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ZMK-aktuell – der Newsletter
Alle 14 Tage die aktuellsten Meldungen, Tipps und Trends aus der Zahnheilkunde in Ihre Mailbox. >>Jetzt kostenlos abonnierenStrategische Pfeilervermehrung bei Teleskopprothesen
DruckenMini-Implantate sind eine Behandlungsalternative für bestimmte Situationen, in denen man bewusst keine klassischen Implantate einsetzen kann oder auch möchte. Auch der Einsatz im Oberkiefer, als erweiterte Anwendung zum gängigen Indikationsspektrum, ist möglich, wie das folgende Fallbeispiel zeigt.

Durchmesserreduzierte einteilige Implantate sind mittlerweile fester Bestandteil des totalprothetischen Therapiekonzepts geworden. Mit vier, sechs oder mehr Minis im Durchmesser von 1,8–2,4 mm pro Kiefer lassen sich Vollprothesen sicher und dauerhaft stabilisieren. Das Erfolgskonzept dabei scheint die gedämpfte Krafteinleitung auf die Implantate durch ein O-Ring-System zu sein (Abb. 1). Aber Mini-Implantate können noch mehr, wie im folgenden Beispiel gezeigt werden soll.
Patientenfall
Im Herbst 2009 stellte sich ein 48-jähriger Patient ohne bisherige Prothesenerfahrung, jedoch mit schwer parodontal geschädigtem Zahnbestand bei uns vor. Nach eingehender klinischer und röntgenologischer Befundung wurde schnell klar, dass eine umfangreiche Extraktions- und Parodontaltherapie anstand. Nach initialer Motivation und Instruktion sowie professioneller Zahnreinigung kam es zur ZE-Besprechung. Da das Budget des Patienten begrenzt war, seine Mitarbeit jedoch als zuverlässig erschien, schlugen wir ihm im Oberkiefer eine Teleskopversorgung auf den beiden einzigen noch tragfähigen Zähnen 17 und 13 vor. Im Unterkiefer sollte eine Einstück- Gussprothese mit Klammerabstützung ausreichen (Abb. 2). Nun weiß jeder Praktiker, dass eine Versorgung mit nur zwei unilateralen Teleskopen im Oberkiefer zwar irgendwie funktioniert, aber niemanden wirklich glücklich macht – den Patienten nicht, da er die unbezahnte Seite nicht adäquat belasten kann und das Geschmacksempfinden aufgrund des geschlossenen Gaumens stark beeinträchtigt ist, und den Zahnarzt nicht, da er wegen schnell nachlassender Friktion oder anderer mechanischer Mängel durch Überbelastung mittelfristig mit Reklamationen zu rechnen hat. Der Ausweg aus diesem Dilemma sind meiner Erfahrung nach mehrere kontralaterale Mini-Implantate, denn die beidseitige Abstützung bei diesen verbessert die Statik entscheidend, der Kaukomfort entspricht etwa dem zweier weiterer Teleskope und das Handling beim Herausnehmen und Einsetzen der Suprakonstruktion wird erleichtert. Außerdem kann der Gaumen durch eine kleinflächige Stahlplatte weitgehend frei bleiben, und letztlich wird die reduzierte Belastung die Prognose der natürlichen Zähne deutlich verbessern.
Die Erfahrungen aus ähnlichen Fällen haben gezeigt, dass MDI-Mini-Implantate (Fa. 3M ESPE, vormals IMTEC, Seefeld) durch ihre O-Ringgelagerte Verbindung zur Suprakonstruktion sehr gut mit Teleskopkronen kombinierbar sind. Die notwendigen Abzugskräfte beim Herausnehmen sind ähnlich denen von Doppelkronen, das Einrasten geschieht angenehm gedämpft und geringfügige Abweichungen der Parallelität werden durch das Design des Kugelkopfes ohne Weiteres ausgeglichen. Nach Extraktions- und Parodontaltherapie wurde bei unserem Patienten eine Interimsprothese eingegliedert. Nach 10-wöchiger Verheilzeit konnten in regio 21–25 vier Implantate der Dimension 2,4 x 13 mm inseriert werden, und zwar ohne Aufklappung transgingival. Der Eingriff war daher so gut wie unblutig und wurde vom Patienten als wenig belastend empfunden, weil in der spongiösen Maxilla nur eine geringe Pilotbohrung nötig war. Den Rest erledigten die auf eine Knochenkompression ausgelegten selbstschneidenden Gewinde der Implantate. Das Inserieren erfolgte manuell mit einem Drehmoment von ca. 20 Ncm. Da sich im Kontroll-OPG zeigte, dass bis zum Sinus maxillaris noch ausreichend Platz für ein fünftes Implantat bestand (Abb. 3), bekam der Patient noch eine „Zugabe“ in Form eines MDI 2,4 x 10 mm (Abb. 4 u. 5). Die Interimsversorgung wurde alsdann im Bereich der Implantatköpfchen ausgeschliffen und für 12 Wochen weichbleibend unterfüttert, wobei sich das Material komplett um die Implantate legte und diese daher schon etwas zum Halt beitrugen. Gegen Ende der Verheilzeit erfolgten die Präparation der Teleskopzähne, nachfolgend die Einprobe der Primärteile, der Funktionsabdruck und die Bissnahme. In dieser Sitzung wurden neben den Primärkronen auch Übertragungskäppchen im Mund auf die Kugelköpfe aufgesteckt und zusammen abgeformt. Im so gewonnen Abdruck steckten nun die zwei Kronen und die Käppchen in gleicher Position wie im Mund. Im Fräsmodell erschienen die Implantate dann als Stahlanaloga (Abb. 6). Nach Einprobe wurde der Zahnersatz auf diesem Modell fertiggestellt (Abb. 7) und in der vierten Sitzung eingegliedert (Abb. 8). Die Prothese zeigte einen festen Halt, und der Patient kam auf Anhieb mit der Handhabung zurecht. Nach Einweisung in die Pflege und Demonstration einer herstellereigenen Spezialbürste für die Kugelköpfchen wurde der Patient ins Recall aufgenommen. Die halbjährlichen Nachuntersuchungen zeigten reizfreie Verhältnisse, ebenso das OPG nach einem Jahr (Abb. 9). Der Patient war sehr zufrieden und gab an, wieder über die volle Kaufunktion zu verfügen.
Fazit
Die hier vorgestellte Pfeilervermehrung hat sich in vielen ähnlichen Fällen als probates Mittel erwiesen, um Teleskopprothesen im stark reduzierten Restgebiss einen entscheidenden zusätzlichen Halt zu verleihen. Sie kann sowohl bei der Neuversorgung erfolgen als auch nachträglich bei späterem Verlust von Zähnen. Der chirurgische Aufwand und damit die Belastung des Patienten sind gering, eine Versorgung ist auch bei deutlich reduziertem Knochenangebot ohne Augmentation möglich. Der technische Ablauf lässt sich problemlos in die üblichen Fertigungsschritte einer Hybridversorgung integrieren. Und da die Kosten überschaubar sind, muss meist wenig Überzeugungsarbeit geleistet werden.
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ZMK | Jg. 27 | Sonderausgabe _ September 2011








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