Calciumhydroxid in der Parodontaltherapie – ein Fallbeispiel

Drucken Von Dr. Carsten Thuma    aktualisiert am 29.09.2011

In der Behandlung parodontaler Defekte setzen Zahnärzte auch Calciumhydroxid ein, das den Heilungsprozess fördern soll. Nachfolgend berichtet ein Kollege anhand eines klinischen Fallbeispiels über seine Anwendungserfahrungen mit diesem Wirkstoff.

Applikation der Calciumhydroxid-Suspension
Applikation der Calciumhydroxid-Suspension


CaO + H2O → CA(OH)2 ist die chemische Gleichung für Calciumhydroxid: ein weißes Pulver, das schwer wasserlöslich ist, stark basisch reagiert und Wirkstoff des Präparates OSTEORA® ist. Es soll in der Behandlung parodontaler Defekte neue Maßstäbe im Heilungsverlauf setzen. Parodontitis wird in meiner Praxis in der Regel minimalinvasiv per geschlossener Kürettage behandelt. In der postinvasiven Versorgung der behandelten subgingivalen Defekte verwenden wir das Präparat.

Klinisches Fallbeispiel

Prozedere der Behandlung


Im vorliegenden Fall hatte der 47-jährige männliche Patient und Träger einer herausnehmbaren prothetischen Versorgung im Unterkiefer, längere Zeit keinen Zahnarzt aufgesucht und wandte sich mit akuten, mandibular lokalisierten Beschwerden an die Praxis. Durch intraorale und röntgenologische Befunderhebung wurde eine Parodontitis und dadurch verursachter generalisierender horizontaler Kieferknochenabbau diagnostiziert. Der Patient zeigte im Nebenbefund an mehreren Zähnen kariöse Defekte (Abb. 1). Die parodontalen Defekte des Patienten wurden im Sinne einer geschlossenen Kürettage unter lokaler Anästhesie behandelt. Zunächst erfolgte das supragingivale Scaling von Biofilm und Konkrement (Abb. 2).
Bilder
Abb. 1: Die röntgenologische Darstellung zeigt horizontale Knochenatrophie in der Folge der Parodontitis. Nebenbefund: Kariöse Defekte.   Abb. 2: Supragingivales Scaling.   Abb. 3: Subgingival erfolgt die Entfernung von Konkrement und Biofilm entlang der Zahnoberfläche.   Abb. 4: Das entzündete Gewebe der Zahntaschen wird ausgeschält.   Abb. 5: Bukkal und lingual erfolgt die Applikation der Calciumhydroxid-Suspension. Die gute Standfestigkeit des Präparates ist deutlich sichtbar.  
Anschließend wurden subgingival Biofilm, Konkrement und abgestorbenes Zahnzement von der Zahnoberfläche entfernt, wodurch ein gleichzeitiges root planing stattfand (Abb. 3). Das entzündete Gewebe innerhalb der Zahnfleischtasche wurde ebenfalls auskürettiert (Abb. 4). Abschließend erfolgte die medizinische Spülung der Zahnfleischtaschen. Die postinvasive Versorgung der behandelten parodontalen Defekte erfolgte unter Verwendung der Calciumhydroxid-Suspension. Die Suspension wurde subgingival appliziert, dies gelingt durch die biegsame Kanüle der gebrauchsfertigen Druckspritze in der Regel einfach und präzise (Abb. 5).
Rolle des Wirkstoffs


OSTEORA® verfügt über eine sehr gute Standfestigkeit. Dadurch haftet die Suspension über die gesamte Resorptionsdauer von 6 bis 8 Wochen an den Defektwänden an. Nur wenige Stunden nach der Applikation in den Defekt entwickelt das Präparat aufgrund seiner chemischen Eigenschaft ein leicht basisches Milieu, dessen Wert sich konstant und über den gesamten Zeitraum zwischen pH 8 und pH 9 stabilisiert. In der Folge wird die Entstehung entzündlicher Prozesse verhindert. Gleichzeitig regt das Medikament die Bildung regenerativer Zellen sowie die heilungsfördernde Kollagen-Synthese an. Der Wirkstoff löst eine schnelle Schmerzlinderung aus und reduziert Schwellungen.
Abb. 6: Der Unterkiefer des Patienten acht Wochen nach der Behandlung. Die minimal-invasiv behandelte Parodontitis ist komplikationslos ausgeheilt.
Abb. 6: Der Unterkiefer des Patienten acht Wochen nach der Behandlung. Die minimal-invasiv behandelte Parodontitis ist komplikationslos ausgeheilt.
In den meisten Fällen ist bereits ein Tag nach der Insertion des Präparates ein deutlicher Heilungsprozess zu erkennen. Insgesamt ist – so meine Erfahrung – die Notwendigkeit zur Verabreichung antibiotischer, antiphlogistischer und analgetischer Medikamente bei der Anwendung von OSTEORA ® wesentlich seltener angezeigt. Auch der Patient berichtete nach der Parodontalbehandlung und postinvasiven Versorgung mit der öligen Calciumhydroxid- Suspension über einen schmerzfreien und komplikationslosen Heilungsprozess. Die Nachkontrolle zeigte, dass die von der Parodontitis betroffenen Areale des Unterkiefers durch die minimal- invasive geschlossene Kürettage bei gleichzeitiger regenerativer Versorgung mit dem Präparat komplett ausgeheilt waren (Abb. 6).
Ergebnis


Im Anschluss an die erfolgreich abgeschlossene Parodontalbehandlung konnte so eine Alternative für die bestehende herausnehmbare Versorgung des Unterkiefers des Patienten geplant werden. Der Patient wurde mit einem teleskopgetragenen Zahnersatz versorgt, der ihm als ästhetisch und funktional hochwertige Alternative zu seiner bestehenden Versorgung aufgezeigt worden war.

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Fotostrecke
Abb. 1: Die röntgenologische Darstellung zeigt horizontale Knochenatrophie in der Folge der Parodontitis. Nebenbefund: Kariöse Defekte.   Abb. 2: Supragingivales Scaling.   Abb. 3: Subgingival erfolgt die Entfernung von Konkrement und Biofilm entlang der Zahnoberfläche.   Abb. 4: Das entzündete Gewebe der Zahntaschen wird ausgeschält.   Abb. 5: Bukkal und lingual erfolgt die Applikation der Calciumhydroxid-Suspension. Die gute Standfestigkeit des Präparates ist deutlich sichtbar.   Abb. 6: Der Unterkiefer des Patienten acht Wochen nach der Behandlung. Die minimal-invasiv behandelte Parodontitis ist komplikationslos ausgeheilt.  

ZMK | Jg. 27 | Ausgabe 9 _ September 2011

Abb. 9 43

Dr. Carsten Thuma

Schadowstraße 82

40212 Düsseldorf

Tel.: 02 11 / 16 29 87

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