Eine Möglichkeit der Schnarchtherapie durch den Zahnarzt

Drucken Von Dr. Margit Weiss    aktualisiert am 22.01.2010

Viele Schlafzimmer sollten treffender gesagt Schnarchzimmer heißen: Mit zunehmendem Alter schnarchen durchschnittlich jeder zweite Mann und jede vierte Frau. Harmloses Schnarchen ist nicht nur ein lästiges Problem, sondern auch ein soziales Stigma. Darüber hinaus stört es die Schlafqualität des Mitschläfers mit Phonstärken nahe 100 dB und raubt ihm bis zu 90 Minuten gesunden Schlafs jede Nacht. Eine Möglichkeit der Schnarchtherapie ist der Einsatz von zweiteiligen Protrusionsschienen. Nachfolgend werden das Prinzip dieser Schienen allgemein sowie eine spezielle zweiteilige Protrusionsschiene, die RONCHO EX, unter Einbeziehung von Herstellerangaben vorgestellt.

Abb. 1: Konstruktionsbiss.
Abb. 1: Konstruktionsbiss.


Als therapeutische Option in der zahnärztlichen Praxis kommen adjustierbare zweiteilige Protrusionsschienen in Betracht. Das Grundprinzip einer solchen Schiene ist die Vorverlagerung des Unterkiefers. Dadurch wird während des Schlafes ein Rückfall des Zungengrundes und damit verbunden eine Verengung der Atemwege verhindert. Das Ausmaß der Vorverlagerung wird durch einen Konstruktionsbiss bestimmt. Der Vorteil der zweiteiligen Protrusionsschiene ist, dass sie bei vielen Arten des Schnarchens eingesetzt werden kann, da unabhängig von der Ursache des Schnarchens eine hohe Erfolgsquote erzielbar ist. Vorteilhaft ist auch die unkomplizierte Anwendung, d. h. die kurze Eingewöhnungsphase. Die Compliance des Patienten spielt bei den Protrusionsschienen eine eher untergeordnete Rolle, da die Anwendung der Protrusionsschiene keine Regelmäßigkeit des Benutzens erfordert. Sie kann beispielsweise auch nur im Bedarfsfall, z. B. bei Alkoholkonsum, eingesetzt werden.

Anforderungen an zweiteilige Protrusionsschienen



Ein hoher Tragekomfort ist für die Protrusionsschiene eine wichtige Voraussetzung, da die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass eine Vielzahl der Schienen aufgrund von Spannungen, Geruchsbildung und Verletzungen der Wangen- und Zungenschleimhaut nach einer gewissen Zeit nicht mehr getragen wird. Der vom Zahnarzt durchgeführte Konstruktionsbiss entscheidet über die einerseits bequeme, aber auch sichere und notwendige Vorverlagerung des Unterkiefers. In der Praxis hat sich folgende Methode zur Vorverlagerung als sicher erwiesen:
  • Vorschub des Unterkiefers in eine maximale Position
  • Reduktion (Zurückgleiten) aus dieser Position um ca. 2–3 mm
  • Verschlüsselung der Position mit Hartsilikonen oder Wachsen.

Die Vorverlagerung sollte für den Patienten eine „noch angenehme“ Position sein, in welcher er aber schon deutlich einen Zug auf der Zungengrundmuskulatur spürt (Abb. 1).

Nebenwirkungen der Protrusionsschiene



In der Praxis hat sich gezeigt, dass Protrusionsschienen einen sehr hohen Wirkungsgrad haben, jedoch aufgrund der Vielzahl und Schwere der Nebenwirkungen oft in der langfristigen Benutzung vom Patienten abgelehnt werden. Als Nebenwirkungen werden in diesem Zusammenhang eine Myopathie, Kiefergelenkbeschwerden, Okklusionsstörungen und eine Verletzung der Zungen- und Mundschleimhäute genannt. Eine Recherche hat ergeben, dass eine Vielzahl von Vorverlagerungsgeräten auf dem Markt vorhanden ist; von Bestellmöglichkeiten im Versandhandel bis hin zu Herbst- Scharnieren bietet der Markt einiges.
Der Hersteller der nachfolgend vorgestellten RONCHO EX Schiene nimmt für seine Entwicklung in Anspruch, unerwünschte Nebenwirkungen ausgeschaltet zu haben.

Charakteristik der RONCHO EX Protrusionsschiene | Die RONCHO EX Schiene ist eine Weiterentwicklung der herkömmlichen Protrusionsschienen. Ihre Besonderheit basiert auf der Verwendung von elastischen Teleskopstangen (s. Abb. 3). Sie ermöglichen eine dreidimensionale Bewegungsfreiheit. Die Teleskopstangen werden im Schienenkorpus durch einen Kugelkopf gehalten, dadurch wird die hohe Bewegungsfreiheit erreicht. Gleichzeitig wird durch die unsichtbar eingebauten Innenfedern in den Teleskopstangen ein sanfter Druck auf den Unterkiefer nach vorne erzielt. Dadurch wird die Protrusion leichter gehalten. Ebenso ist durch diese Druckfeder ein evtl. Nachjustieren der Protrusionsstellung sowohl nach ventral als auch nach retral möglich. Die dreidimensional gefederte Vorverlagerung gibt dem Patienten das Gefühl der Freiheit trotz verschlüsselten Schienensystem im Mund.

Weiterhin ist die Abstützung des Kiefergelenkes und der Kaumuskulatur im anterioren und dorsalen Bereich der Schiene besonders vorteilhaft, da während der Schlafphase die Kaumuskulatur durchaus aktiv ist. Durch die vorhandene Abstützung kommt es nicht mehr zu Myogelosen und Druckdolenzen in der Muskulatur wie im Kiefergelenk (Abb. 3).

Die RONCHO EX setzt die Verwendung einer schädel- und gelenkbezogenen Analyse (Gesichtsbogen) voraus. Anhand des Konstruktionsbisses erfolgt die Zuordnung des Unterkiefers im Artikulator. Am Inzisalstift wird eine Bisssperrung (ideal ca. 8 mm am Inzisalstift) eingestellt (Abb. 2).

Die eingestellte Vorverlagerung wird durch teleskopartige Stege in Mund gehalten. Der entstehende okklusale Freiraum im dorsalen Bereich und anterior wird durch Kunststoffaufbauten abgestützt. Anterior wird zusätzlich eine Kugelknopfarretierung angebracht, die dem Patienten den Komfort bringt, dass er während des Schlafes in der eingestellten Position „ausruhen“ kann. Diese beiden Konstruktionselemente sind für die sichere Abstützung des Kiefers- und der Muskulatur verantwortlich (Abb. 4 u. 5).

Für den langfristigen Tragekomfort ist die Grazilität und Hygienefähigkeit ein wichtiger Punkt. Zur Verkleinerung der Konstruktion wurden die dreidimensionalen Teleskope in den Okklusalbereich der Kaufläche gelegt. Dadurch konnte man ein lästiges Aufreißen der Wangen- und Zungenschleimhaut verhindern.

Die Wahl des Kunststoffs ist entscheidend



Generell können RONCHO EX Protrusionsschienen aus allen auf dem Markt angebotenen Kunststoffen hergestellt werden. Die Anwendung der RONCHO EX ist an keinen speziellen Kunststoff gebunden, jedoch wird die Verwendung von Polyanen empfohlen (Möglichkeit 3).

Möglichkeit 1: Tiefziehen der Modelle mit Ercoloc Pro Tiefziehfolien (Abb. 6). Sie sind an der Basis weichbleibend und haben eine anbaufähige Oberfläche. Dadurch kann die Grundschiene mit herkömmlichen Kaltpolymerisaten weiterverarbeitet werden. Vorteil neben der günstigen Herstellung dieses Materials ist der Tragekomfort des weichbleibenden Anteils, er schmiegt sich elastisch und genau an die Zahnkranzverhältnisse an. Nachteil der Ercoloc Pro Tiefziehtechnik ist die enorme Wasseraufnahme des Materials und damit verbunden die Geruchsbildung der Schiene.

Möglichkeit 2: Gießen der Konstruktion aus Kaltpolymerisat. Die Vorteile liegen in der einfachen Handhabung des Materials. Nachteile bestehen in dem hohen Restmonomergehalt der Schiene und der damit verbundenen allergenen Komponente, ein weiterer Nachteil ist der unangenehme Kunststoffgeschmack.  

Möglichkeit 3: Verwendung von Polyanen. Polyan ist ein PMMA-Granulat, das bei 260°C erhitzt und mit 9 Bar Druck in die Küvettenform gepresst wird. Das Material zeichnet sich in der Endverarbeitung durch hohe Härte und dadurch verbunden auch gute Polierbarkeit aus. Es ist restmonomerfrei und für Allergiker bestens geeignet (Abb. 7 u. 8).

Durch das Pressverfahren und die Härte des Materials kann auf Dauer sichergestellt werden, dass bei der RONCHO EX Schiene keine Wassereinlagerung erfolgt und dadurch kein Geruch entsteht (Abb. 9).

Fazit



Die RONCHO EX Protrusionsschiene hat die bewährte und sichere Methode der Vorverlagerung beibehalten. Mithilfe von gezielten Konstruktionselementen wie dreidimensional gefederten Teleskopstangen, einer anterioren Kugelknopfarretierung, dem Einbau von Teleskopen in den Okklusalbereich sowie die Verwendung von Polyan wurden aus unserer Sicht die unangenehmen Nebeneffekte von Protrusionsschienen ausgeschaltet

Teilen

Fotostrecke
Abb. 2: Montage der Modelle im Artikulator, mit Vorverlagerung und Bisssperrung.   Abb. 3: Abstützung im Molarenbereich und frontal bei der RONCHO EX Schiene.   Abb. 4: Anteriore Arretierung mit Kugelknopfsystem.   Abb. 5. RONCHO EX intraoral.   Abb. 6: Schiene aus Ercoloc Pro.   Abb. 7: Schiene aufgewachst.   Abb. 8: Schiene in Küvette.   Abb. 9: Schiene intraoral, Detail im Molarenbereich.  
WEI 046

Dr. Margit Weiss

Neue Strasse 74

89073 Ulm

Tel.: 0731 9687-10

Fax: 0731 9687-129

E-Mail: margit.weiss@zahnmedizin-ulm.de
http://www.zahnmedizin-ulm.de

Leser-Kommentare

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu verfassen.