Auszeichnung für Behandlungseinheiten: Prüfsiegel für rückenschonendes Arbeiten

Drucken Von Dr. O.-D.    aktualisiert am 01.10.2011

Erstmalig wurde das sogenannte AGR-Siegel an zahnärztliche Arbeitsplätze vergeben: Zwei Behandlungseinheiten sowie ein Behandlerstuhl der KaVo Dental GmbH, Biberach/Riss, wurden dafür ausgezeichnet, dass sie es dem Zahnarzt erleichtern, in einer ergonomischen Behandlungsposition zu arbeiten. Was diese Auszeichnung bedeutet und wie die Entwicklungsgeschichte des dahinter stehenden Schwebestuhlkonzeptes vonstatten ging, ließen wir uns im Juni direkt von KaVo erläutern.

AGR-Siegel
AGR-Siegel


Die Aktion Gesunder Rücken e. V. (AGR) hat die Behandlungseinheiten KaVo ESTETICA E70 und KaVo ESTETICA E80 sowie den Behandlerstuhl KaVo Physio 5007 im Juni 2011 mit einem Gütesiegel für eine rückengerechte Arbeitsumgebung ausgezeichnet. Das Gütesiegel „Geprüft und empfohlen“ wurde in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der deutschen Rückenschulen e.V. und dem Forum Gesunder Rücken – besser leben e. V. entwickelt und zeichnet rückenfreundliche Produkte aus. Bei den genannten Behandlungseinheiten und dem Behandlerstuhl überzeugte laut der unabhängigen, multidisziplinären Expertenkommission aus Medizinern und Therapeuten das Gesamtkonzept. Das Schwebestuhlkonzept der beiden Einheiten erlaube dem Zahnarzt, in einer ergonomischen Behandlungsposition zu arbeiten. So ermögliche bspw. der Fußanlasser eine stehend wie auch eine sitzende Bedienung und unterstütze damit eine aktive rückenfreundliche Arbeitsweise. Durch eine einfache Pedalbedienung lassen sich die Einheiten ohne Belastung der Muskeln und Sehnen steuern.

Entwicklungsgeschichte des ausgezeichneten Schwebestuhls



Bis zur erfolgten Auszeichnung war es ein langer Weg, erläuterte Armin Imhof, Leitung Depotvertrieb und Verkaufsleiter Bereich Einrichtungen bei KaVo uns in einem persönlichen Gespräch. Als ehemaliger Mitarbeiter des Bereiches Forschung und Entwicklung sowie aus seiner Arbeit im Produktmarketing/Managment für Behandlungseinheiten bei KaVo, weiß er nur zu gut, wie es zum KaVo- Schwebestuhlkonzept kam. Im Jahr 2006 wurde bei KaVo beschlossen, eine neue Geräteplattform zu schaffen, die das mittlere und obere Preissegment speziell in Europa abdeckt. Doch der Reihe nach: 1965 stellte das Unternehmen mit dem Gerät 1025 einen ergonomischen zahnärztlichen Arbeitsplatz vor, der erstmals die Behandlung am liegenden Patienten ermöglichte. Die KaVo-Gerätesysteme der folgenden Jahrzehnte waren immer durch einen bodenmontierten Patientenstuhl mit konventioneller Hubmechanik gekennzeichnet.
Die KaVo ESTETICA E80 trägt nun das Gütesiegel „Geprüft und empfohlen.“
Die KaVo ESTETICA E80 trägt nun das Gütesiegel „Geprüft und empfohlen.“
Eine Wende erfuhr die in der Firma befindliche Fertigungstechnologie erst mit der Übernahme von KaVo durch die US-amerikanische Danaher Coporation im Jahre 2004. Das Ziel einer Produktentwicklung bei Danaher stellt den Kundennutzen in den Vordergrund, sodass im Gegensatz früherer Entwicklungen bei KaVo vorhandene Gerätesysteme im Rahmen einer Neuentwicklung nicht mehr zwingend als Basis gesehen wurden. Um den optimalen Kundennutzen einer Behandlungseinheit zu definieren, fand eine sogenannte mehrstufige Produktfindung mit internationalen Kundenbefragungen statt. In der ersten Stufe wurden Gespräche mit europäischen Kavo-Kunden geführt, um das Verbesserungspotenzial von bestehenden KaVo-Behandlungseinheiten zu identifizieren. Außerdem zeigte Armin Imhof, wie damals mithilfe einer Viedoaufzeichnung einer Operation eine Workflowanalyse erstellt wurde. Das Video zeichnete die Arbeitsschritte und -wege des Zahnarztes während der Behandlung auf, wo er und wann er sitzt, welche Abläufe sinnvoll und welche weniger ratsam sind.

Dabei kristallisierten sich insbesondere folgende Wünsche der Kunden für künftige Entwicklungen heraus: 1. aktives, sitzendes und stehendes Arbeiten soll möglich sein, 2. die Tiefstposition soll verbessert sein, 3. mehr Beinfreiheit für Behandler und Assistenz und 4. die Integration von bis dahin autarken Geräten (Chirurgiemodul, Endoantriebe etc.) sollte gegeben sein. Folgerichtig wurden in der zweiten Stufe der Produktfindung die Kundenansprüche in einem Anforderungskatalog zusammengetragen, sodass in der sich anschließenden 3. Stufe bei KaVo zwei Teams mit jeweils vier Personen innerhalb von fünf Wochen einen Prototypen entsprechend dieses Anforderungskataloges bauen sollten. Heraus kam das neue KaVo-Schwebestuhlkonzept, was mit dem bis dato typischen KaVo-Anforderungsprofil gebrochen hatte. Das Ergebnis von Team 1 war ein optimiertes Standardkonzept, das ca. 80 % der Anforderungen erfüllte, Team 2 dagegen stellte ein Ergonomiekonzept mit Schwebestuhl vor, das 95 % der Anforderungen erfüllte. In Stufe vier lobte man anschließend einen Design-Wettbewerb mit verschiedenen Design-Agenturen aus, während man in Stufe fünf der Produktentwicklung wieder die Zahnärzte mit einbezog: Mit einem Bus tourte man quer durch Europa, so Imhof, und stellte darin in einer qualitativen Befragung den Zahnärzten beide Prototypen live vor. Die Mehrzahl der Zahnärzte favorisierte dabei aufgrund der Beinfreiheit und der verbesserten Höchst-/Tiefstposition das neue Ergonomiekonzept. Aufgrund der sich aus der Befragung ergebenen Überarbeitung des Anforderungskatalogs (Stufe sechs) konnte mit der Entwicklung der Behandlungseinheit begonnen werden; das Schwebestuhlkonzept war geboren.

Das Schwebestuhlkonzept



Bei den Behandlungseinheiten E70 und E80 steht wie bereits beschrieben das innovative Schwebestuhlkonzept im Fokus, das viel Bewegungsfreiheit für mehr Behandlungskomfort schafft. Das Besondere daran ist der seitlich am Gerätekörper befestigte Patientenstuhl. Verschiedene Details, wie der einfach zu bewegende Arzttisch oder die rückenfreundlich für Arzt und Patienten geformte Rückenlehne und Kopfstütze sorgen für Komfort – und ermöglichen dadurch ein ergonomisches Arbeiten. Dabei stehen zwei Rückenschalen zu Auswahl: eine sehr flache Rückenlehnenschale und eine breite konkave Schulterauflage mit 6 cm stufenlosem Stammlängenausgleich. In Abhängigkeit zur Rückenlehnenneigung wird die Fußablage der Patientensitzbank angehoben oder gesenkt und kann so zur Unterstützung des Kreislaufsystems des Patienten eingesetzt werden. Mit einem Fußanlasser, der sowohl im Sitzen als auch im Stehen bedient werden kann, wird das Konzept abgerundet.

Besondere Kennzeichen der ESTETICA 80



Als Alleinstellungsmerkmal verfügt die ESTETICA E80 zudem über eine motorische Sitzbankanhebung und Horizontalverschiebung. Diese sorgt dafür, dass die Patienten entspannt liegen und der Zahnarzt, in rückenschonender Position, behandeln kann. Es lassen sich sowohl extrem kleine als auch sehr große Patienten bequem in eine für beide Seiten angenehme Behandlungsstellung bringen. Die Einheit lässt sich um bis zu 25 cm horizontal verschieben; dies ergibt eine maximale Beinfreiheit für Behandler und Assistenz und der Kopf des Patienten befindet sich sowohl bei der OK- wie auch UK-Behandlung immer exakt in der gleichen Stellung. Die Tiefstposition der Einheit ist mit 35 cm, die Höchstposition mit 90 cm angegeben. Mithilfe der pneumatischen Bremse am Arztelement ist dieses mit minimalstem Kraftaufwand sehr leicht zu positionieren. Kennzeichen der pneumatischen Zwei-Gelenkkopfstütze ist die stufenlose Einstellung des Kopfneigungswinkels, ein Wendepolster für die kindgerechte Behandlung sowie die ergonomisch flache Konstruktion.

Über den bereits erwähnten Multifunktionsfußanlasser ist eine Steuerung aller relevanten Funktionen möglich. Dies bedingt auch eine natürliche Fußstellung während der Betätigung, zumal das Schwenkpedal eine ergonomische Rechts-links-Bewegung des Fußes erlaubt, sowie die Möglichkeit, den Fußanlasser auch bei stehender Arbeitsweise zu bedienen. Außerdem ist eine freie Positionierung der kabellosen Variante möglich.

Zum Abschluss unseres Gespräches bringt Armin Imhof seine Gedanken zur Entwicklung der Einheiten und zur Auszeichnung nochmals auf den Punkt: „Wir haben den Zahnarzt ganz in den Mittelpunkt gestellt. Wir wollen gezielt eine gesunde Arbeitshaltung ermöglichen, da Zahnärzte häufig unter Haltungsschäden und Rückenschmerzen leiden. Das Gütesiegel der AGR bestätigt, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind“. Zugleich biete das Siegel eine Hilfestellung für den beratenden Fachhandel, wenn es im Verkaufsgespräch einer Behandlungseinheit um den Preis und das Bekenntnis zum Standort „Made in Germany“ gehe. Schließlich sei auch die Investition in die Rückengesundheit von Behandler und Team ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Wahl einer Behandlungseinheit.

Teilen

Fotostrecke
Die KaVo ESTETICA E80 trägt nun das Gütesiegel „Geprüft und empfohlen.“  

ZMK | Jg. 27 | Ausgabe 9 _ September 2011

Leser-Kommentare

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu verfassen.