20:277-80.
  8. Baysan A, Lynch E, The use of ozone in dentistry and medicine. Prim Dent Care 2005, 12:47- 52.
  9. Huth KC, Paschos E, Brand K, Hickel R: Effect of ozone on non-cavitated fissure carious lesions in permanent molars. A controlled prospective clinical study. Am J Dent 2005, 18:223-8.
  10. Noetzel J, Moter A, Walkenbach S, Schulze S, Neumann, Kielbassa AM: Wirksamkeit von Ozon und einem Diodenlaser gegenüber Biofilmen von Candida albicans in Wurzelkanälen. Autoreferate-Band der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung, Abstraktnummer 40, ISBN- 978-3-86611-433-3, S. 96, 2009.
  11. Huth KC, Quirling M, Maier S, Kamereck K, Alkhayer M, Paschos E, Welsch U, Miethke T, Brand K, Hickel R, Effectiveness of ozone against endodontopathogenic microorganisms in a root canal biofilm model. Int Endod J 2009, 42:3-13.
  12. Lutz Laurisch: Gratwanderung Kariesdiagnostik: invasiv oder präventiv? Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift, 2007, 62- 4.
  13. Baysan, A. Whiley, R A, Lynch, E: Antimicrobial effect of a novel ozone generating device on micro-organisms associated with primary root carious lesions in vitro. Caries Res 2000, 34, 498-501.
  14. Botzenhart, UU, Frentzen, M: Die Behandlung des überempfindlichen Zahnhalses. ZWR 2007, 116 (1+2); 8-18.
  15. Abu-Nabaʼa L. Management of primary occlusal pit and fissure caries using ozone. [PhD Thesis] Belfast, UK: Queens University; 2003.
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  17. Prof. Dr. H.-G. Schneider, Die Wirksamkeit hängt davon ab, wie Diffusionsbarrieren beseitigt werden können, Praxis aktuell, Woche 23, 04.
  18. Noetzel J, Moter A, Walkenbach S, Schulze S, Neumann, Kielbassa AM: Wirksamkeit von Ozon und einem Diodenlaser gegenüber Biofilmen von Candida albicans in Wurzelkanälen. Autoreferate-Band der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung, Abstraktnummer 40, ISBN- 978-3-86611-433-3, S. 96, 2009.
  19. Brauner A. Clinical studies of therapeutical results from ozonized water for gingivitis and periodontitis. Zahnärztl. Praxis 1991; 42: 48–50.
  20. Filippi A. Ozoniertes Wasser als Kühl- und Spülmedium bei Osteotomie. DZZ 1999; 54: 619.
  21. Lussi und J.E. Dähnhardt . Behandlung unkooperativer Kinder mit HealOzone. A / Universität Bern, 2003.
Dr Sieper

Dr. Achim Sieper

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