Erfahrungen: Wie findet man die „richtige“ Behandlungseinheit?

Drucken Von Dr. Rainer Klaus    aktualisiert am 28.11.2011

Wie findet man aus der Vielzahl von Angeboten im Markt genau die Behandlungseinheit, die den eigenen individuellen Bedürfnissen am besten entspricht? Dr. med. dent. Rainer Klaus MSc., Fulda, hat sich unlängst dieser Herausforderung gestellt. Der folgende Beitrag gibt einen Einblick darüber, wie er seine individuelle Entscheidung für ein Produkt getroffen hat.

Viel Beinfreiheit und Bewegungsraum bietet die Estetica E70 von KaVo.
Viel Beinfreiheit und Bewegungsraum bietet die Estetica E70 von KaVo.


In der Regel sind es 15 bis 18 Jahre, die ein Zahnarzt mit seinem zentralen Arbeitselement, der Behandlungseinheit, auskommen muss. Eine lange Zeit – aber im Rahmen seiner Berufsausübung steht für den Zahnarzt, sofern er in eigener Praxis tätig ist, damit zwangsläufig mindestens zweimal die Neuanschaffung von Behandlungseinheiten an. Seit 16 Jahren bin ich niedergelassener Zahnarzt und seit nunmehr zwölf Jahren betreibe ich gemeinsam mit drei Kolleginnen eine Gemeinschaftspraxis in Fulda. Ein Umzug im Februar 2011 und eine damit einhergehende Vergrößerung der Praxis von drei auf fünf Behandlungszimmer waren der Anlass für mich, mich konkret mit dem Kauf von neuen Behandlungseinheiten zu befassen.

Allgemeine Anforderungen

Wie lässt sich aus der Vielzahl der Anbieter und Angebote die beste Lösung identifizieren? Vor dem Kauf ist es natürlich hilfreich, die eigenen Anforderungen genau zu ermitteln. Dafür kann man z. B. eine Liste erstellen, um den aktuellen Bedarf zu erfassen. Auch zukünftig geplante Ereignisse sollten nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Wichtige Aspekte sind dabei zum Beispiel die Erweiterung von Räumlichkeiten und Arbeitsschwerpunkten ebenso wie absehbare Veränderungen bei den Mitarbeitern oder das steigende Alter des Praxisinhabers. Viele unterschiedliche Faktoren also, die einen Einfluss auf die Anschaffung haben.

Spezielle Anforderungen

Für mich ergaben sich viele spezielle Anforderungen aus meinem Praxisschwerpunkt, der Alterszahnheilkunde. Die Praxis wurde von der Bundesregierung offiziell für die Barrierefreiheit in Bezug auf behinderte Menschen beurkundet und ausgezeichnet. Dies bedeutet das Team und mich in der Folge aber auch eine besondere Verpflichtung den Patienten gegenüber und führt zu höhren Anforderungen an uns. Damit z. B. immobile Patienten problemlos in die Behandlungseinheit umgebettet werden können, sollte das Arztelement auf der Einstiegsseite möglichst weit weggefahren werden können. Aus diesem Grunde habe ich bei der Neuanschaffung der Einheiten konkret nach Geräten mit Armkonstruktion Ausschau gehalten. Das Arztelement lässt sich in dieser Ausführung bei Bedarf leicht aus dem Weg schieben. Da Rollstuhlpatienten und Demenzkranke ruckartige Bewegungen (potenzielle „Schreckmomente“) oft als unangenehm empfinden, war eine weitere Anforderungen an die Behandlungseinheit, dass diese bei Bedarf mit stark reduzierter Geschwindigkeit von einer Position in die nächste gefahren werden kann.

Neben den funktionalen Kriterien und einem ansprechenden Design sollte beim Kauf einer Behandlungseinheit auch das Wohlbefinden des Praxisteams im Vordergrund stehen, da viele Jahre lang mehrere Stunden täglich an dem Gerät gearbeitet werden muss. Zu den wesentlichen Entscheidungskriterien für die Auswahl einer neuen Einheit zählen daher auch deren ergonomische Eigenschaften. Ich selbst bin 44 Jahre alt, dennoch sind auch bei mir in den letzten drei bis vier Jahren Verspannungen im Bewegungsapparat bis hin zu Schmerzen häufiger geworden. Trotzdem werde ich noch einige Jahrzehnte an den Behandlungseinheiten arbeiten müssen. Umso mehr spielt auch für mich das Thema Ergonomie eine Rolle.

Die genannten Anforderungen an eine neue Behandlungseinheit sind natürlich bei weitem nicht vollständig. So sind finanzielle Belange, räumliche Anforderungen oder Erfordernisse für andere Praxisschwerpunkte wie Endodontie oder Chirurgie hier nicht weiter berücksichtigt. Es geht hier aber auch nicht um Vollständigkeit, sondern darum, dass in der individuellen Kaufentscheidung möglichst viele der kurz-, mittel- und langfristigen Anforderungen der Praxisinhaber Berücksichtigung finden.

Vergleichen und beraten lassen

Mit diesen und weiteren allgemeinen Vorgaben begab sich das Praxisteam schließlich letztes Jahr auf der Fachdental in Frankfurt auf die Suche nach der richtigen Einheit. Mit der dort identifizierten, für meine Anforderungen geeigneten Behandlungseinheit, Estetica E70 von KaVo, wollte ich mich im Vorfeld einer möglichen Investition ausführlich beschäftigen, sodass ich mit meinem Dentaldepot einen Termin im KaVo-Beratungszentrum Kriftel vereinbarte. Vor Ort konnte ich in aller Ruhe offene Fragen klären und die Behandlungseinheit nochmals testen – auch gemeinsam mit der Assistenz. Hierbei ließ sich am besten erkennen, ob die Einheit das bietet, was vom Praxisteam erwartet wird – auch in Hinblick auf eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Assistenz. Bei der Begutachtung der Einheit im Präsentationszentrum zeigte diese eine große Bewegungsfreiheit und Flexibilität. Überzeugend für mich und mein Team waren die variablen Einstellmöglichkeiten der E70, die allen Beteiligten sowohl im Stehen als auch im Sitzen ausreichend Platz für die Behandlung geben. Als sehr sinnvoll aus ergonomischer Sicht, aber nicht kaufentscheidend, stellte sich der optional erhältliche, funkgesteuerte Fußanlasser heraus. Kaufentscheidend war schlussendlich, dass die ausgewählte Einheit den meisten meiner individuellen Anforderungen entsprochen hat. Vor allem die leichte Umbettung und Positionierung von älteren Patienten und das Gefühl einer guten Behandlungsergonomie waren für mich wesentliche Kaufkriterien.

Ist die Entscheidung für eine bestimmte Einheit schließlich gefallen, wird sich in der täglichen Arbeit zeigen müssen, ob der Arbeitsplatz den Belastungen gewachsen ist. Hinsichtlich der Auswahl unter ergonomischen Gesichtspunkten hat sich meine Entscheidung bestätigt, da die E 70 inzwischen das AGR-Gütesiegel erhalten hat (Gütesiegel der „Aktion Gesunder Rücken e. V.“ [AGR], das an besonders rückengerechte Produkte verliehen wird).

Fazit

Die von mir beschriebene Vorgehensweise beim Kauf der neuen Behandlungseinheit hat sich bewährt. Wichtig für die Neuanschaffung ist die genaue Festlegung der Anforderungen an den Arbeitsplatz. Schließlich begleitet eine Einheit den Zahnarzt über viele Jahre. Der beste Tipp lautet aus meiner Sicht: Gesamtes Praxisteam mitnehmen, mindestens aber ein Teammitglied – denn das Angebot ist heute so differenziert, dass der Blick von vier oder mehr Augen mehr als nützlich ist. Letztlich allerdings entscheidet die Summe der Produktmerkmale und der individuellen Einschätzungen dieser Merkmale. 
Korrespondenzadresse:

Dr. Rainer Klaus MSc.
Florengasse 18
36043 Fulda
Tel.: 0661 72683

ZMK | Jg. 27 | Ausgabe 11 _ November 2011

Dr. Rainer Klaus

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