10-jähriges Jubiläum des XiVE® Implantatsystems

Drucken aktualisiert am 21.12.2011

Anlässlich des 10-jährigen „Geburtstags“ des XiVE® Implantatsystems sprachen wir mit Dr. Georg Bayer*,**, Dres. Frank und Steffen Kistler* und PD. Dr. Jörg Neugebauer*,***, die das XiVE®-Implantatsystem bereits in seiner Entwicklungs- und präklinischen Phase begleitet haben.



ZMK: Herr Dr. Neugebauer, Sie waren maßgeblich an der Entwicklung des XiVE® Implantatsystems beteiligt. Auf welchen Merkmalen lag Ihr Augenmerk?

 

Dr. Jörg Neugebauer: In erster Linie wollten wir ein verlässliches Implantatsystem auf der Basis bekannter Designparameter entwickeln, das chirurgisch wie prothetisch so vielseitig ist, dass der Behandler damit möglichst viele Indikationen – ein- oder zweizeitiges Vorgehen, Sofort- oder Spätimplantation, mit oder ohne Sofortversorgung – abdecken kann. Das gilt explizit auch für die Behandlungsoption der Sofortbelastung im atrophierten Kiefer und bei reduzierter Knochenqualität. Beides ist untrennbar mit der Primärstabilität der eingebrachten Implantate verknüpft6. Voraussetzung hierfür sind ein kondensierendes Makrodesign des Implantatsystems5 mit einer auf den krestalen und apikalen Knochenbereich abgestimmten Gewindegeometrie sowie ein knochenspezifisches Aufbereitungsprotokoll. Hierbei wird die Spongiosa durch ein selbstschneidendes, dreieckiges Gewindeprofil mit tiefem Gewindegang kondensiert, während im Bereich der Kortikalis der kondensierende Effekt durch eine niedrige Gewindetiefe mit entsprechend geringem Schneidwiderstand gering gehalten wird. Ebenso stand die Oberflächenmorphologie im Fokus, da Einheilung und ossäre Integration des Implantats direkt davon abhängen1. Nur bei entsprechendem Mikro- und Makrodesign kann langfristig von hohen Überlebensraten auch nach knochenrekonstruktiven Maßnahmen wie Bonesplitting und Bonespreading, Distraktionsosteogenese oder Beckenkammtransplantation ausgegangen werden4. Solche Eingriffe sind bei den meist älteren Implantatpatienten häufiger notwendig. Zusammen mit Dr. Peter Gehrke konnten wir 2005 in einer 2-Jahres-Studie die hohe Integrationsrate der FRIADENT® plus Oberfläche nachweisen2. Seitdem ist eine Vielzahl von Studien mit Langzeitergebnissen hinzugekommen.

Herr Dr. Bayer, eine Komponente von XiVE® ist das TempBase-Konzept. Was genau stellt man sich darunter vor?

 

Dr. Georg Bayer: Die FRIADENT® TempBase ist ein werksseitig vormontierter, multioptionaler Aufbau, der mehrere Funktionen erfüllt: zunächst als Einbringpfosten, dann für die intraoperative Indexregistrierung3 und schlussendlich als Kronenbasis für die temporäre Versorgung. Das Procedere ist sehr einfach: Soll provisorisch sofort versorgt werden, bleibt der TempBase-Pfosten auf dem Implantat. Beim zweizeitigen Vorgehen wird er nach der Freilegung wieder eingesetzt. Dann werden nur noch die sogenannten TempBase Caps, passgenaue Kunststoffkäppchen, auf den TempBase-Pfosten aufgeklickt und das Provisorium kann unverzüglich chairside auf deren Basis angefertigt werden.

Sehen Sie weiter reichende Vorteile in den Provisorien neben dem, dass der Patient vorübergehend nicht „zahnlos“ ist?

Gerade im lagerschwachen oder stark augmentierten Knochen sind das Bone-Remodelling, die funktionelle Anpassung des knöchernen Interfaces an der Implantatoberfläche, und das progressive Loading wichtig, da darüber der periimplantäre Knochen langzeitstabil erhalten werden kann7. Zudem lassen sich mit einem entsprechend ausgearbeiteten Provisorium papillenartige Strukturen der periimplantären Mukosa und ein natürlich wirkender Gingivaverlauf erzielen. Die Nutzung des biologischen Regenerationspotenzials des Weichgewebes schafft die Voraussetzungen für eine funktionell wie ästhetisch dauerhafte prothetische Restauration. Zudem kommt die rasche Herstellung des Provisoriums auch dem Wunsch des Patienten nach einem möglichst zügigen Behandlungsablauf sehr entgegen. Das wiederum ist die Basis, um vom Patienten weiterempfohlen zu werden.

Minimalinvasivität und Weichgewebemanagement sind Faktoren, mit denen sich vorhersagbare Ergebnisse gerade auch unter ästhetischen Aspekten erzielen lassen. Dr. Kistler, welche Optionen bieten sich hier dem Implantologen?

 

Dr. Frank Kistler: Es bieten sich primär zwei Optionen. Wie schon von meinen Kollegen ausgeführt, können durch das spezifische Implantatdesign und das knochenspezifische Aufbereitungsprotokoll Augmentationen oftmals vermieden werden. Die zweite Option zielt auf die aktuelle Diskussion um den subgingival liegenden Zementspalt und dessen mögliche periimplantäre Folgen. Diese Risiken eines manipulationsbedingten Knochenrückgangs im Bereich der Implantatschulter lassen sich mit individuellen Abutments reduzieren. Dabei ist es nicht relevant, ob es sich um ein- oder zweiteilige Aufbauten handelt. Denn bei den zweiteiligen Abutments mit einer konfektionierten Titan-Klebebasis (XiVE® TitaniumBase, DENTSPLY Friadent) erfolgt die Verklebung des Klebespalts extraoral und der Fügespalt zur Keramikkrone ist equigingival verlagert. Unter chirurgischen und prothetischen Aspekten ist die Möglichkeit, Pfeilerdivergenzen mit individuellen Abutments ausgleichen zu können, ein hochwillkommener Effekt. Darüber hinaus kann das Emergenzprofil individuell ausgeformt werden. Das ist, neben dem ästhetischen Faktor, für eine hohe und langfristige Stabilität des Weichgewebes förderlich. Zudem zeigen Zirkondioxidaufbauten eine geringere Affinität für Plaqueanlagerungen, was wiederum ei- nem kontinuierlichen periimplantären Weichgewebeabschluss förderlich ist. Last but not least kann durch das durchmesserreduzierte XiVE® 3,0 Implantat auch bei einem schmalen Kieferkamm in vielen Fällen auf eine umfangreiche Augmentation verzichtet werden und dabei trotzdem die notwendige Stärke der vestibulären Lamelle gewahrt werden.

Noch eine Frage zu den prothetischen Komponenten: Was bieten sich dem Prothetiker und Zahntechniker für Möglichkeiten?

 

Dr. Steffen Kistler: Der Patient beurteilt den Behandlungserfolg primär danach, wie die Restauration aussieht und ob er funktional gut damit zurechtkommt. Hierbei kommt es, neben dem von meinem Bruder schon angesprochenen Aspekten, auf die Materialien und Verfahren an, woraus und womit der Zahnersatz hergestellt wird. Obschon Zirkon zwischenzeitlich – und man muss sagen fälschlicherweise – durch die Chippingdiskussion kritisch gesehen wurde, ist und bleibt es der Werkstoff der Wahl. Seine Lichttransmission, seine hohe Biokompatibilität und seine extreme Stabilität garantieren bei materialgerechter Verarbeitung ästhetisch hochwertige Ergebnisse bei ebenso hoher Funktionalität. Liegt zum Beispiel im Frontzahnbereich ein dünner Schleimhauttyp vor, ist schon aus rein ästhetischen Gründen ein vollkeramischer Aufbau zu empfehlen. Titanaufbauten könnten hier grau durchschimmern, was in der marginalen Mukosa als störend empfunden wird. Aufgrund ihrer Materialeigenschaft sind einteilige Zirkoniumdioxidaufbauten allerdings nur im Frontzahnbereich indiziert, im Seitenzahnbereich sind es zweiteilige Aufbauten auf Titanbasis. Insgesamt gilt, ob man sich für vorgefertigte Komponenten entscheidet oder die individuelle Fertigung über ein CAD/CAMVerfahren nutzt: Es gibt für das XiVE® Implantatsystem keine prothetischen Einschränkungen, weder im Material noch in den modernen CAD/CAMVerfahren.

* Zahnarztpraxis für Implantologie, Landsberg am Lech
** Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orale Implantologie (DGOI)
*** Lehrauftrag an der Interdisziplinären Poliklinik für Orale Chirurgie und Implantologie Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie der Universität zu Köln (Direktor: Univ.-Professor Dr. Dr. J. E. Zöller)
 
Weitere Informationen und Studien erhalten Interessierte unter:

ZMK | Jg. 27 | Ausgabe 11 _ November 2011


Literaturverzeichnis

  1. Gehrke P, Neugebauer J. Implant surface design: using biotechnology to enhance osseointegration. Interview. Dent Implantol Update 2003; 14: 57-64.
  2. Gehrke P, Neugebauer J. Surface-enhanced dental implants: a two-year interim report. Dent Implantol Update 2005; 16: 73-78.
  3. Neugebauer J. Modified technique for stage 1 indexing using the XiVE system. Dent Implantol Update 2003; 14: 73-79.
  4. Neugebauer J, Iezzi G, Perrotti V, Fischer JH, Khoury F, Piattelli A, Zoeller JE. Experimental immediate loading of dental implants in conjunction with grafting procedures. J Biomed Mater Res B Appl Biomater 2009; 91: 604-612.
  5. Neugebauer J, Traini T, Thams U, Piattelli A, Zoller JE. Peri-implant bone organization under immediate loading state. Circularly polarized light analyses: a minipig study. J Periodontol 2006; 77: 152-160.
  6. Neugebauer J, Weinlander M, Lekovic V, von Berg KH, Zoeller JE. Mechanical stability of immediately loaded implants with various surfaces and designs: a pilot study in dogs. Int J Oral Maxillofac Implants 2009; 24: 1083-1092.
  7. Traini T, Neugebauer J, Thams U, Zoller JE, Caputi S, Piattelli A. Peri-implant bone organization under immediate loading conditions: collagen fiber orientation and mineral density analyses in the minipig model. Clin Implant Dent Relat Res 2009; 11: 41-51.

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