Erfolg von Mikroimplantaten bei zahnlosen Patienten mit stark atrophiertem Alveolarkamm

Drucken Von PD Dr. Thomas R. Morneburg    aktualisiert am 01.08.2011

Implantatgestützte Prothesen haben sich als Therapiemittel bei Patienten mit zahnlosem Unterkiefer und stark atrophiertem Alveolarkamm bewährt. Die Behandlungen sind jedoch zuweilen problematisch, da viele ältere Patienten einen chirurgischen Eingriff vermeiden wollen. Eine Lösung in dieser Situation bieten minimalinvasiv gesetzte Implantate, die bei normaler Länge einen reduzierten Durchmesser aufweisen. In einer Studie, über die nachfolgend berichtet wird, wurde bei Patienten mit zahnlosem Unterkiefer das klinische und radiologische Abschneiden solcher Implantate zur Abstützung von Prothesen beurteilt.

Abb. 1: Schraubenförmige MicroPlant-Implantate mit Bonit-Beschichtung in den Längen 9, 12 und 15 mm.
Abb. 1: Schraubenförmige MicroPlant-Implantate mit Bonit-Beschichtung in den Längen 9, 12 und 15 mm.


Viele zahnlose Patienten mit weit fortgeschrittener Knochenatrophie klagen darüber, dass ihre Prothesen mangelhaft passen oder zu locker sitzen. Ursache dafür ist der Volumenverlust des Alveolarkamms. Wenn dieser flach oder kaum erhaben ist, kann sich die Prothese bereits bei geringen horizontalen Kräften verschieben. Implantate schaffen hier Abhilfe, doch oft müssten damit zusätzliche Behandlungsmaßnahmen einhergehen. Viele ältere Patienten haben Vorbehalte gegen solche chirurgischen Eingriffe bzw. lang andauernde, kostspielige Behandlungen. Die Skepsis kann schnell schwinden, wenn man ihnen die Vorteile von Implantaten mit reduziertem Durchmesser von 2,5 mm erläutert. In vielen Fällen besteht dann keine Notwendigkeit mehr für eine Vestibulumplastik, Kammaugmentation oder sonstige augmentative Verfahren, um eine Implantation überhaupt zu ermöglichen. Die Implantate lassen sich problemlos in die Vollprothese integrieren. Dies spart Kosten und verkürzt die Behandlungsdauer. Trotz ihrer Vorteile besitzen Implantate mit reduziertem Durchmesser spezifische biomechanische Eigenschaften, die analysiert werden müssen.
In einer Studie sollte beantwortet werden, ob Miniimplantate aus klinischer und radiologischer Sicht eine hohe Überlebensrate aufweisen und ob die Patienten nach ihrer eigenen Einschätzung mit dieser Versorgung zufrieden sind.

Material und Methode



Patienten mit zahnlosem Unterkiefer wurden im interforaminalen Bereich mit zwei Implantaten versorgt. Mit den Implantaten wurde eine vorhandene funktionsfähige Totalprothese stabilisiert. Die chirurgischen Eingriffe erfolgten zweizeitig mit Implantaten von 2,5 mm Durchmesser (MicroPlant 2,5; Komet). Diese wurden unter Verwendung einer Bohrschablone im Bereich der unteren seitlichen Schneidezähne oder Eckzähne inseriert und mit Verschlussschrauben versehen. Die Länge der Implantate betrug 9 mm, 12 mm oder 15 mm. Die Oberflächen waren gestrahlt und mit resorbierbarem Kalziumphosphat beschichtet. Nach der Insertion wurde die Prothesenbasis im Bereich der Implantate um mindestens 2 mm reduziert und weichbleibend unterfüttert. Diese Maßnahmen dienten zur Entlastung der Implantate während der Einheilphase.
Bilder
Abb. 2: Links: O-Ring-Primär- und Sekundäranker; rechts: Magnetprimär- und -sekundäranker.   Abb. 3: Typische Kieferverhältnisse eines versorgten Patienten. Implantate mit reduziertem Durchmesser (MicroPlant 2,5; Komet) wurden bereits eingesetzt.   Abb. 4: Panoramaschichtaufnahme desselben Patienten.  
Drei Monate nach der Implantation wurden die Verschlussschrauben freigelegt und entfernt. Danach wurden Primäranker passender Größe eingegliedert. Zur Verfügung standen drei verschiedene Längen, die in Abhängigkeit von der jeweiligen Schleimhautdicke ausgewählt wurden. Außerdem konnten sich die Patienten zwischen Magnetankern und O-Ring-Ankern entscheiden. Mit einer Drehmomentratsche wurden die Primäranker auf 13 Ncm festgezogen. Am Tag der Freilegung der Implantate wurden die Sekundäranker in die Prothese einpolymerisiert.
In der Folge wurden die Patienten regelmäßig nachuntersucht und dabei Periotestwerte, der Gingivalindex und der Attachmentlevel aufgezeichnet. Anhand von Panoramaschichtaufnahmen wurde der periimplantäre Knochenabbau beurteilt. Vor und nach der Therapie wurde die Prothesenfunktion mittels Fragebogen durch die Patienten bewertet. Es wurden 67 Patienten durchschnittlich 6 Jahre (SD ± 2,7 Jahre) lang beobachtet.

Ergebnisse



Die kumulative Überlebensrate der Implantate betrug 95,5 %. Klinisch und radiologisch waren die Ergebnisse mit denen von Implantaten größeren Durchmessers vergleichbar. Die Auswertung der Fragebögen offenbarte, dass sich der Halt der Prothesen und das Kauvermögen durch die Implantatstabilisierung entscheidend verbessert hatten. Die Ergebnisse der klinischen Untersuchungen wie auch der Fragebogenerhebung zeigten eindeutig, dass Patienten mit diesem Behandlungskonzept für Unterkiefer-Vollprothesen bei stark atrophischem Kiefer außerordentlich erfolgreich versorgt werden können.

 

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Fotostrecke
Abb. 2: Links: O-Ring-Primär- und Sekundäranker; rechts: Magnetprimär- und -sekundäranker.   Abb. 3: Typische Kieferverhältnisse eines versorgten Patienten. Implantate mit reduziertem Durchmesser (MicroPlant 2,5; Komet) wurden bereits eingesetzt.   Abb. 4: Panoramaschichtaufnahme desselben Patienten.  
Morneburg

PD Dr. Thomas R. Morneburg

Zahnklinik 2 – Zahnärztliche Prothetik

Friedrich-Alexander Universität Erlangen/Nürnberg

Glückstraße 11

91054 Erlangen

E-Mail: thomas.morneburg@uk-erlangen.de

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